BAD STAFFELSTEIN

Bürger sollen sich bei „Bären-Areal“ beteiligen

Genau gegenüber dem Rathaus ist das weitläufige Areal des ehemaligen Gasthofs „Zum Bären”. Das Gelände spielt in den Überlegungen der verschiedenen für den Stadtrat kandidierenden Parteien eine große Rolle.Archivfoto: Sascha Ott

In der Badstadt wird als einziger Kommune im Landkreis am 15. März kein Bürgermeister gewählt. Dafür haben die Wahlberechtigten aus Bad Staffelstein und seinen Ortsteilen die Möglichkeit, über die Zusammensetzung ihres Stadtrats für die kommenden sechs Jahre abzustimmen.

Für die 24 Sitze im Gremium stellen sich 114 Kandidaten von sechs Parteien und Gruppierungen zur Wahl. Diese Redaktion stellt den im Gremium vertretenen fünf Fraktionssprechern Jürgen Hagel (CSU), Winfried Ernst (FW), Christian Ziegler (JB), Dieter Leicht (SPD) und Werner Freitag (Grüne/Sbun) sowie Markus Dossenbach als Listenführer der erstmals antretenden AfD sieben Fragen, mit welchen Lösungen sie in den kommenden sechs Jahren die Stadt gestalten wollen. Im dritten Teil beantworten sie folgende Fragen:

• 1. Wie sollen Ihrer Meinung nach Großprojekte wie das „Bären-Areal“ umgesetzt werden?

• 2. Der Fremdenverkehr boomt, doch die Gastronomie in Bad Staffelstein krankt, vor allem in der Kernstadt im Bereich gut bürgerlich. Wie kann die Stadt das beeinflussen?

Jürgen Hagel (CSU):

• Zu 1: „Die Ansätze beim ,Bären-Areal‘ sind genau die Richtigen, denn hier ist wie noch bei keinem anderen Projekt die Gesamtbevölkerung auf verschiedenste Art und Weise in die Ideenfindung mit einbezogen worden. Die Ergebnisse der unterschiedlichsten Treffen, bei denen in erster Linie Bewohner des gesamten Stadtgebietes eingeladen wurden, zeigen auch, wie vielfältig gedacht wird. Letztendlich muss dann der Stadtrat mit all den zum Teil sehr hervorragenden Einfällen ein Projekt auf den Weg bringen. Solche Großprojekte darf man keinesfalls übereilig angehen, hier geht es um sehr viel Geld und verschiedenste Fördermaßnahmen. Das wichtigste für uns ist, eine größtmögliche Förderung zu erhalten, denn nur so können die angedachten Nutzungen finanziert werden.“

• Zu 2: „Wir haben in den vergangenen Jahren versucht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um eventuelle Hürden für die Gastronomie aus dem Weg zu räumen. Wo es nach den Vorschriften zu verantworten war, haben wir verschiedenste Ausnahmen gemacht. Wir haben Außengastronomie erlaubt und auch diverse Parkplatzablösen mitgetragen. Aktiv kann die Stadt hier aber nicht eingreifen, denn die Stadt kann keine Gastronomie betreiben.“

Winfried Ernst (FW):

• Zu 1: „Der endgültige Planungswettbewerb sollte unverzüglich ausgeschrieben werden. Vorher wäre eine zeitnahe Beschlussfassung über den Verkauf des historischen Vordergebäudes nötig, um Klarheit über eine weitere Nutzung (zum Beispiel Hotel) zu schaffen. Der hintere Bereich sollte für öffentliche Einrichtungen wie Bücherei, Versammlungsraum und so weiter, genutzt werden, wofür hohe Zuschüsse generiert werden könnten. Ganz wichtig ist für uns die Parkplatzfrage, die mit einer Tiefgarage oder einem Parkdeck gelöst werden sollte.“

• Zu 2: „Die Stadtverwaltung sollte bei Leerständen gezielt auf die Eigentümer zugehen, um eine gastronomische Nutzung und die Möglichkeit der Unterstützung durch die Stadt zu signalisieren. Durch die Ausweisung von öffentlichen Parkplätzen beim ,Bären-Areal‘ wäre die Stellplatzfrage lösbar. Die Ablösung von Stellplätzen in der Innenstadt halten wir wegen der jetzt schon bestehenden Parkplatzproblematik für wenig hilfreich. Investoren und Pächter für Gaststätten sind momentan sehr schwer zu finden, was auch am Arbeitskräftemangel im gastronomischen Bereich liegt. Darauf haben die Stadträte nur wenig Einfluss.“

