UETZING

Uetzinger Wallfahrt schärft den Blick für das Wesentliche

Die Wallfahrt schärft den Blick für das Wesentliche
Die Wallfahrer zogen entlang der Döberten durch Uetzing hoch zur Pfarrkirche. Foto: Gerd Klemenz

„Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten“, bemerkte schon Viktor von Scheffel in seinem berühmten Frankenlied. Daran hat sich bis heute, 160 Jahre später, nichts geändert. Wohlbehalten, aber gezeichnet von den sommerlichen Temperaturen, kehrten am Montagnachmittag 86 Gläubige von ihren viertägigen Gebetsgang aus Gößweinstein zurück.

„Betend und singend zogen wir durch Wald und Flur. Unser Weg führte uns auf Feldwegen vorbei an üppigen Wiesen, Ackerfeldern und durch Wälder. Spätestens jetzt ließen wir so einiges an Alltagssorgen abfallen und genossen unsere wunderschöne Landschaft. Die Palette der Gebete war sehr breit gefächert. Sie stimmten nachdenklich, machten Mut, ja, ließen uns wieder auf den Boden kommen und schärften den Blick für das Wichtige. Im alltäglichen Leben vergessen wir leider all zu oft, worauf es tatsächlich ankommt“, erklärte Wallfahrtsführer Wolfgang Herold.

Am Freitagmittag war man mit Glockengeläut in Uetzing gestartet, und am Samstag zogen die Gläubigen in die Basilika ein. Die letzte große Hürde war dabei der Berg von Behringersmühle hoch nach Gößweinstein. Im Gänsemarsch bezwang man den steilen Berg mit über 20 Prozent Steigung, der gar nicht enden wollte. Oben angelangt, stellten sich alle ordentlich in Reih und Glied auf, denn nun kam der für alle Pilger sicherlich bewegendste Teil der Wallfahrt – der feierliche Einzug in die päpstliche Basilika.

„Es ist die Freude und die Überwältigung, es wieder geschafft zu haben, gepaart mit leichter Erschöpfung, so dass dem einen oder anderen auch ein paar Tränchen übers Gesicht kullern“, beschreiben langjährige Wallfahrer die Ankunft.

Anton Dinkel aus Gößmitz war schon zum 55. Mal dabei

Im Anschluss an den Kreuzweg stellten sich die Uetzinger Wallfahrtsmusiker auf den Kreuzberg, die Anhöhe von Gößweinstein, um mit einem Lied einen musikalischen Gruß an den Wallfahrtsort zu richten. Am Sonntagfrüh wurden im Rahmen des Wallfahrtsamtes langjährige Uetzinger Pilger geehrt. Für 25 Mal wurden Kerstin Bauernschmitt aus Uetzing und Barbara Mahr aus Obersdorf geehrt. Bereits 30 Mal war Georg Fischer aus Schwabthal in Gößweinstein. Eine Urkunde für 45 Mal Pilgern zum Gnadenort erhielt Hans Bauernschmitt aus Uetzing, für 55 Mal Anton Dinkel aus Gößmitz.

Die Wallfahrt schärft den Blick für das Wesentliche
Die jüngsten Wallfahrer mit Wallfahrtsfüher Wolfgang Herold (6. v. li.), den Bild- und Fahnenträgern sowie den Geehrten ...

Nach dem Auszug um 9.45 Uhr machte sich die Pilgergruppe wieder auf den Heimweg. In Stadelhofen zog Wallfahrtsführer Herold Resümee. Zunächst lobte er die gute Disziplin, Ordnung und Pünktlichkeit. Sein besonderer Dank galt den Uetzinger Wallfahrtsmusikern, Bildträger Johannes Dinkel, den Fahnenträgern Dirk Hertel und Bernhard Grießer, dem Lautsprecherträger Herbert Schmitt sowie den Vorbetern, die einen äußerst schweißtreibenden Job hatten. Stefan Dinkel, stellvertretender Pfarrgemeinderatsvorsitzender, dankte Wallfahrtsführer Herold für die Organisation der Wallfahrt.

Uetzinger Feuerwehr sorgte für die Sicherheit der Pilger

Eine Abordnung der Feuerwehr Uetzing sicherte die Pilgergruppe ab, denn ganz ungefährlich ist das Wallfahren auf der Straße nicht. Tagsüber müssen am Zuganfang und -ende reflektierende Warnwesten getragen werden. Bei Dunkelheit muss die Wallfahrt mit einer Beleuchtung gesichert werden. Zusätzlich sichert vor und hinter der Gruppe ein Begleitfahrzeug die Pilger mit gelbem Blinklicht ab. Diese Begleitfahrzeuge hatten Diana Tischer und Andreas Ultsch zur Verfügung gestellt. Sie waren auch mit Gepäckstücken und teilweise mit Musikinstrumenten beladen.

„Spätestens jetzt ließen wir so einiges an Alltagssorgen abfallen und genossen unsere wunderschöne Landschaft.“
Wolfgang Herold, Wallfahrtsführer

Am „Schlockenstein“ bot die Familie Reinhardt aus Uetzing den Pilgern eine Stärkung an für die trockenen Kehlen an. Mit aller Herzlichkeit, Umarmungen und Blumen wurden die Wallfahrer von ihren Angehörigen in Serkendorf empfangen. An der dortigen Marienkapelle sprach die Serkendorfer Mesnerin Kerstin Weis ein kurzes Gebet. Dann ging es weiter nach Uetzing, wo bereits Pfarrer i.R. Hans Hübner mit den Ministranten am Ortseingang wartete.

Unter Glockengeläut zogen die Pilger durch die Straßen hoch zur Pfarrkirche. Nach dem eucharistischem Segen und dem Lied „Segne, du Maria“ fand die Wallfahrt ihren Abschluss.

Der Dankgottesdienst findet am Samstag, 6. Juli, um 19 Uhr in der Uetzinger Pfarrkirche statt.

 

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