Orgel in Vierzehnheiligen: Im Reich der 5000 Pfeifen

VIERZEHNHEILIGEN

Orgel in Vierzehnheiligen: Im Reich der 5000 Pfeifen

Die Sonne scheint durch die Fenster der Basilika. Draußen singen die ersten Vögel als Frühlingsboten. Innen sitzt Regionalkantor Georg Hagel an der Orgel und spielt. „Es ist die Freude an den Klängen, die ich in die Akustik der Basilika male“, beschreibt er seine Arbeit in ungewöhnlicher Wortwahl – aber durchaus treffend. „Die Klänge bleiben einige Sekunden an der Leinwand hängen und lösen sich dann auf“, erzählt er. „Wenn Du Musik machst, dann lebst Du am radikalsten im Hier und Jetzt“, sagt Georg Hagel: „Man kann nichts später retuschieren, sondern der Moment ist einzigartig“. Dann lädt er zu einem Rundgang durch das Reich der Pfeifen ein. Durch eine kleine Tür startet er seinen Spaziergang durch das Instrument, das er ebenso ungewöhnlich beschreibt: „Sie ist gebaut, wie ein Einfamilienhaus“.

Nur 65 von über 5000 Pfeifen sind sichtbar

Von außen sind gerade einmal 65 Pfeifen sichtbar. Doch der Großteil verbirgt sich hinter der Fassade. Georg Hagel steigt durch die kleine Tür in die Orgel. Der Rundgang im „Instrumenten-Einfamilienhaus“ beginnt im Erdgeschoss. Es ist so hoch, dass er aufrecht darin stehen kann. Dort befindet sich die Technik, wie Motor und Blasebälge. Allein hinter der „Hauswand“ wohnen 5000 Pfeifen, die über eine zwölf Meter lange Mechanik aus Holz mit den Tasten verbunden sind.

Über eine enge Leiter klettert der Organist dann in das darüber liegende Geschoss. Im ersten Stock versteckt sich das Pfeifenwerk der ersten und dritten Klaviatur (Manual). Dieses hat sogar einen eigenen Raum, der vom Organisten für zusätzliche Klangstärke vom Spieltisch direkt am Instrument geöffnet werden kann. In den imposanten Pedaltürmen links und rechts der Orgel sind die Basspfeifen von bis zu fünf Metern Länge zu finden, wie Georg Hagel erklärt.

Wieder muss der Kirchenmusiker eine Leiter überwinden, um in das Dachgeschoss zu gelangen. Hier gibt es die Pfeifen der zweiten und vierten Klaviatur zu bewundern – sowie ein Glockenspiel. Das zweite Obergeschoss, das Dach, bildet das „Bellevue“ mit Ausblick in das Kirchenschiff oder hinüber nach Kloster Banz.

Verschmelzung von Landschaft und Architektur

Balthasar Neumann habe „bewusst diese historische Blickachse in die Landschaft gezaubert“. Die Fassade von Vierzehnheiligen sei perfekt auf die Längsseite der ehemaligen Klosterkirche Banz ausgerichtet und „das macht den Gottesgarten aus“. Eine „Verschmelzung von Landschaft und Architektur“. Das klingt, wie die gesamte Führung durch das Instrument, beeindruckend.