Christian Ziegler (JB):

• Zu 1: „Mit einer größtmöglich Beteiligung unserer Bürger. Hier sind ja schon einige Workshops durchgeführt worden. Fachliche Unterstützung durch Ingenieurbüros ist hierzu aber auch von Nöten. Wichtig ist aber auch, dass in der Verwaltung die Verantwortlichkeiten klar geklärt sind. Konkret beim Projekt ,Bären‘, das ein einmaliges Potenzial direkt in der Innenstadt darstellt, muss mit Bedacht herangegangen werden. Es wird aber sicher hier zu einer privaten und öffentlichen Nutzung kommen. Für den privaten Nutzungsbereich wird ja aktuell ein Interessensbekundungsverfahren durchgeführt. Eine öffentlichen Nutzung, wie der Tourismusservice, die Bücherei, ein Generationentreff, Veranstaltungsraum und Parkmöglichkeiten, aber auch die Barrierefreiheit von öffentlichen Einrichtungen des Rathauses, müssen von der Stadt realisiert werden. Ein Bindeglied zum privat geführten Bereich ist der Genuss, der durch einen Regionalladen und das Thema ,Bier‘ erfolgen kann. Wünschenswert wären eine Gastronomie mit fränkischer Küche und ein Hotel mit Veranstaltungs- und Seminarbereich.“

• Zu 2: „Gerade durch den Erwerb des ,Bären-Geländes‘ hat die Stadt für diesen Bereich den größtmöglichen Einfluss erlangt und hat es in der Hand, was dann tatsächlich realisiert wird. Das Interessensbekundungsverfahren für einen Teil des ,Bären-Areal‘ läuft ja gerade, sodass nach Wertung mit einem potenziellen Käufer eine klare Nutzungsverpflichtung vereinbart werden kann. Das Gelände hat Tradition, die erhalten werden muss. Das eigentliche Problem ist jedoch der Fachkräftemangel im gastronomischen Bereich. Hier muss die Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten ansetzen und die heimischen Gastronomie gerade mit Ausbildungsbetrieb stärken.“

Dieter Leicht (SPD):

• Zu 1: „Auf dem schnellsten Weg – so die Wunschvorstellung. Allerdings brauchen solche Projekte zunächst Ideen und Konzepte. Die Umsetzung ist vor allem eine Frage der Finanzierung. Förderprogramme ausschöpfen und Investorensuche heißt, Bedingungen müssen erfüllt werden, die zumeist mit einem erheblichen zeitlichen Aufwand verbunden sind. Dies bedeutet eben auch, dass sich nicht alles sofort verwirklichen lässt. Die Zusammenarbeit der beteiligten Behörden muss unbedingt optimiert und unbürokratischer werden.“

• Zu 2: „Dass in Bad Staffelstein die Gastronomie krankt, ist wohl etwas überzogen. Wenn man das Gasthaus-Sterben andernorts sieht, sind wir in Bad Staffelstein, vor allem in unseren Stadtteilen, davon relativ verschont und gut aufgestellt. Rund um den Marktplatz sieht es etwas anders aus. Allerdings braucht man zunächst ein entsprechendes Objekt, und die Einflussmöglichkeit auf einen Betreiber, was er anbieten soll oder nicht, hält sich doch in Grenzen. Ein großes Problem in der Gastronomie ist zudem das fehlende Personal. Wir hoffen, dass es im ,Bären-Gelände‘ zu einer schnellen Umsetzung kommt und sich der Wunsch nach einer solchen Gaststätte als belebender Anziehungspunkt baldmöglichst realisieren lässt.“

Werner Freitag (Grüne/SBUN):

Die Altstadt von Bad Staffelstein ist ein architektonisches Schatzkästchen. Damit hier mehr gastronomische Betriebe Fuß ... Foto: Markus Drossel

