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Bad Staffelsteiner Lachnacht: Zwerchfelltraining hoch vier

Bad Staffelsteiner Lachnacht: Zwerchfelltraining hoch vier
Kein Auge trocken blieb bei den Einlagen von Atze Bauer, der zugleich witzig die „Lachnacht“ auf Banz moderierte. Foto: Mario Deller

Es gibt das eine Kur für den ganzen Körper, nebenwirkungsfrei und geeignet für 20-Jährige wie Senioren. Rund 100 Teilnehmer begaben sich in der Kutschenhalle auf Banz erfolgreich in Behandlung bei der „Lachnacht“ mit gleich vier Unterhaltskünstlern. Die Veranstaltung der Kulturinitiative Bad Staffelstein hielt, was sie versprach. Atze Bauer, Thomas Nicolai, Andy Sauerwein und Jörg Kaiser malträtierten das Zwerchfell der Zuschauer ordentlich mit witzigen Liedern, Lästereien und Parodiekunst.

Bad Staffelsteiner Lachnacht: Zwerchfelltraining hoch vier
Männer im Dessous-Laden, aggressive Gehsteigkehrer und Klischees über Franken – Comedykunst zum Schlapplachen bot auch J... Foto: Mario Deller

Nichts tun ist das neue Yoga, lautete etwa die Quintessenz des Liedes „Eigentlich“, mit dem Atze Bauer, zugleich witziger Moderator, den humorigen Abend eröffnete. Schnell hatte der Mann aus Höchstadt/Aisch mit der charakteristischen „Sturmfrisur“ einen Draht zum Publikum gefunden, welches begeistert den Refrain mitsang: „Doch dieses ,eigentlich' ist mir egal, ich entspanne in der Wanne, ich entkrampfe mit der Klampfe, die Hektik kann mich mal.“ Genauso gut an kam sein Lied „Ich fahre 'nen Diesel“ mit der Melodie des Hits „An Tagen wie diesen“. Und Boris Johnson, der Regisseur der unendlichen Brexit-Geschichte, bekam sein Fett weg in Form eines Abschiedssongs für die Briten.

Das Publikum amüsierte sich köstlich

Beste Unterhaltungskunst boten auch die drei weiteren Comedians, die die Kulturinitiative für die „Lachnacht“ ebenso gewinnen konnte, so etwa der Würzburger Andy Sauerwein. „Ich wär' so gern ein Macho“, schmetterte er ein flottes Lied am Keyboard. Das Publikum ließ sich nicht lang bitten, stimmte auch hier beim Refrain ein und amüsierte sich köstlich, wie Sauerwein anschließend kurzweilig von seinem Coming-Out als Veganer erzählte oder zu beachten gab, welche Folgen die Schwerkraft bei Tattoos mit sich bringen kann: „Das Pokemon wird mit den Jahren länger und länger – und wenn du 80 bist, hast du eine Giraffe am Arsch.“

Bad Staffelsteiner Lachnacht: Zwerchfelltraining hoch vier
Thomas Nicolai schlüpfte parodierend in die Rolle von Promis. Als Klaus Kinski durfte der böse Blick freilich nicht fehl... Foto: Mario Deller

Jörg Kaiser aus Lonnerstadt bei Nürnberg, der schon öfter mit Atze Bauer („Der Kaiser und der Bauer“) aufgetreten ist – auch in der Alten Darre in Bad Staffelstein – stand dem in nichts nach. Kaiser, der bei seiner Darbietung ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Franken sind nicht stur – sie geben dir nur Zeit, deine Fehler einzusehen“ trug, spielte mit Klischees über Franken. Er regte sich künstlich über rücksichtslose Gehsteigkehrer am Samstagnachmittag („Du denkst, die halbe Ortschaft trainiert für die Curling-WM“) und lud die Zuhörer ein, im Alltag verbal einmal eine ganz andere Herangehensweise zu wählen, nämlich süffisant durch die Blume.

Ein wenig Frivolität hier und da

Seine Beispiele erheiterten das Publikum aufs Beste. Wenn der Mann nach dem Sex fragt, kann die Partnerin ihr nicht ganz so positiv ausfallendes Resümee beispielsweise in die Worte kleiden: „War halt mal was anderes.“ Ein wenig Frivolität hier und da eingestreut, verlieh der Veranstaltung Pep und kam auch beim Publikum gut. Wie Kaiser weiter ausführte, passt auf die Frage „Kann ich Ihnen helfen“ einer Verkäuferin die Antwort „Danke, ich schau bloß a weng“ in den allermeisten Fällen ganz gut. Ein Mann, der auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für seine Gattin diesen Satz im Dessous-Laden wählt, könnte allerdings schräge Blicke ernten.

Bad Staffelsteiner Lachnacht: Zwerchfelltraining hoch vier
"Ich wär' so gern ein Macho“, sang Andy Sauerwein am Keyboard. Foto: Mario Deller

Stimmfärbung, Körperspiel, Gesichtsmimik – all das zeichnete die vier Bühnendarsteller aus, was verbunden mit dem Witz der Geschichten und Songs und den Pointen für hohen Unterhaltungswert sorgte. Immer wieder Zwischenapplaus erhielt deshalb auch der vierte Zwerchfelltrainer im Bunde, der Leipziger Thomas Nicolai. Wie zuvor seine Bühnenkollegen holte er das Publikum mit an Bord, etwa bei seiner Darstellung der unterschiedlichen Flirtvarianten von Franzosen, Spaniern und Italienern. Und wie schon bei seinen vergangenen Auftritten sorgte er mit seinen parodistischen Fähigkeiten für Schenkelklopfer.

Finsterer Blick wie einst ein berüchtigter Schauspieler

In der Kutschenhalle schlüpfte Nicolai in die Rolle der Bewohner einer fiktiven Promi-WG. Die Zuschauer hatten ihren Spaß, wie er Herbert Gröhnemeyer, Thomas Gottschalk und Martin Semmelrogge nachahmte. Nach dem Vorwurf „Willst du nicht mal wieder abwaschen“, blickte Nicolai alias Klaus Kinski genauso finster wie seinerzeit der berühmt-berüchtigte Schauspieler.

Die knapp dreistündige Veranstaltung im Zeichen des Frohsinns erfuhr nach der Devise „Jetzt hau' mal einen raus“ ihren gelungen Abschluss mit einer vergnüglichen Witzerunde der vier Unterhaltskünstler. Die Comedy-Lachsalven hatten ihre Wirkung an diesem Abend nicht verfehlt. Und mancher Alltagsärger, der den einen oder anderen Zuschauer zuvor noch gegrämt hatte, war verraucht.

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