ZAPFENDORF/MITWITZ

Hanfmix statt Mais-Monokulturen: Workshop für Landwirte

Beim Rundgang machten sich die Teilnehmer des Workshops auf die Suche nach geeigneten Projektflächen. Foto: Ökologische Bildungsstätte Oberfranken

Mehr Wertschätzung für Landwirte, mehr Wertschätzung für ihre Erzeugnisse – und mehr Wertschätzung für die Landschaft, in der wir leben: Die Ergebnisse des Ganztages-Workshops „Landwirtschaft für Naturschützer“ klingen theoretisch, lassen sich aber problemlos in der Praxis umsetzen, beispielsweise mit einem Veitshöchheimer Hanfmix als Mais-Ersatz.

Eingeladen hatte das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) um sich gemeinsam mit den Bauern, Vertretern der Kommune, Vertretern der Teilnehmergemeinschaft und des Gartenbauvereins Oberleiterbach kräftig die Köpfe zu zerbrechen.

Workshopleiter André Maslo von der Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken Mitwitz führte in das Thema ein und ging zunächst auf die Situation der Landwirte ein, die dank der Bürokratie und eines schleichenden Vertrauensverlustes alles andere als einfach sei. Er warb für mehr gegenseitigen Respekt und ein Wir-Gefühl zwischen Bevölkerung beziehungsweise Konsument und Landwirt als Produzent: Nur gemeinsam gelinge es, Naturschutz und landwirtschaftliche Belange unter einen Hut zu bringen.

Für eine Modellregion geradezu prädestiniert

Gerade der Zapfendorfer Gemeindeteil Oberleiterbach bietet sich als Modellregion geradezu an. Die Flur rund um das Bioenergiedorf ist zunehmend geprägt von Mais-Monokulturen, was bei Starkregenereignissen fatale Folgen hat. ALE-Fachmann Daniel Spaderna informierte über das spezielle Maßnahmenprogramm „Boden:ständig“, das Bodenerosion verhindern wolle, jedoch auf Freiwilligkeit basiere. Sprich: Die Landwirte müssen wollen.

Anfang des Jahres wurde hier die Dorferneuerung zu einem Kombiverfahren mit einer Flurneuordnung aufgestuft. Zwei Jahre lang werden Möglichkeiten zur Steigerung der Artenvielfalt in der Landschaft zu erarbeitet und umgrsetzt. Der Workshop war Teil des Ganzen. Durch ihn sollen sich beide Maßnahmenpakete ergänzen.

„Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität müssen sich für den Landwirt lohnen“, da waren sich die Workshop-Teilnehmer einig. Und sie dürfen die Bürokratie nicht noch mehr erhöhen. Dazu müssen Landwirte, Politik und Gesellschaft Hand in Hand gehen.

Besser eine Alternative finden, als immer mehr zu düngen

Die Qualität der Lebensmittel müsse wieder entscheidend sein, nicht der Preis. Und sie müssten wieder zunehmend nachhaltig vor Ort produziert werden, um der Klimabilanz willen.

Blühflächen wie diese sind nicht nur schön fürs Auge, sie helfen vor allem auch, Bodenerosion durch Starkregen zu vermei... Foto: Ökologische Bildungsstätte Oberfranken

Immer mehr Dünger und Pflanzenschutzmittel wären nötig, um den Ertrag auf den immer wieder durch Starkregen geschädigten Böden dauerhaft zu sichern. Doch das würde die Nitratwerte erhöhen und die Artenvielfalt sinken lassen. „Der beste Weg ist es, eine Alternative zu Mais zu finden. Der zurzeit erprobte Veitshöchheimer Hanfmix beispielsweise ist perfekt geeignet, eine Mischung aus Gräsern, Wildkräutern und Blumen, die ausgesät wird und fünf Jahre stehen bleibt“, so Maslo. Der Mix wird wie Mais siliert und als Biomasse in die Biogasanlage gebracht, wächst dicht an und hält somit den Boden fest. Düngen und spritzen muss man ihn nicht. Und für Insekten entstünde eine Oase in der nahrungsarmen Flur. „Leider ist der Ertrag der Biomasse nur gut halb so hoch wie der von Mais. Allerdings schneidet die Blühmischung bei den gesellschaftlichen Folgekosten weit besser ab, die der Mais bisher kaum abbildet.“ Um den finanziellen Verlust auszugleichen, wäre eine Förderung nötig.

Blühstreifen als „Kinderstube“ für das Rebhuhn

Blühstreifen sind ebenfalls ideal, um Bodenerosion durch Starkregen zu vermeiden. Und so widmeten sich die Naturfreunde konkret einem Blühstreifenprojekt der Ökologischen Bildungsstätte, das auf die Bedürfnisse des Rebhuhns abgestimmt ist und unter anderem im Landkreis Lichtenfels erfolgreich angelaufen ist. Das Rebhuhn ist rund um Oberleiterbach noch heimisch, wenn auch dessen Zahl rückläufig.

Der spezielle Blühstreifen für das Rebhuhn könnte helfen. Er muss jedoch durch eine wechselseitige Bestellung über Jahre hinweg lückig genug bleiben, um genug Licht und somit Wärme auf den Boden kommen zu lassen. Zu dicht bewachsene Blühstreifen halten die Feuchtigkeit zu lange. Das vertragen die Küken schlecht.

Jäger erfüllen eine wichtige Funktion

Der Abstand zum Wald sollte mindestens 200 Meter betragen. Und wenn der Blühstreifen zu schmal ist, haben Fressfeinde ein leichtes Spiel. Den Jägern, die die Bestände der Raubsäuger in Grenzen halten, sei es laut Maslo mit zu verdanken, dass es um die Bodenbrüter und die Artenvielfalt nicht noch schlechter steht.

Bei einer Begehung waren die Folgen des vorangegangenen Platzregens noch gut sichtbar. Und es konnte ein Acker von Ortsbäuerin Veronika Schmuck gefunden werden, der für „Boden:ständig“ und den Veitshöchheimer Hanfmix geeignet wäre. Die Planung für „Boden:ständig“ startet im Herbst und wird dann unter dem Gesichtspunkt der Artenvielfalt ergänzt. Sicherlich findet hier ein Rebhuhn-Blühstreifen seinen Platz. Jetzt gilt es für die Workshop-Teilnehmer, in den Dialog zu gehen und möglichst viele Landwirte zu begeistern.

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