BAD STAFFELSTEIN

Zangentor Staffelberg: Kinder aus Angst vor Göttern geopfert

Archäologe Markus Schußmann informierte im Rahmen einer Führung über die Ergebnisse der Grabungen unterhalb der Krone des Staffelberges. Foto: Gerda Völk

„Insgesamt ist es ein sehr durchdachtes Bauwerk“, lautet das Fazit des leitenden Archäologen Markus Schußmann über die Grabungen am Staffelberg. Seit April vergangenen Jahres sind die Archäologen mit Grabungen am keltischen Zangentor beschäftigt, dass sich als deutlich größer herausstellte, als zu Beginn der Grabungen vermutet.

Rund 100 bis 120 Personen sind bei schweißtreibenden Temperaturen auf den Staffelberg gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen. Das Interesse geht quer durch alle Altersschichten, selbst Kinder und junge Leute sind dabei.

Die keltische Siedlung am Staffelberg habe eine rund drei Kilometer lange Mauer umfasst, die von vier Toren unterbrochen war. Das westliche Stadttor in Richtung Maintal sei als sogenanntes Zangentor ausgelegt gewesen, mit dem die Feinde dem Archäologen zufolge buchstäblich in die Zange genommen werden konnten.

Seit dem fünften Jahrhundert vor Christi besiedelt

Der markante Berg war im fünften Jahrhundert vor Christi Geburt schon bewohnt. „Dies bedeutet aber nicht, dass das Staffelberg-Plateau ein Fürstensitz war“, erklärt Schußmann. Dennoch fanden die Ausgräber die Überreste eines Bauwerks vor, dessen Größe sie vorher nicht vermutet hätten.

Allein die Gruben mit den mächtigen Holzpfosten ließen auf einen massiven Holzbau schließen. Das gesamte Torgebäude habe eine Höhe von 12,50 Metern bei einer Tiefe von neun Metern umfasst. Im Tor sei der Weg mindestens sieben Meter breit gewesen, davor wesentlich breiter.

Über hundert Besuchern kamen bei tropischen Temperaturen zum Staffelberg, um sich über die Grabungen zu informieren. Foto: Gerda Völk

„Die Kelten verfügten über ein ausgeprägtes Wegesystem“, erklärt Schußmann und sagt: „Gebaut wurde zunächst das komplette Zimmermannsstück, danach die Mauerkonstruktion.“ Nachgewiesen hat das Archäologen-Team vier Mauerphasen. Die Erdrampe auf der zum Staffelberg zugewandten Seite sei witterungsbedingt stabiler gewesen, weil sie im Sommer austrocknen konnte.

Bauwerk hat nur etwa 80 Jahre bestanden

Anders die gegenüberliegende Seite, die kaum Sonne abbekommen habe und zudem noch mit Hangwasser zu kämpfen hatte. Schußmann: „Hier mussten die Kelten mehrfach Hand anlegen, um das abgerutschte Material mehrfach aufzufüllen.“ Allerdings habe das Zangentor nur etwa in den Jahren von 120 bis 40 vor Christus gestanden. Danach habe sich die Spur der Kelten verloren.

Anschaulich verdeutlichte der Archäologe die nicht vermuteten Ausmaße der Befestigungsanlage. Foto: Gerda Völk

„Alle Kultstätten sind kurz vor Christi Geburt geräumt worden“, erklärt Archäologe Schußmann. Es gebe allerdings keinen Hinweis auf eine kriegerische Auseinandersetzung. „Nach der Auflassung des Torgebäudes haben die Kelten selbst einen Brand gelegt, um das verbaute Eisen leichter zurückzugewinnen. Wir haben auch Teile eines Trophäenschädels gefunden, den die Kelten an die Pfosten genagelt hatten“, erläutert der Wissenschaftler.

Entdeckt haben die Archäologen auch zwei Kindergräber, dabei handele es sich um sogenannte Bauopfer zum Schutz des Tores. Die Gräber seien bereits bei der Planung des Tores angelegt worden. „Menschenopfer waren bei den Kelten, wie auch in anderen antiken Kulturen, das größte Opfer, das man den Göttern bringen konnte“, sagt Schußmann. Er vermutet, dass es sich dabei um Kinder aus der Oberschicht handelte, die auf dem Plateau des Staffelbergs siedelte, während die übrige Bevölkerung eine Stufe weiter unten wohnte.

Milchzahn und kleines Schulterblatt gefunden

Die Ausgrabungen förderten dem Wissenschaftler zufolge einen Milchzahn und ein kleines Schulterblatt zutage, welches vermuten lasse, dass es sich um ein kleines Kind gehandelt haben muss, so um die drei Jahre alt. Auch die Lage der Gräber lasse gewisse Rückschlüsse zu. Bei den Bauopfern scheine es sich um eine übergeordnete Gepflogenheit gehandelt zu haben, wie Funde an andere Stelle zeigen würden. Schußmann: „Die Kelten fürchteten den Zorn der Götter, deshalb brachten sie so große Opfer.“

Im August werden die Grabungen abgeschlossen sein. Danach geht es an die Rekonstruktion des Zangentors. Foto: Gerda Völk

Die Grabungen sollen im August abgeschlossen sein. Aufgrund der gewonnenen Grabungsergebnisse sollen dann die Rekonstruktion des Zangentors vorgenommen werden. Wann allerdings mit dem Baubeginn zu rechnen ist, darüber kann der Archäologe nur Vermutungen anstellen.

 

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