REUTHLOS

Reuthloser setzen starkes Ausrufezeichen fürs Ehrenamt

Ist ein Schmuckstück geworden: Das Gemeinschaftshaus in Reuthlos. Foto: Martina Drossel

Er mag nicht lang gewesen sein, der Festzug, doch war er ein starkes und eindrucksvolles Zeichen für das Ehrenamt: Aktive aus sämtliche Feuerwehren des Zapfendorfer Gemeindegebiets waren gekommen, um ihren Kameraden der Löschgruppe Reuthlos die Ehre zu erweisen. Zu feiern gab es gleich mehrfach: Zum einen sollte die neue, hoch leistungsfähige Tragkraftspritze „PFPN 10-1000“ der Marke Magirus, Typ Fire 1000, unter den Segen Gottes gestellt werden. Zum anderen wollten die Reuthloser ihr Gemeinschaftshaus vorstellen, das sie in 1700 Stunden ehrenamtlicher Arbeit zu einem Schmuckstück des Ortes haben werden lassen.

Bürgermeister Volker Dittrich lobte die Feuerwehren der Marktgemeinde in den höchsten Tönen. Im Hintergrund ist die neue...

Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann hatte eigens andere Termine abgesagt, um bei dieser kleinen, aber feinen Feierstunde dabei zu sein. Gemeinsam mit Franz Braun vom Kreisfeuerwehrverband, Kreisbrandmeister Andreas Schnapp und dem früheren Kreisbrandmeister Peter Kleiber schritt er beim Festzug voraus, ebenso wie die drei Bürgermeister Volker Dittrich, Andreas Schonath und Georg Ries.

Ein großer Festzug durch das kleine Dorf

Den Takt gaben die Rother Musikanten vor. Vom Feuerwehrhaus ging es zum Gemeinschaftshaus, an dem sich die Feuerwehrkameraden nebst Ehrengästen im großen Halbkreis um die mit Blumen geschmückte Tragkraftspritze aufstellten.

„Inzwischen war der Motor so undicht, dass Motoröl sogar aus dem Anhänger ins Feuerwehrgerätehaus heraus tropfte.“
Hans-Jürgen Usselmann, Gruppenführer Reuthlos

Hans-Jürgen Usselmann, der Gruppenführer der Löschgruppe Reuthlos, stellte in seinen Grußworten seine engagierte Truppe vor.

Die Reuthloser haben wirklich allen Grund zum Strahlen.

Sie umfasse 15 Bürger, davon zwei Frauen, und sei eine tolle Truppe. Die bisherige Pumpe sei aus dem Jahr 1970 gewesen und damit in die Jahre gekommen. „Inzwischen war der Motor so undicht, dass Motoröl sogar aus dem Anhänger ins Feuerwehrgerätehaus heraus tropfte“, führte er vor Augen.

Deutlich leistungsfähiger und deutlich effizienter

Im Jahr 2017 dann wurde der Austausch im Gemeinderat bewilligt. „Die alte Pumpe hatte eine Leistung von 34 PS und eine Löschwasser-Förderleistung von 800 Litern pro Minute. Die neue Tragkraftspritze eine Leistung von 77 PS und eine Förderleistung von 1770 Litern, sie ist viel leiser, hat einen geringeren Spritverbrauch und ist umweltfreundlicher, da unverbleiter Kraftstoff verwendetet wird.“

Schräg hinter Hans-Jürgen Usselmann stand das Gemeinschaftshaus, dem er sich im Anschluss widmete. Es wurde 1960 von Reuthloser Bürgern gebaut und als Gemeinschaftsgefrieranlage genutzt. Als die Gefriergemeinschaft zum 1. Mai 1997 aufgelöst wurde, wurde der Raum als provisorischer Gemeinschaftsraum genutzt.

Leistungsfähiger, effizienter, umweltfreundlicher: die „PFPN 10-1000“ der Marke Magirus, Typ Fire 1000. Foto: Martina Drossel

Es gab jedoch weder Heizung noch fließend Wasser – oder gar sanitäre Einrichtungen. „Mitglieder des Bürgervereins und der Löschgruppe beschlossen 2017, dies zu ändern“, so Usselmann. Die Plan- und Kostenaufstellung übernahm ehrenamtlich das Ingenieurbüro Thierauf aus Lichtenfels, die Kosten für die Materialien der Markt Zapfendorf. Und die Reuthloser erbrachten 1700 Stunden im Ehrenamt.

Kaum ein Stein blieb auf dem anderen

„Im Juli 2018 ging es los. Der neue sanitäre Anbau wurde geschaffen, alte Fenster und Türen wurden ersetzt, die Elektro-Installation erneuert sowie Wasser und Abwasser installiert, Wände wurden entfernt und neu verputzt. Das Haus bekam einen neuen Bodenbelag inklusive Fußbodenheizung. Eine Küchenzeile wurde verbaut, das Dach wurde neu gedeckt und die Fassade mit einer neuen Farbe versehen.“ Ein Kraftakt – und eine Meisterleistung, bei der vor allem Markus Christian, Günter Geuss Uwe Geyer und Ferdinand Pflaum Regie führten. Dafür gab es reichlich Applaus. Was der Gruppenführer verschwieg: Auch er half kräftig mit am Bau.

Applaus für eine gelungene Gemeinschaftsleistung. Foto: Martina Drossel

Auch Ortssprecher Reinhold Ebitsch, der stellvertretende Landrat Rüdiger Gerst und Bürgermeister Volker Dittrich lobten die Eigeninitiative in den höchsten Tönen. Dittrich betonte außerdem, wie wichtig die Feuerwehren seien: „Ihre Bereitschaft, liebe Freunde von den Feuerwehren, ist unser Ruhekissen. Gäbe es euch nicht, würden wir schlechter schlafen. Wir müssen Ihnen zutiefst dafür dankbar sein, dass Sie in opfervollem Einsatz bei Tag und bei Nacht Ihren Mitbürgern helfen, die das Feuer bedroht, die das Wasser in Not bringt oder die als Opfer von Unglücksfällen gerettet werden müssen.“ Zudem dankte der Rathauschef der Bürgergemeinschaft Reuthlos, die mit finanzieller Unterstützung des Marktes und „mit herausragendem ehrenamtlichen Einsatz in über 1700 Arbeitsstunden aus dem alten Gemeinschaftshaus ein Schmuckstück errichtet haben.“

Kreisbrandrat Ziegmann ist stolz auf das Geleistete

Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann zeigte sich überaus stolz auf die Leistung der Reuthloser und betonte, wie wichtig es sei, auch den kleinen Feuerwehren das nötige Rüstzeug an die Hand zu geben. Und Stützpunktkommandant Stefan Eichelsdörfer beförderte die Feuerwehrler, die sich besonders hervorgetan haben, zu Oberfeuerwehrleuten. Dies waren Günter Geuss, Uwe Gayer, Ferdinand Pflaum, Markus Christian und Hilde Drechsel-Pfalzgraf. Pfarrer Kurian Chackupurackal nahm die Segnung der Tragkraftspritze und des Gemeinschaftshauses vor. Danach ging es zum gemütlichen Teil über.

 

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