VIERZEHNHEILIGEN

Pater Heribert Arens: Menschlichkeit als Leitmotiv

180 Fußwallfahrten und rund eine halbe Million Besucher pro Jahr auf dem Heiligen Berg: Als Pater Heribert Arens vor neun Jahren Guardian des Franziskanerklosters und Rektor der Wallfahrtsbasilika wurde, staunte der Westfale nicht schlecht ob der Dimensionen der fränkischen Wallfahrt. Mit Offenheit, Herzlichkeit und Menschlichkeit ging er seine Arbeit an und auf die Mitmenschen zu, was ihn zu einer geschätzten und nicht selten bewunderten Persönlichkeit werden ließ. Am Sonntag um 10.30 Uhr verabschiedet er sich mit seiner letzten Predigt aus Vierzehnheiligen.

„Stolz ist eine Dimension, die mir fremd ist“, sagt der 78-Jährige über sich selbst. Stolz aber könnte er sein auf das, was er in seinem Leben bereits geleistet hat. Als Provinzial der Nord-Ostdeutschen Franziskanerprovinz war er einst einer der höchsten Vertreter seines Ordens in Deutschland. Seine fast 20 Bücher, ungezählte Beiträge in Zeitschriften und die Rundfunkbeiträge für den Deutschlandfunk machten ihn weithin bekannt. Und am Obermain war er ein beliebter Gesprächspartner, ein gefragter Seelsorger, ein geschätzter Prediger und jemand, der auch im Glauben Offenheit pflegte sowie die Ökumene forderte und förderte.

„Die Oberfranken sind offen und unkompliziert“

Als er vom „Kloster zum Mitleben“ auf dem Hülfensberg nach Vierzehnheiligen kam, wusste er nicht mehr, als dass es sich um einen Wallfahrtort handeln würde. Von eingangs genannter Bedeutung wurde er überrascht – und das überaus angenehm. „Vierzehnheiligen ist geprägt durch fränkische Frömmigkeit. Wir begegnen hier Menschen mit einem Grundvertrauen auf Gott, die aber oft auch Fragen haben, die suchen und manchmal auch über Gott fluchen. Wir holen sie ab, führen sie in die Basilika mit dem Jesuskind in ihrer Mitte und sehen dann viele glückliche Menschen.“

Nähe zum Menschen ist für den Pater ein Grundanliegen. Und so ging er sogleich auf die Menschen der Region zu, hatte dank seiner unkomplizierten Art keine Eingewöhnungsprobleme. „Auch uns Westfalen sagt man nach, dass wir stur seien“, sagt er und lacht. „Alles nur Vorurteile. Die Oberfranken sind offen und unkompliziert“

Weil die Geschichte wichtig ist für die Gesellschaft

Stur kann Heribert Arens werden, wenn grundsätzliche Werte der Menschlichkeit infrage gestellt werden. „Als Theologe bin ich natürlich ein politischer Mensch. Ich muss sehen, was in der Welt geschieht, um es dann zu deuten.“ Und zu werten.

„Es ärgert mich, mit Fundamentalisten zu tun zu haben, die keine Offenheit haben für das Andere, die sich benehmen, als wären sie Gott persönlich. “
Pater Heribert Arens, Guardian in Vierzehnheiligen

Menschenferne und Polemik sind Dinge, die Heribert Arens maßlos aufbringen. „Es ärgert mich, mit Fundamentalisten zu tun zu haben, die keine Offenheit haben für das Andere, die sich benehmen, als wären sie Gott persönlich. Die die Vergangenheit glorifizieren und damit der Gegenwart nicht gerecht werden und damit keine Zukunft haben.“ Rückwärtsblickend vorwärts schauen, das fordert Pater Heribert vom modernen Menschen: Die Geschichte dürfe bei der Gestaltung der Zukunft nicht vergessen werden.

