PFERDSFELD

Ebensfeld: Tobias Engel (SPD) will Bürgermeister werden

Die Musik bestimmte sein Leben von Kindesbeinen an: Das Waldhorn ist die große Leidenschaft von Tobias Engel. Ab März würde er auch gerne den Ton im Rathaus Ebensfeld angeben: Der 29-Jährige ist der große Hoffnungsträger der SPD, die nach drei Jahrzehnten wieder einen Kandidaten um das Bürgermeisteramt ins Rennen schickt.

Als Vereinsmensch liebt er gesellige Runden

Von Beruf ist Engel Entwicklungsingenieur für einen namhaften Wärmepumpenhersteller in Kasendorf. Entwickeln würde der gebürtige Unterfranke gerne so einiges. Zum einen will er den SPD-Ortsverband aus seinem Schattendasein herausführen und mit frischen Ideen für bisher Politikverdrossene wieder interessant machen. Voranbringen würde aber auch gerne seine Wahlheimat: „Ich möchte die Jugend ansprechen und animieren. Ich möchte anpacken und begeistern, dass etwas vorwärts geht. Ich möchte Kommunikation fördern und will Vermittler sein“, sagt der 29-Jährige.

Engel ist ein Vereinsmensch, liebt gesellige Runden und den offenen Austausch. Früher musizierte er im Kreisorchester Hassberge, während seiner Bundeswehrzeit spielte der Obergefreite im Wehrbereichsmusikkorps in Erfurt. „Zwischenzeitlich hatte ich sogar überlegt, hauptberuflicher Musiker zu werden“, sagt er. Dann aber hätte er bei seinem Studium des Maschinenbaus aber wohl nicht seine Frau Mona kennen und lieben gelernt.

Ab und an „in der Marga“ zu erleben

Heute ist er Mitglied in der Musikvereinigung Ebensfeld und ab und an auch als Wirtshausmusiker zu erleben, beispielsweise „bei der Marga“ in Pferdsfeld. Bis zu ihrer Stilllegung war Engel Teil der Volleyball-Ligamannschaft der SpVgg Rattelsdorf. Heute sind der Laufsport (der 29-Jährige nimmt seit Jahren unter anderem am Flechtkulturlauf teil) und der Langlauf, gerne auf den Höhenzügen bei Lahm, die sportlichen Leidenschaften des Wahl-Pferdsfelders. Gerade bei den Vereinen möchte Engel ansetzen: „Wir haben viele tolle Vereine in Ebensfeld, deren Austausch untereinander ich fördern möchte. So können sie sich gegenseitig helfen“, sagt er. Miteinander sprechen und Dinge gemeinsam angehen: Das ist dem jungen Kandidaten ein wichtiges Anliegen.

Mutig will Tobias Engel dabei voranschreiten. Die Tatsache, dass als „Reingeschleifter“ nicht alle Strukturen und Befindlichkeiten zu kennen, sieht er als Vorteil: So könne er unvoreingenommen an die Sache herangehen, habe den ungetrübten, objektiven Blick von außen, der manch anderem fehle. Aufgeschlossen und offen wolle er agieren und sich fleißig engagieren.

Der Liebe wegen von Unterfranken in den „Gottesgarten am Obermain“

Die Liebe führte ihn im Jahr 2015 in den Markt Ebensfeld, daraus wurde auch eine Liebe zum „Gottesgarten am Obermain“ mit all seinen architektonischen wie landschaftlichen Schönheiten. Engel mag es, von seinem derzeitigen Wohnort Pferdsfeld aus (im Jahr 2020 zieht er nach Ebensfeld) kleine Wanderungen in die idyllische Natur zu unternehmen. Fast immer bindet er den Ansberg mit in seine Runden ein. „Ich habe mich schon ein wenig in Oberfranken und das Maintal verguckt, weil es hier einfach wunderschön ist.“

Es war Ebensfelds SPD-Urgestein Kurt Hammer, der den jungen Genossen fragte, ob er nicht für das Amt des Bürgermeisters kandidieren wolle. Engel überlegte, sprach mit Mona und sagte wenig später zu. „Ich mag jung sein, aber ich bin vielseitig interessiert und habe schon viel erlebt“, sagt er. Der Markt Ebensfeld dürfte nicht nur verwaltet, er müsse weiterentwickelt werden. „Eine große Aufgabe wird die Sanierung der Schule. Da muss ich leider sagen, fehlen bislang die Konzepte. Außer teuren Machbarkeitsstudien wurde nichts auf den Weg gebracht, es mangelt am Plan“, kritisiert er.

Weil die Bahn der Kommune viel Ärger bereitet hat

Stärken will der SPDler auch den Öffentlichen Personen-Nahverkehr. „Die Bahn hat uns in Ebensfeld in den vergangenen Jahren viel Ärger bereitet“, sagt er mit Blick auf die ICE-Trasse. „Nun müssen wir von der Bahn auch etwas einfordern. In der Vergangenheit wurden die Halte reduziert, mit Einsatz der SPD konnten weitere Halte dazugewonnen werden.“ Gerade im Hinblick auf das BKO in Kutzenberg und dem Anschluss an die Metropolregion Nürnberg sei das wichtig. Beim Punkt ÖPNV müsse der Landkreis mit einer Stimme sprechen, um etwas für sich zu erreichen. Die graue Lärmschutzwand, die dank des Hochgeschwindigkeitszugs nun Ebensfeld teilt, gelte es dringend aufzuhübschen und auch an anderen Stellen die Narben des Großprojekts zu kaschieren.

Ebensfeld habe viel zu bieten, doch in manchen Bereichen fehlen für Engel wichtige Standortfaktoren und damit Anreize für Firmen und junge Familien, sich hier niederzulassen. Beim Breitbandausbau hake es noch, vor allem in den Dörfern. „Außerdem müssen wir Wege finden, eine innerörtliche Wiederbelebung anzuschieben“, fordert Engel. Ein Schwerpunkt ist für ihn die Nutzung regenerativer Energien. „Klar, Ebensfeld hat schon Photovoltaikflächen ausgewiesen, doch das ist nicht das Entscheidende. Viel wichtiger wäre es, wenn die Haushalte selbst ihren Strom produzieren würden. Da muss die Gemeinde zur Seite stehen, dafür brauchen wir einen kommunalen Energieberater. Jeder kann etwas tun, wir müssen nur aktiv an die Sache herangehen.“ Gerade im Bereich Energie und Technik bringt Engel von Berufswegen enormes Fachwissen mit. „Dadurch kann ich die Hebel bei so manchem Vorhaben an der richtigen Stelle ansetzen und so manches Vorgehen hinterfragen.“

„Ich will ein Mehrwert für die Demokratie sein“

Tobias Engel freut sich auf die Herausforderung Kommunalwahlkampf. Die ersten Reaktionen auf seine Kandidatur seien sehr positiv gewesen und hätten ihn bestärkt, das Richtige zu tun. „Realistisch betrachtet ist es sehr schwer, sich gegen einen etablierten Bürgermeister durchzusetzen“, sagt der gebürtige Gädheimer. „Ich würde mich sehr freuen, wenn es klappt. Selbst wenn ich nur ein Mehrwert für die Demokratie wäre, wäre ich glücklich.“

Zur Person

• Geburtstag: 13. Dezember 1990 • Erlernter Beruf: Entwicklungsingenieur • Partei: seit sieben Jahren in der SPD • Politik: Seit 2019 Vorsitzender der SPD Ebensfeld • Hobbys: Wandern, Musik, Laufsport, Langlauf