BIRKACH

Dietzentreffen in Birkach: Der Stammbaum ist 17 Meter lang

„Dietzentreffen“ in Birkach: Der Stammbaum ist 17 Meter lang
An der Schaumkuss-Wurfmaschine herrschte großer Andrang. Foto: Bernhard Dietz

Seit einem halben Jahrhundert und im fünfjährigen Turnus treffen sich die „Dietzen“, die Verwandten von Bischof Dr. Dr. Johannes Baptist Dietz. Natürlich nicht irgendwo, sondern im Geburtsort des bekannten Verwandten. Organisiert wird das Treffen von den Birkacher Familien Anni Fleischmann, Konrad Dietz und Bernhard Dietz. Jüngst war es wieder so weit: 240 Verwandte aus Schweden, Holland, Österreich und allen Ecken Deutschlands kamen an den Obermain.

Dafür hatten die „Dietzen“ eine kleine Zeltstadt auf dem Birkacher Sportplatz errichtet. In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Bischof Dr. Dr. Johannes Baptist Dietz zum 140. Mal. Er wurde als fünfter von acht Kindern geboren. Der kuriose Hausname der Birkacher Familie: die „Eggenbacher“.

Für die Gäste des „Dietzentreffens“ wurde ein Dokumentationszelt eingerichtet. In ihm konnten Interessenten den 17 Meter langen Stammbaum studieren, der von 1870 bis zum heutigen Tag reicht und das Leben von Bischof Dietz widerspiegelt.

Einen Film von 1969 gezeigt

Der Samstagabend stand ganz im Zeichen der Erinnerung an die 50 Jahre „Dietzentreffen“. Ein Film von 1969 machte die Begeisterung der Vorfahren aus der zweiten Generation richtig spürbar. Der Sonntag begann mit dem Festgottesdienst, den der weit gereiste Jesuitenpater Klaus P. Dietz zelebrierte. Er ist Großneffe von Bischof Dietz, der ehemalige Pfarrer der größten Pfarrei Schwedens St. Eugenia und Dekan von Stockholm.

Lebenstreppe Thema der Predigt

In seiner Predigt sprach er über die Lebenstreppe, ein Bild das in schwedischen Bauernhäusern hängt und das den Lauf des Lebens zeigt: jung und dynamisch zu Beginn, dann verantwortungstragend, älterwerdend und letzlich das Ende. Er erinnerte daran, das beim ersten Treffen 1969 die Verwandten seiner Generation die Jungen waren, aber nach 50 Jahren sind auch in dieser Generation Lücken durch den Tod entstanden. „Aber unser Trost und unsere Hoffnung ist unser Glaube, der uns lehrt, dass wir uns im Himmel zur ewigen Herrlichkeit wiedersehen“, so der Pater.

„Dietzentreffen“ in Birkach: Der Stammbaum ist 17 Meter lang
Großnichte Annegrete Müller aus Bamberg bei ihren Ausführungen über Bischof Dietz.

Musikalisch wurde die Feier von Musikern aus der Verwandtschaft umrahmt. Christoph Gatz verlas am Ende der Messfeier ein Grußwort von Erzbischof Dr. Ludwig Schick, der als ehemaliger Weihbischof von Fulda Bischof Dietz sehr schätzte und dem Fest einem guten Verlauf wünschte.

„Das Treffen hat nach 50 Jahren nichts von seiner Attraktivität eingebüßt“, freute sich Organisator Bernhard Dietz. Er schaue nur in viele fröhliche Gesichter. Vor allem freue er sich über die vielen jungen Familien der vierten und fünften Generation.

Präsentation über den Geistlichen

Ein Höhepunkt war eine Präsentation über das Leben von Bischof Johannes Dietz, die Annegrete Müller und Bernhard Dietz erstellt hatten. Eingangs berichtete Bernhard Dietz über das Elternhaus, aus deren Anstoß auch der Bau der Birkacher Kirche entstanden ist. Annegrete Müller beschrieb die schwere Kindheit von Bischof Dietz, der 1879 als fünftes von acht Kindern der Bauersfamilie Johann und Barbara Dietz geboren wurde. Mit elf Jahren starb sein Vater, mit 14 Jahren seine Mutter. Danach wurde er von der 18-jährigen Schwester großgezogen.

Mehrere Doktor-Titel

Nach dem Abitur, das er mit Auszeichnung abschloss, ging er aufgrund seiner großen Begabung zum Theologiestudium auf das Germanicum nach Rom, wo er sein Studium mit dem Doktor der Philosophie und später als 30-Jähriger mit dem Doktor der Theologie abschloss.

Im Jahre 1912 wurde er Regens des Bamberger Priesterseminares. Im Jahre 1936 wurde er von Papst Pius XI zum Kuadjutor des Bistums Fulda ernannt und im Jahre 1939 übernahm er in einer schwierigen Zeit das Bischofsamt.

Mutig gegen die Nazis gepredigt

In mutigen Predigten stellte er sich gegen das Naziregime. Sein Einfluss im Widerstand sei enorm gewesen, führten seine Nachfahren aus. Nach dem Krieg wurde sein Bistum durch den eisernen Vorhang geteilt. „Er war ein Bischof, zu dem man mit Verehrung aufschaute, der nicht nur das vordergründige sah, sondern in Zusammenhängen dachte“, so Annegrete Müller und Bernhard Dietz. „Er liebte aber auch die Muße und nahm gerne eine Prise Schnupftabak.“

Im Jahre 1953 verlieh ihm der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Bischof Dietz hatte immer eine große Verbundenheit mit seinem Heimatort Birkach und seinen Verwandten. Er ist Ehrenbürger dieses Ortes, auch die Straße an seinem Geburtshaus ist nach ihm benannt. Mit dem Wunsch „Lasst uns seinen Geist in die nächsten Generationen weitertragen, deshalb sind wir alle hier“, schloss Annegrete Müller ihre Ausführungen.

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