Vierzehnheiligen ist für Pater Heribert so etwas wie sein Stein gewordenes Leitbild. „Erschienen ist allen Menschen die Güte und Menschlichkeit Gottes“, heißt es im Brief des Paulus an Titus. An jenem Ort, an dem heute der prunkvolle Gnadenaltar steht, soll einem Langheimer Schäfer auch der Heiland, das Kind von Bethlehem, inmitten der 14 Nothelfer erschienen sein. „In der Mitte dieser Kirche steht also das Geheimnis der Menschwerdung. Und mir ist es wichtig, ein wenig die Güte Gottes erfahrbar zu machen.“ Dass Pater Heribert eine Persönlichkeit ist, beweist nicht zuletzt sein Eintrag in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia, in der sich längst nicht jeder Bürgermeister des Landkreises wiederfindet. Der Guardian winkt ab. „Das habe ich mit Erstaunen festgestellt“, sagt er. Es ist ihm fast etwas peinlich, denn nur ungern macht er Aufheben um seine Person.

Der Guardian hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag

„Man tritt nicht einfach in einen Orden ein, sondern es spielt sich etwas ab, was man Berufung nennt.“ Bei Heribert Arens war der Weg gleich mehrfach vorbestimmt. 1942 wurde er im kleinen westfälischen Wallfahrtsort Werl geboren. Sein Vater war Drucker, arbeitete in der Druckerei des dortigen Franziskanerklosters. Und das führte dazu, dass der heute fast 78-Jährige von Kindesbeinen an das Leben der Franziskaner kennen und schätzen lernte. „Wir Franziskaner glauben an das Bild eines menschenfreundlichen Gottes, einen Gott, der da ist, wo immer wir sind.“ Genau das war stets der Schlüssel für seine seelsorgerische Tätigkeit. Und 1961 war es für den damals 19-Jährigen der Grund, sich dem Orden anzuschließen. 1967 wurde er zum Priester geweiht.

Dem fast 78-Jährigen steht „ein Weltenwechsel“ bevor

Dass die Leitungsfunktion in Vierzehnheiligen nur eine Aufgabe auf Zeit sein würde, war klar. Alle drei Jahre wird beim so genannten Kapitel der Franziskaner die Neuverteilung der Aufgaben besprochen. „Länger als sechs bis neun Jahre bleibt keiner in einem Amt“, so Pater Heribert. Für den 78-Jährigen geht es schon kommende Woche nach Dorsten in Nordrhein-Westfalen.

„Es war mein Wunsch, alle Ämter niederzulegen. 36 Jahre war ich ununterbrochen in Verantwortung, nun freue ich mich, die Verantwortung loszulassen. Dafür bin ich dankbar“, sagt er. Ihm steht dieser Tage nicht weniger als „ein Weltenwechsel“ bevor, wie er es nennt. Vom angesehen Wallfahrtsort geht es in ein Kloster in die Innenstadt, mitten in der Fußgängerzone. „Von meinem Zimmer aus blicke ich fortan auf eine Filiale von Rossmann“, sagt er augenzwinkernd. Das Kloster in Dorsten ist ein moderner Zweckbau, den er in seiner Zeit als Provinzial selbst mit aufbaute.

Fortan wird er kein Guardian sein, sondern nur ein „normaler“ Frankiskanerbruder. Vielleicht hat er dann wieder mehr Zeit für seine Hobbys, „die ich in den vergangenen Jahren sehr vernachlässigt habe. Ich höre gerne barocke und klassische Musik und ich mag Jazz, weil es ein Zusammenspiel ist aus Rhythmus und Swing. Auch das Leben braucht Ordnung, also Rhythmus, aber auch Lebenslust, den Swing.“ Ferner wandert Pater Heribert gerne. Ein wenig vermissen wird er wohl den Blick von der Wiese hinter dem Garten des Klosters aus auf die kleine Kapelle am Konradshof und den „Gottesgarten“. Der Garten, das ist der Lieblingsplatz des Guardians.

Früher war Pater Heribert als Homiletiker (Homiletik = Predigtkunde) in der Predigtausbildung tätig. Viele seiner Predigten hat der Westfale auch veröffentlicht. „Predigten sollten Theologie, Bibel und Leben zusammenbringen. Manchmal sitze ich an einer Predigt nur eine Stunde, manchmal dauert dieser kreative Prozess mehrere Tage“, gibt er Einblicke.