Genusswanderung zu den „edlen Tropfen auf dem Staffelberg“

BAD STAFFELSTEIN

Genusswanderung zu den „edlen Tropfen auf dem Staffelberg“

12 982 Schritte, so gibt das Handy einer Wanderin Auskunft an einem Standort, der bei der Genusswanderung am Mittwoch noch Halbzeit bedeutete. „Löwentaler und Domina: Edle Tröpfchen auf dem Staffelberg“ waren das Ziel einer vom Kur- und Tourismusservice angebotenen ausgiebigen Wanderung, zu der Wanderführerin Hildegard Wächter 20 Mitgehende fand.

Wo der Winzer Schutzherr eigentlich Urban heißt

Wirklich prognostizieren lässt sich ein Ende einer Genusswanderung nicht immer. Schon gar nicht, wenn man am Schluss beim Genuss sitzt und sich von Weinbauer Jürgen Schneidawind mit Blick ins westlich vom Staffelberg gelegene Tal einschenken lässt. Sowohl kulinarisch wie historisch. Seit Anfang der 1980-er Jahre betreibt Schneidawind den Weinbau dort, kümmert sich um die rund 500 Rebstöcke, die in neun Reihen talabwärts auf halber Höhe zum Gipfelplateau stehen. So sitzt man dort droben bei ihm, darf ihm Löcher in den Bauch fragen und erhält erstaunliche Einblicke. „Der Winzer Schutzherr Kilian“, wie es bei Viktor von Scheffel im „Frankenlied“ heißt, ist Pustekuchen. Der Winzer Schutzherr ist nämlich Urban.

„Stärker und süßer, aber es kommt auf die Oechslegrade an.“
Winzer Jürgen Schneidawind über den Jahrgang 2018

Man darf Schneidawind wohl glauben, wenn er erzählt, dass es in oberfränkischen Breiten Mitte des 16. Jahrhunderts billiger war, Wein zu trinken als Bier. Wein also war das vorrangige Volksgetränk. Was den Weinbau am und um den Staffelberg anbelangt, so sei dieser nach Prüfung mittelalterlicher Quellenlage schon vor dem zehnten Jahrhundert nachweislich. Schneidawind selbst ist freilich kein Vollerwerbswinzer, sein Ernteertrag liegt bei 400 bis 500 Litern.

Ins Stadtmuseum und durch Schluchten

Doch freut er sich noch, wenn Jahr um Jahr Wanderer zu ihm hochziehen? „Ja, es ist ja nicht jede Woche“, so der Mann augenzwinkernd. Was zu seinen Weinen nach dem Sommer 2018 und dem ebenfalls sehr trockenen Sommer in diesem Jahr zu erwarten steht, drückt er so aus: „Stärker und süßer, aber es kommt auf die Oechslegrade an.“

Wie immer bei dieser Tour der Genusswanderung wartete schon Michael Diller mit seinem Akkordeon auf die Wanderer. Er sollte den ganzen Aufenthalt über gekonnt Anekdotisches erzählen, witzig-verquere Lieder singen und das Publikum, das sich schon auch auf ihn freute, unterhalten. Auch er war ein Grund dafür, weshalb man sich lange aufhielt, länger als geplant.

Doch bis die Gruppe dort hinauf kam, hatte sie allerlei Wege zu gehen, Schluchten auch, überdies ein wenig Bildung zu bewältigen. Wie stets führte Wanderführerin Wächter zur ersten Station ins städtische Museum, dorthin, wo eine historische Winzerfahne hängt, immerhin ein wertvolles Stück aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch sie ein Beleg für die Weintradition am Obermain. Solche finden sich auch im Stadtbild, beispielsweise an einer Brandsäule, die in Steinmetzarbeit von Weinranken umflort ist, vorzufinden an der Stadtpfarrkirche.

Tatsächlich währte die Wanderung von 10 Uhr morgens bis 17 Uhr, angereichert auch durch eine deftige Brotzeit in der Fuchsenmühle.

Wohl auch ein Grund dafür, dass neben dem einen oder anderen Neuling bei der Wanderung, auch vertraute Gesichter wieder auftauchten.