BAD STAFFELSTEIN

Liebesgedichte als gelungener Ersatz

Mit „Liebeleien und Beziehungskisten“ begeisterte Jan Burdinski sein Publikum. Foto: Gerda Völk

Jan Burdinski, der Intendant des Fränkischen Theatersommers, nahm es gelassen. Mitte Mai hatten die Außentemperaturen bei der Aufführung des Brückentheaters „Jazzballaden mit einem Dreigestirn“ gerade einmal sechs Grad betragen. Burdinski hatte es Besuchern und Künstlern freigestellt, zu bleiben oder der Kälte zu weichen. Die grandiose Jazz-Sängerin Daniela Hertje und ihr Vater Vitali Hertje hielten durch und mit ihnen auch eine beachtliche kälteresistente Gruppe begeisterter Zuschauer.

„Das ist das Risiko des Brückentheaters, das erleben Sie in keinen festen Haus“, sagte Burdinski. Zur Erinnerung: Die Spielstätte im Kurpark von Bad Staffelstein, ist eigentlich eine überdachte Brücke, in der seit vielen Jahren der Fränkische Theatersommer eine ausgesprochen erfolgreiche Spielstätte betreibt.

Eigentlich sollte es am Donnerstag Chansons zur Deutsch-Französischen Freundschaft geben, aber der Pianist Andreas Rüsing lag im Krankenhaus und seine Partnerin, die französische Sängerin und Schauspielerin Dany Tollemer, mit einer Erkältung im Bett. Die Besucher hatten die Möglichkeit, sich entweder die Eintrittskarte auszahlen zu lassen oder auf einen Ersatztermin auszuweichen.

Einblick in neues Programm

Wer dennoch bleiben wollte, für den gab Burdinski einen Einblick in sein Programm „Liebeleien und Beziehungskisten“, das erst im nächsten Jahr auf den Spielplan steht. Das Thema Liebe und Beziehung zog sich wie ein roter Faden durch den Abend, in Gedichten und Geschichten von Loriot, über Christian Morgenstern, Peter Paul Althaus, Mascha Kaléko, Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, Wilhelm Busch und Kurt Tucholsky.

Auch mit dem Schifferklavier unterhielt Jan Burdenski seine Zuhörer. Foto: Gerda Völk

„Liebesgedichte sind mit Abstand die am häufigsten verfassten Verse, wer verliebt ist, möchte dies auch ausdrücken“, verriet der Künstler. Von der ersten zarten Regung mit all seinen Varianten bis hin zu den Seelenlagen eines verlassenen Mannes. Wilhelm Busch, der Zeit seines Lebens Junggeselle war, reimte, als ihn sein verliebter Neffe seine Partnerin vorstellte: „Sie hat nichts und du desgleichen; Dennoch wollt ihr, wie ich sehe, zu dem Bund der heil'gen Ehe euch bereits die Hände reichen. Kinder, seid ihr denn bei Sinnen? Überlegt euch das Kapitel! Ohne die gehör'gen Mittel soll man keinen Krieg beginnen.“

Gedicht über verliebte Katze

Liebe gibt es nicht nur zwischen Menschen, auch Tiere scheinen über entsprechende Gefühle zu verfügen, wie Burdinski anhand eines Gedichts über eine verliebte Katze seinen Zuhörern anschaulich vor Augen führte. Fast schien es, als ob die Vögel vor dem Brückentheater mit ihrem Gesang kurz innehielten und dem verliebten Miauen lauschten.

Ein weiteres Gedicht befasste sich mit einem ganz anderen Thema. Kann ein frommer Mann den Verführungskünsten der schönen Monika widerstehen? Kann er, allerdings konstatiert die völlig entrüstete Schöne, so etwas sei ihr noch nie passiert. Allerdings sollte man sich nicht in die Hände eines Frisörs begeben, der verliebt ist.

Über die Qualen eines Mannes

Von den Qualen des Mannes, der weder mit ihr noch ohne sie leben kann, handelt eine indische Legende, die von der Erschaffung der Frau berichtet. „Beim Happy End wird jewöhnlich abjeblendt“, wusste schon Kurt Tucholsky. Doch sein Gedicht setzt da an, wo normalerweise der Nachspann läuft und das reale Leben beginnt. Doch ob die „Ehe zum jrößten Teile vabrühte Milch und Langeweile“ ist, hat schließlich jeder selbst in der Hand.

Erotisch angehauchtes Gedicht

Zu den Beziehungsgedichten zählte Erich Kästners erotisch angehauchtes Gedicht „Präludium auf Zimmer 28“, das im leicht angetrunkenen Ton zum Vortrag kam. Jan Burdinski verstand es wieder einmal, sein Publikum zu begeistern und in seinen Bann zu ziehen.

 

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