BAD STAFFELSTEIN

Altstadtfest Bad Staffelstein ein fröhliches Spektakel

Beim Altstadtfest mit der Historie auf Tuchfühlung
Verliehen dem Fest auch heuer Pep: der Spielmannszug aus Hofheim/Unterfranken. Foto: Mario Deller
Beim Altstadtfest mit der Historie auf Tuchfühlung
Ein Schreiner der Bayerischen Staatsforsten verarbeitet einen Eichenstamm zu einem Balken. Foto: Mario Deller

Gaukler und Gospelchor, Seiltricks und Specksteinkunst, Bogenschießen und „Big Sound Jack“ - es gibt in der Region wohl kaum eine Veranstaltung, die neben einer entspannten Atmosphäre auch durch ihre enorme Vielfalt beeindruckt wie das Bad Staffelsteiner Altstadtfest. Gerade die Programmpunkte im mittelalterlichen Gewand dürften der Grund sein, warum mancher eine weite Anreise auf sich nimmt, um dem fröhlichen Spektakel beizuwohnen.

Wenngleich der Unterhaltungsfaktor freilich im Vordergrund stand, setzten die dargebotenen, teilweise schon (fast) „ausgestorbenen“ Handwerkskünste ein dickes Fragezeichen hinter die Wegwerfmentalität unserer Tage. Der Charme des Originellen, aber auch Qualität spiegelte sich wider etwa in der von Robert Gagel gezeigten Schindelmacherkunst oder im Bürstenmacherhandwerk und Korbflechten. Konzentration und eine ruhige Hand erfordert auch das Präparieren von Fossilien. Mit kleinen, gezielten Meißelschlägen arbeitet Bernd Ludwig, der seit 60 Jahren Fossilien sammelt, die Versteinerungen aus seinen Fundstücken heraus. Die Altstadtfestbesucher bleiben stehen, Einheimische und Touristen kommen mit ihn ins Gespräch.

Beim Altstadtfest mit der Historie auf Tuchfühlung
Sie gehören mittlerweile zum Altstadtfest wie das Salz in der Suppe: die Musiker der Mittelaltergruppe „Vogelfrei“. Foto: Mario Deller

Das Historische und das Leben in früheren Jahrhunderte lebte in der Adam-Riese-Stadt am vergangenen Wochenende auf. Was für ein schönes Bild, als beispielsweise beim feierlichen Festzug am Sonntagnachmittag Vertreter von teils uralten Handwerkskünsten durch die Straßen ziehen. Bürgermeister, Stadträte und Bürger liefen in mittelalterlicher Gewandung mit. Fröhlich jubelte die Menge ihnen zu.

Beschwingte Klänge in der ganzen Innenstadt

Beschwingte Klänge waren auch schon anno dazumal ein Zeichen der Lebensfreude. Hier stand das Altstadtfest in nichts nach. Allerorten in der Innenstadt wurde von Freitagabend an musiziert. Gerd Backert und der Gospelchor „Good News“ waren genauso mit von der Partie wie „Big Sound Jack“, um nur einige Beispiele zu nennen. Beim Altstadtfest durften auch heuer mittelalterliche Weisen nicht fehlen wie etwa seitens der Gruppe „Vogelfrei“.

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Altstadtfest 2019 Bad Staffelstein

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Unterhaltsam beziehungsweise trickreich gestalteten sich die Darbietungen der Gaukler. So bezog „Zauberfritze“ Friedrich Uslhöfer aus Wertheim zwei Kinder mit ein, die ihm assistierten, als er Ringe aus einem Seil löste, ohne selbiges zu durchschneiden. Auch Tanzauftritte heimischer Gruppen wie die Purzelgarde und die Minigarde des Staffelsteiner Karnevals Klubs wurden mit Beifall belohnt. Zu den festen musikalischen Partnern beim Altstadtfest zählt längst der vielköpfige Spielmannszug aus Hofheim/Unterfranken, der übrigens auch den erwähnten Festumzug begleitete.

„Angela, die Maid von der Blumenwiese“

Beim Altstadtfest mit der Historie auf Tuchfühlung
Spannungsgeladen gestaltete sich im übertragenen wie wörtlichen Sinne das von den „Dornig-Schützen“ der Kultur- und Fr... Foto: Mario Deller

Zielwasser war gefragt bei den ins Programm eingebundenen Wettbewerben. So war das Jedermannschießen des Freihandschützenvereins ein Erlebnis für Teilnehmer und Publikum. An anderer Stelle an der historischen Stadtmauer in der Ringstraße veranstalteten die „Dornig-Schützen“, eine Sparte des Kultur- und Freizeitfreunde Bad Staffelstein, heuer erstmals ein mittelalterliches Bogenturnier. Wer von den 26 Teilnehmern, die sich lustige Namen im Mittelalter-Slang („Angela Maid von der Blumenwiese“, Guidoros Vestus Coburgus“ etc.) gaben, es beim Finale aufs Siegerpodest schaffte, durfte sich über einen „Adam-Riese-Taler“ freuen.

Beim Altstadtfest mit der Historie auf Tuchfühlung
Mit Speckstein zu werkeln bereitete den Kindern Freude. Foto: Mario Deller

Die Kulturinitiative Bad Staffelstein (KIS) hatte in der Phase der Sanierung der „Alten Darre“ zum Altstadtfest mit eine tolle Idee: Am Sonntag öffnete die 1996 geschlossene Gaststätte „Schwarzer Bär“ mit dem „Bärengelände“ für einen Tag die Pforten. Unter der Devise „Kunst live“ präsentierten sich Künstler der KIS. Dem fidelen Achtzigjährigen Günter Menhorn etwa konnten die Besucher beim Bearbeiten von Sandstein über die Schulter schauen, und Anton Köcheler brachte die Kunst des interessanten Linolschnitts nahe.

Es zählt die Maßeinheit „Daumenbreit“

Beim Altstadtfest mit der Historie auf Tuchfühlung
Hochkonzentriert versuchte sich dieser Junge am Holzstapeln mit dem Ziel, diesen möglichst viele Daumenbreit hoch „wach... Foto: Mario Deller

Nachdem sie schon am Mittwoch beim Kinderfest ihren Spaß hatten, wurden die jungen Besucher aber auch beim Altstadtfest nicht außen vor gelassen. Vergnügen bereitete ihnen etwa die historische Wikingerschaukel in der Hosdorfer Straße oder die Kreativ-Meile am Rathaus. Die Jungen und Mädchen versuchten sich am Gestalten mit Speckstein oder gaben ihr Bestes beim Stapeln von krummen Holzklötzchen – die erzielte Höhe wurde auf der Messlatte in der Einheit „Daumenbreit“ angezeigt.

Ja, beim Altstadtfest in Bad Staffelstein war alles wieder ein bisschen anders als im Alltag anno 2019. Wenngleich es den Besuchern am Sonntagnachmittag – glücklicherweise erst nach dem Festumzug – ein wenig „nass nei ging“, zogen Bürgermeister und das gesamte Veranstaltungsteam wieder ein positives Resümee und dankten den vielen Mitwirkenden für das gelungene Miteinander am mit einem wunderschönen finalen mittelalterlichen Feuerwerk ausklingende Altstadtfestwochenende.

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