END

Exkursion bei End: Raritäten auf dem kargen Tauch

Der Schachbrettfalter wurde zum Schmetterling des Jahres 2019 gekürt. Foto: Christa Schröder

Die Erkundung des Weinhügels bei End war für interessierte Naturfreunde ein besonderes Erlebnis. Trotz des sehr schwülen Wetters nahmen daran 28 Personen im Rahmen der Aktion „Bayern Tour Natur“ an der Exkursion teil, die von der Umweltstation organisiert wurde. Unter den wackeren Naturfreunden befanden sich auch einige ausgesprochene Experten, die mit ihrem Fachwissen über Fauna und Flora die Begehung bereicherten. Die Teilnehmer waren aber begeistert von der Vielfalt der Pflanzenwelt am Wegesrand und der schönen Aussicht auf dem Weinhügel. Geführt wurde die Exkursion von Jupp Schröder. Dieser erklärte, dass der Weinhügel schon vor Jahrzehnten wegen des besonderen Artenreichtums als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden sei. „Auf dem sehr nährstoffarmen Kalkstaub, der im Volksmund auch Tauch genannt wird, haben sich viele Raritäten angesiedelt, die es woanders kaum mehr gibt. Dieser Lebensraum war durch zunehmenden Übergang zum Wald bedroht gewesen. Durch die Entfernung des Buschwerkes, hat man den wertvollen mageren Standort erhalten und noch vergrößern können“, sagte Schröder.

So manche Blüte war leider angeknabbert

Die Exkursionsteilnehmer bewunderten Orchideen wie die Fliegenragwurz und verschiedene Knabenkräuter, Silberdisteln und den seltenen Kreuzenzian. Dabei wurde aber auch bedauert, dass viele der Blüten im Rahmen der Schafbeweidung arg in Mitleidenschaft gezogen waren. Viele der entdeckten Pflanzen wie Zwergmispeln, Katzenpfötchen, Graslilien, Silberdisteln und Salomonsiegel hätten auch Eingang in unsere Gärten gefunden, sagte Schröder. Es sei aber streng verboten, geschützte Pflanzen aus der Natur zu entnehmen. Dies könne oft bei manchen seltenen Arten die Ausrottung bedeuten. Es müsse immer heißen: „Anschauen ja, aber abpflücken nie“. Auch bat Schröder darum, immer auf dem Weg zu bleiben und nach Möglichkeit die wertvollen Flächen auf dem Weinhügel nicht zu betreten.

Ein Blick auf die Reste vergangener Erdzeitalter

Auf dem Weinhügel konnte man einen traumhaften Rundblick genießen. Schröder wies dort auf die Ursprünge unserer Landschaft im Zeitalter des Jura hin. Durch den stufenartigen geologischen Aufbau, der durch verschiedene Meeresablagerungen entstanden sei, ergäben sich viele wertvolle Strukturen, die den besonderen Reiz der Landschaft des Juragebietes ausmachten. Damit einher habe sich eine entsprechend große Artenvielfalt an Flora und Fauna entwickelt.

Der saure Tropfen wurde mit Honig gesüßt

Zum Namen Weinhügel erzählte Schröder, dass hier, wie an vielen Stellen im Landkreis, einst Wein angebaut worden sei. Dieses, meist saure Getränk, habe man mit Honig entsprechend gesüßt. Bessere Transportmöglichkeiten und das Aufkommen des Bieres als neues Volksgetränk haben den Weinanbau in unserem Raum nicht mehr lohnenswert gemacht. So erinnerten nur noch die Flurnamen, terrassenartige Abstufungen und ein Weinberg in der Gemarkung Horsdorf an den ehemaligen wichtigen Erwerbszweig für die Bauern im Lautergrund.

Von gehörnten Insekten und schmarotzenden Gewächsen

Auf dem weiteren Weg im lichten und artenreichen Wald in Richtung Kaider konnte man von den Orchideenarten meist eingetrocknete Reste wie vom bleichen Waldvögelein, Waldhyazinthe, Zweiblatt, Knabenkraut und Nestwurz so wie auch seltene Gehölze wie den Seidelbast und Elsbeeren anschauen. Besonders interessant waren für die Exkursionsteilnehmer die Erklärungen zu Lebensweisen der Pflanzen. Zu den Ragwurzorchideen sagte Schröder, dass die Blüten je nach Art einem Insekt wie Fliegen, Hummeln oder Spinnen nachgebildet seien. Diese optische Täuschung führe dann zu einer Befruchtung durch die Männchen der entsprechenden Insektenart. Auch erklärte Schröder den Unterschied zwischen schmarotzenden Pflanzen wie der braunen Nestwurz und solchen, die nur teilweise schmarotzen wie dem Klappertopf.

Es tut sich was für die Artenvielfalt

Den Exkursionsteilnehmern blieb nicht verborgen, welch magische Anziehungskraft neu angelegte Blühflächen oder auch Brachen auf eine Vielzahl von Insekten ausüben. Es ist augenscheinlich, dass sich in Richtung Artenschutz bei End und Kaider einiges bewegt hat. Viele auffällige Schmetterlinge wie Schachbrett und Kaisermantel konnten fotografiert werden. „So ist nicht nur im Frühling eine Wanderung in der Natur interessant, sondern auch im Sommer, da um diese Jahreszeit noch viele seltene Pflanzen in der Flur blühen. Eine Vielfalt an Pflanzen erzeugt eine Vielfalt an Lebewesen“, sagte Schröder. (chs)

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