KLOSTER BANZ

Wiener Charme und schwarzer Humor bei Nachwuchspreisträgern

Die Jungs von „Belle Fin“ brachten nicht nur Wiener Charme, sondern auch einen außergewöhnlichen Sound mit nach Franken. Foto: Marion Nikol

Erwartungsvoll freudig, feierlich und fast schon familiär – so könnte man die Atmosphäre im großen Saal des Gewölbekellers von Kloster Banz am Donnerstagabend beschreiben, kurz bevor Hans-Peter Niedermeier die Bühne betrat. Er ist Leiter der Begabtenförderung der Hanns-Seidel-Stiftung und gilt als „Grandfather“ jenes Nachwuchswettbewerbes, der seit über 30 Jahren jungen Musikern Gelegenheit gibt, sich in der Kulturlandschaft einen Namen zu machen. Bevor die Gewinner des mit 5000 Euro dotierten Förderpreise bei den „Liedern auf Banz“ neben etablierten Künstlern auf der großen Freilichtbühne stehen dürfen, stellen sie bereits am Vorabend vor rund 450 Zuschauern ihr musikalisches Können unter Beweis.

Die Freude über das große Interesse am Preisträgerkonzert spiegelte sich auch in den Begrüßungsworten von Oliver Jörg, dem neuen Generalsekretär der Hanns-Seidel-Stiftung, wider. Er bedankte sich zudem bei allen Beteiligten und Unterstützern für die langjährige Zusammenarbeit. Hans-Peter Niedermeier führte gemeinsam mit Tom König, Herausgeber des Schallmagazins, durch den Abend. Beide waren sich einig, dass sich die tagelange Arbeit der Jurymitglieder, aus über 200 Bewerbern schließlich drei Gewinner auszuwählen, gelohnt hat. Und das durften auch die Zuschauer wenig später selbst erleben.

Vollblutmusiker von „Viva Voce“ in ihrem Element

Zur musikalischen Einstimmung gab es zunächst ein Wiedersehen mit alten Bekannten: „Viva Voce“, selbst Preisträger aus dem Jahr 2004, schmeichelten kraftvoll und zugleich sanft den Ohren der Gäste. Gelungener hätte ihre Liederwahl nicht ausfallen können: Mit einem Medley aus Klassikern wie „Sound of Silence“, „Piano Man“ und „American Pie“ stellten sie einen perfekten Kontrast zu all dem Neuen, Innovativen und Experimentellen her, das in den folgenden zwei Stunden kommen sollte.

Und dann wehte ein Hauch von Wien durch den Saal. Die österreichischen Musiker von „Belle Fin“ stehen für eine Mischung aus Jazz, Funk, Indie und Soul, und binden dabei so charmant das Wienerlied mit ein, dass ein unverwechselbarer Sound entsteht. Ein Sound, der die Zuschauer an diesem Abend auf eine Reise zum Praterstern oder auch zurück in die zuckersüße Vergangenheit mitnahm. „Oh Baby, lass uns bitte wieder 16 sein“ hieß es da.

Die Melodien reichten von melancholisch-gefühlvoll bis hin zu heiter-beschwingt und hinterließen stets ein Gefühl von Lebendigkeit. Mal romantisch, mal satirisch oder auch die nackte Realität beschreibend, gelang es den Frontmännern Fabian Belle Fin (Gesang und Gitarre) und Robin Ullmann (Trompete und Gesang) gemeinsam mit Peter Engel am Kontrabass, Paul Male an der Gitarre und Mathias Ihrybauer an der Ziehharmonika, ihren Spaß an der Musik ins sichtlich begeisterte Publikum zu übertragen.

Bittersüßes Kabarett mit Klavier und Gitarre

Die Freude an der Musik merkte man auch Christin Henkel sofort an. Begleitet von Juri Kannheiser am Cello gab sie am Piano zum Besten, was sie selbst als klavierkabarettistisches Chanson bezeichnet. Ihren bittersüßen Frohmut würzt sie mit der richtigen Prise an schwarzem Humor, wenn sie beispielsweise beim „Heiteren Lied über den Tod“ den Münchner Immobilienmarkt kritisiert.

Christin Henckel beherrscht von komisch über tiefbewegend viele Gefühle und zauberte mit ihrer bittersüßen Heiterkeit im...

Ebenso durften die Zuschauer erfahren, dass Reichtum nicht vor schlechten Chirurgen schützt und die fränkische Mundart garantiert das beste Mittel ist, um einen ungewollten Verehrer schnell wieder loszuwerden. Mit ihren ganz ehrlichen Anekdoten á la „Elternzeit – chronisch übermüdet und immer breit“ zauberte sie ebenso ein Lächeln auf die Gesichter im Publikum wie bei ihrem heimatlichen Liebesbekenntnis „Komm zurück nach Thüringen“.

Der Liedermacher und Musik-Kabarettist Lennart Schilgen erzählte Geschichten aus dem echten Leben.

Auch Lennart Schilgen gelang es, die Zuhörer auf ganz liebenswerte Weise für sich zu gewinnen. Er ließ mit klugem Wortwitz das vermeintlich Feststehende wackelig erscheinen – nur um es dann in seinen Liedern zum Kippen zu bringen. Das Tragische wurde komisch, das Schöne schräg und nicht Wenige dürfte an diesem Abend das Gefühl beschlichen haben, den jungen Musiker an der Gitarre einfach mal tröstend in die Arme schließen zu wollen.

Geschichten vom Scheitern, die ganz nah am Leben sind

Mit hintergründiger, leichtfüßiger Komik erzählte er Geschichten vom Scheitern, die so nah am Leben sind, dass man ihm gerne jedes Wort glaubt – egal, ob beim „Liegenbleiben-Blues“ oder dem „Entschlossenheitssong.“ Dass zum krönenden Abschluss die Geschichte vom tragischen Verlust einer Mädchen-Telefonnummer auf einem Kaugummipapier nicht nur vom Künstler selbst, sondern auch vom Publikum lautstark mit der sogenannten „Mundtrompete der vollendeten Verzweilfung“ begleitet wurde, war jedenfalls ein eindeutiges Zeichen für den mitreißenden Charakter des Preisträger-Konzerts.

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