MESSENFELD/LICHTENFELS

Geflügelaufzuchtanlage Messenfeld: ÖPD äußert arge Bedenken

Der bestehende Maststall der Familie Hagel bei Messenfeld (Markt Ebensfeld) wird um eine Tierwohlmastanlage erweitert. Die Ökodemokraten im Landkreis sehen das kritisch. Foto: ArchivMarkus Drossel

Fast genau ein Jahr ist es her, als die „Christine und Tobias Hagel GbR“ im Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde Ebensfeld das gemeindliche Einvernehmen für ihr neues Bauvorhaben. Sie beabsichtigt, unweit des kleinen Dörfchens Messenfeld einen „Tierwohlmasthähnchenstall“ mit Wintergarten an die bestehende Hähnchenmastanlage anzugliedern. Jüngst beschäftigte sich der Vorstand des ÖDP-Kreisverbandes Kulmbach-Lichtenfels mit dem Vorhaben. Der Tenor: Man sieht das Projekt kritisch.

Vorsitzender Thomas Müller aus Burgkunstadt gab seinen Vorstandskollegen einen Sachstandsbericht zur geplanten Erweiterung der Geflügelaufzuchtanlage. Dort solle die bestehende Anlage von zur Zeit knapp 40 000 auf 79 200 Hähnchen erweitert werden. Im Moment läuft das Verfahren nach dem Immisionsschutzrecht.

Thomas Müller macht beim Landratsamt Einwände geltend

Müller selbst hatte beim Landratsamt Lichtenfels Einwendungen zu dem Verfahren gemacht, nachdem er durch den Film „Resistance Fighters“ im Fernsehsender Arte erneut auf die Gefahren für die Bevölkerung durch solche Anlagen aufmerksam geworden war. Müller hatte verlangt, dass in der Umgebung der Anlage Messungen der Staphylokokken-Konzentration vorgenommen werden. Denn in nur rund 50 Meter Abstand verläuft der Mainwanderweg, der auch von vielen Familien mit kleineren Kindern begangen wird.

Dies wurde vom Landratsamt abgelehnt mit der Begründung, dass Staphylokokken überall vorkommen und es keine Grenzwerte dafür gebe. Diese Begründung sei (laut Film) typisch für Deutschland, so Müller. Wenn man weiß, dass laut DIN-Norm aus den Abluftanlagen bis zu 2,1 Millionen keimbildende Einheiten pro Sekunde (bei 30 000 Hähnchen) abgegeben werden können, dann erscheint diese Verweigerung als fragwürdig. Zumal man bei Untersuchungen in England durchaus feststellen konnte, wo und in welcher Entfernung man mit höherer Keimbelastung rechnen muss (bis zu 1000 Meter).

Vorwurf: Die Argumente des Landratsamts sind veraltet

Auch der zweite Teil der Begründung der Ablehnung – nämlich, dass nur zwei Prozent der multiresistenten Keime aus der Landwirtschaft stammen – dürfte nach Ansicht der ÖDP mittlerweile überholt sein. Dieser Anteil betreffe sicherlich nur den Teil der chromosomalen Übertragung der Antibiotika-Resistenzen. Das bedeutete, dass resistente Bakterien diese Eigenschaft über ihre DNA durch Zellteilung an ihre Nachkommen weitergeben.

Heute wisse man aber, so die Ökodemokraten, dass die Resistenz-Eigenschaft auch durch „Gen-Schnipsel“, die so genannten Plasmiden, außerhalb der Chromosomen weitergeben werde. Und das auch noch über die Artgrenzen der Bakterien hinweg.

Eine auffällige Häufung bei industrieller Tieraufzucht

Dadurch lasse sich auch nicht mehr zurückverfolgen, aus welcher Quelle der gefährliche Keim ursprünglich stammte. Allerdings ist sehr auffallend, dass bis zu 50 Prozent der Betreiber von Ställen mit industrieller Tieraufzucht Träger von multiresistenten Keimen sind. Sie müssten bei einem Krankenhausaufenthalt sofort auf die Isolierstation gebracht werden.

Dass in der Massentierhaltung antibiotikaresistente Keime geradezu gezüchtet werden, ergebe sich laut Thomas müller aus der Tatsache, dass nicht nur die erkrankten Tiere behandelt werden, sondern ganze Bereiche – oft auch der ganze Stall. Erschwerend komme hinzu, dass in Deutschland von acht von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als absolute Reserveantibiotika für den Menschen festgelegte Substanzen drei in der Tiermast verwendet werden dürfen.

Müller, der sich als Apotheker auch beruflich mit der Problematik befasst hat, bezeichnete es als besonders kritisch, dass beispielsweise der Wirkstoff Colistin, der weltweit oft als letztes Mittel gegen multiresistente Keime eingesetzt wird, in Deutschland im Tonnenmaßstab in der Tierzucht verwendet wird.

Der ÖDP-Vorstand war sich einig, dass solche Aufzuchtstationen der völlig falsche Weg für die Landwirtschaft sind. Einer Vergrößerung des Betriebes in Messenfeld sollte auf gar keinen Fall zugestimmt werden. Außerdem sollten zum Schutz der Bevölkerung in der Nähe Warnhinweise aufgestellt werden. Besonders Kinder und immunsupprimierte Patienten sollten sich von der Anlage fernhalten.

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