• Zu 1: „Den bisherigen Ideenpool zusammentragen, ordnen und dann entscheiden, was möchte und kann die Stadt selbst umsetzen, welche Partner könnte man hinzuziehen, zum Beispiel zur Vermarktung von regionalen Produkten. Und hier könnte man vielleicht auch eine Lücke schließen bezüglich Gastronomie und dem Angebot für junge Leute, die momentan in der Stadt wenig Raum erhalten. Die Ideen für das ,Bären-Gelände‘ wurden mit der Bevölkerung erarbeitet, und nun gilt es ein Konzept aus einem Guss zu erstellen und umzusetzen. Wichtig ist, bei einem so großen und wichtigen Projekt sämtliche Fördermöglichkeiten auszuschöpfen, denn alleine können wir das Leuchtturmprojekt im Herzen der Stadt nicht umsetzen.“

• Zu 2: „Das Angebot in und um Bad Staffelstein bezüglich Gastronomie ist sehr vielfältig und breitgefächert, und bei diesem Punkt zeigt sich, dass Bad Staffelstein mehr als nur aus der Kernstadt besteht, denn gerade auf den Dörfern haben wir viele gutbürgerliche Gastronomie-Betriebe und viele eigene Brauereien, die über die Stadt hinaus sehr bekannt sind. Das zeigt sich auch auf dem sehr beliebten Bierfest. Wichtig wäre uns, die Ausbildungsmöglichkeiten im Gastgewerbe zu bewerben und aufzuwerten, denn so manches Angebot muss aus Personalmangel zurückgefahren werden. Hier könnte man sich auch eine Zusammenarbeit mit der Hotel- und Tourismusfachschule in Kronach vorstellen.“

Markus Dossenbach (AfD):

• Zu 1: „Das Areal bietet eine große Chance und ein ebenso großes Risiko. Es sollte ein Ideenwettbewerb unter den Bürgern des gesamten Stadtgebiets durchgeführt werden. Hier ist Bürgerbeteiligung angesagt. In unseren Augen sollte das Areal in erster Linie wirtschaftliche Ziele verfolgen: Etwas für junge Menschen, die durch ein besseres Angebot in Staffelstein bleiben und nicht abwandern. Etwas für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, beispielsweise ein Gründerzentrum. Neue Ideen schaffen auch Arbeitsplätze, und die Digitalisierung lässt Firmen überall dort entstehen, wo man über schnelle Datenleitungen und Kapazitäten verfügt. Und wenn das in guter Nachbarschaft mit einer dienstleistungsorientierten Stadtverwaltung liegt, sorgt das für kurze Wege, schnelle Entscheidungen und dient der Belebung des Zentrums. Es lockt überwiegend jüngere Menschen in die Stadt.

Konzeptionen, die lediglich zusätzliche Mittel im städtischen Haushalt binden, lehnen wir ab. Wir brauchen Investitionen, die sich auszahlen.“

• Zu 2: „Nicht nur die Gastronomie krankt. Es gibt zu viel Leerstand (zum Beispiel ehemalige Hypobank). Der Gastronomie speziell in der Nähe des Rathauses fehlen die Freiflächen. Mit einem geänderten Verkehrskonzept und wechselweise einspuriger Durchfahrt könnte die Hauptdurchfahrtsstraße zugunsten von breiteren Gehwegen mit Bewirtungsmöglichkeiten und Parkplätzen in Breite und Fahrgeschwindigkeit reduziert werden. Doch braucht es auch mutige Gastronomen, die mit kreativen Ideen antreten. Auch sollte das kulturelle Angebot auf dem Marktplatz verbessert werden. Das Publikum ist nicht nur Ü 60, sondern auch U 40. Möglicherweise könnte der Leerstand anderer Flächen wenigstens optisch verbessert werden, wenn die Eigentümer gehalten wären, die Schaufenster ansprechend zu dekorieren oder anderen Geschäften zu günstigen Konditionen zur Verfügung zu stellen. Was Staffelstein fehlt, ist ein Alleinstellungsmerkmal im Produktbereich. Leider ging das mit dem Ende von LeKra oder der Alka verloren.“

Weitere Artikel zur Kommunalwahl gibt es unter www.obermain.de.

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