KUTZENBERG

Was bei Rheuma hilft: Vortrag in Kutzenberg

Was bei Rheuma hilft: Vortrag in Kutzenberg
Rheuma ist nicht gleich Rheuma. Oberarzt Dr. Dirk Günthel vom Bezirksklinikum Obermain ging auf die wichtigsten Formen ein mit der Unterscheidung in entzündliche und nichtentzündliche Erkrankungsformen. Foto: Mario Deller

„Ich hab Rheuma“. Wenn uns jemand mit diesen Worten sein Leid klagen will, sollten wir verständnisvoll zuhören. Doch es gibt nicht die Krankheit Rheuma, sondern die Bezeichnung steht als Sammelbegriff für zahlreiche Erkrankungen, die Gelenke, Knochen, Muskeln und sogar Organe betreffen können. Mit seinem Vortrag „Was ist Rheuma und was kann ich als Betroffener tun?“ brachte Dr. Dirk Günthel, leitender Oberarzt der Klinik für Internistische Rheumatologie am Bezirksklinikum Obermain, Licht ins Dunkel.

Rund 100 interessierte Zuhörer hatten sich im Festsaal eingefunden. Fachkompetent, ehrlich und umfassend beleuchtete der erfahrene Referent Symptomatik und Behandlungsansätze des rheumatischen Formenkreises. Gleich zu Beginn wies der Mediziner auf die wichtige Unterscheidung zwischen entzündlichem und nichtentzündlichem Rheumatismus hin.

Entzündliche Rheumatismen sind Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem quasi gegen den eigenen Körper richtet. Relativ bekannt ist die Rheumatoide Arthritis mit rund 500 000 Patienten in Deutschland. Es kommt als sichtbares Symptom zum Anschwellen von Gelenken bis zu Gelenkfehlstellungen. Der Referent zeigte an der Leinwand die Abbildung einer sogenannten „Schwanenhalsdeformität“ als fortgeschrittene Form der Erkrankung. „Durch Medikamente kommt es heutzutage aber zum Glück nur noch selten zu solch schweren Verläufen“, so Günthel.

Was viele Außenstehende oftmals nicht wissen: als Komplikation kann bei einer rheumatoiden Arthritis auch die Lunge betroffen sein bis hin zur Lungenfibrose, einer Vernarbung des Lungengewebes.

Auch auf das „Schuppenflechten-Rheuma“ oder das zu einer Versteifung der Wirbelsäule führende Morbus Bechterew ging der Referent ein. Ebenfalls dem entzündlichen Rheumatismus zugehörig ist das Bindegewebsrheuma (Kollagenose). Als Unterform ist etwa die Autoimmunerkrankung Lupus Erythematodes zu nennen, angesichts der sichtbaren Symptomatik im Gesicht auch als „Schmetterlingskrankheit“ betitelt. Seal, der britische Sänger und Ex-Mann von Heidi Klum, leidet seit seiner Jugend darunter, die Narben in seinem Gesicht sind hierauf zurückzuführen.„Betroffene sind extrem sonnen- und lichtempfindlich“ erklärt Günthel hierzu und betont die Notwendigkeit einer Behandlung: „Wenn der Lupus Erythematodes nicht rechtzeitig in den Griff zu bekommen ist, kann es auch zu schweren Nierenschäden kommen.“

Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen

Die moderne medikamentöse Therapie kann Abhilfe schaffen. Neben der Einnahme der Präparate können Patienten auch einiges dazu beitragen, um den entzündlichen Rheumatismus in Schach zu halten. Der Referent empfahl mediterrane Ernährung sowie zur Schmerzlinderung und zum Zwecke des Erhalts der Bewegungsfunktion der Gelenke auch Bewegung. „Rauchen befeuert das entzündliche Rheuma. Ich hatte schon Patienten, die mit dem Rauchen aufhörten und dadurch in der Folge weniger Medikamente benötigten oder diese teilweise sogar ganz absetzen konnten“, sagte Günthel.

Bei nichtentzündlichen Rheumaformen wie Weichteilrheuma könne sich der Schmerz verselbständigen und auch an Stellen auftreten, an denen gar keine Ursache festzustellen ist. Als mögliche Ursachen nannte Günthel bestehende chronische Schmerzen, Überlastung oder auch schlecht verarbeiteten Stress. Während der entzündliche Rheumatismus bei schwerem Verlauf sogar zur Zerstörung von Gelenken, Muskulatur und bisweilen sogar lebensbedrohlichem Übergreifen auf Organe führen kann, ist Weichteilrheuma nur schmerzhaft.

Im Gegensatz zur Behandlungsweise bei entzündlichem Rheumatismus helfen Medikamente bei nichtentzündlichen Formen wenig. Hilfreich sei allerdings regelmäßige körperliche Betätigung mehrmals wöchentlich mindestens 30 Minuten, beispielsweise Nordic Walking, Radfahren, Aquajogging oder Gymnastik. Auch Wärmeanwendungen und meditative Entspannungsverfahren wie Qigong oder Yoga können die Beschwerden lindern.

Ein Überschuss an Harnsäure liegt bei der mit rheumatischen Erkrankungen einher gehenden Stoffwechselstörung Gicht. Gesunde Ernährung ist gerade auch hier empfehlenswert.

Im Anschluss nahm sich Günthel die Zeit, um auf Fragen aus dem Publikum einzugehen. Diese betrafen etwa schwere Arthrose mit hohen Entzündungswerten, den Einsatz von Cortison, und ein Besucher berichtete von auftretender Muskelschwäche als Begleitsymptom seines Schuppenflechte-Rheumas. Auf die Frage, ob aus einer Borreliose-Erkrankung Rheuma resultieren könne, erwiderte Günthel: „Borreliose kann zwar zu Rheuma führen, aber befällt dann in den meisten Fällen nur ein Gelenk, meistens das Knie“.

Vortrag über Depression als Volkskrqankheit

Den nächsten Vortrag hält am Samstag, 18. April um 14 Uhr Dr. Nedal Al-Khatib, Chefarzt der Kutzenberger Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik zum Thema „Depression – eine Volkskrankheit“.

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