Bilder voller expressiver Kraft: Ausstellung von Lore Weiler

KUTZENBERG

Bilder voller expressiver Kraft: Ausstellung von Lore Weiler

Gemälde sind immer auch bewusster oder auch unbewusster Ausdruck der Erfahrungen, Erlebnisse, Begegnungen dessen, der die Bilder schuf. Umso mehr „Leben“ steckt in einer Ausstellung, deren Entstehungsgeschichte mehr als eine Generation umfasst. Unter dem Motto „Mein Weg – eine Retroperspektive über 30 Jahre“ präsentiert die Stegauracherin Lore Weiler im Kutzenberger Festsaal viele ihrer Werke von den 1980-ern bis heute. Bei der feierlichen Vernissage wurde deutlich, dass sich die Künstlerin immer wie neu erfindet, keine Herausforderung scheut und ihre Arbeiten eine Liebeserklärung an die verschiedenen Stilrichtungen sind.

„Lieder ohne Worte“ heißt passend das Stück von Felix Mendelssohn-Bartholdy, das Lea Giessler von der Heinrich-Faber-Musikschule am Klavier als gelungene Einstimmung darbot. Denn vieles „spricht“ aus dem Bildern Lore Weilers, die die Malerei 1986 zunächst als beruflichen Ausgleich für sich entdeckte. Die Wirkung dieses oder jenes Bildes verbal zu deuten, würde der Kunst an sich und in diesem Falle der Malerei nicht gerecht.

Nie die Herausforderung gescheut

Dies versuchte Kunsthistoriker Dr. Matthias Liebel als Laudator der Vernissage im Anschluss an die Eröffnung durch Bezirksrat Thomas Nagel deshalb auch erst gar nicht. Mit einer schillernden und sprachlich bunten Rede skizzierte Liebel das künstlerische „Wachsen“ Weilers, die schon bei ihren ersten Werken in den 1980-ern die Herausforderung nicht scheute. Sie begann nämlich, wie er ausführte, mit der Hinterglasmalerei, die ein seitenverkehrtes Malen und eine genaue Vorstellung vom vollendeten Werk erfordert.

1990 begann Weiler mit der Aquarellmalerei, detailgetreu, wie im Falle des Bildes „Libelle“ zuweilen sogar fotorealistisch. Die Künstlerin blieb in ihrer Entwicklung nie stehen, wie der Laudatio weiter zu entnehmen war. Nachdem die Künstlerin 2004 zur Acrylmalerei mit ihren von Liebel betonten vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten fand, legte sie ab 2008 ihren künstlerischen Fokus auf die Abstraktion. „Die Schule des Gegenständlichen zu durchlaufen, halte ich für unabdingbar, um später überzeugend Werke im Bereich des Abstrakten schaffen zu können“, betonte Liebel in diesem Zusammenhang. Er nannte hier große Vorbilder wie Picasso und Mondrian, deren künstlerische Vita eben jenen Verlauf nahm.

„Mit zunehmenden Schaffensjahren sind ihre Gemälde noch ausdrucksstärker geworden, noch vielschichtiger, noch tiefgründiger.“
Matthias Liebel, Kunsthistoriker, über Lore Weiler

„Kunst kommt nicht von Können, wohl aber setzt Kunst Können voraus. Ich würde es auf die Formel bringen: ,Kunst ist Können plus X‘“, so Liebel weiter. Er hob das wohldurchdachte Arbeiten der Stegauracherin hervor. „Schnelles Dahinpinseln lehnt sie ab.“ Seit zehn Jahren kenne er Lore Weiler. Er sei von Anfang an beeindruckt gewesen von der expressiven Kraft ihrer Bilder. „Mit zunehmenden Schaffensjahren sind ihre Gemälde noch ausdrucksstärker geworden, noch vielschichtiger, noch tiefgründiger“, lobte er.

Selbst eine Verletzung 2012 habe sie nicht aus der Bahn geworfen. Als sie damals für eine geraume Zeit ihre rechte Hand – sie ist Rechtshänderin – nicht benutzten konnte, schuf sie mit ihrer linken Hand eine Reihe klein- und mittelformatige Arbeiten, die ebenfalls Teil der Ausstellung sind, wie beispielsweise das Werk „Ähren mit links“.

Mehr als nur Farben und Formen

Lore Weiler selbst kam mit den zahlreichen interessierten Vernissage-Besuchern ins Gespräch. Am Rednerpult dankte sie bei der feierlichen Eröffnung allen, die diese Ausstellung ermöglicht haben. Sie hoffe, dass ihre Werke die Fantasie anregen – ihren abstrakten Bildern habe sie daher ganz bewusst keine Titel gegeben – sowie zum Beobachten einladen und vor allem verweilen lassen. „Es gibt auf Bildern mehr zu sehen, als Farben und Formen, im Vorbeigehen wird ein Bild nicht erfasst“, appellierte sie an alle, sich Zeit zu nehmen.

Genau das taten die Besucher zum Auftakt der Ausstellung, erfreuten sich am „Traum von Afrika“, Stadtansichten von Toronto oder Schilfszenen und kamen ins Erzählen, was dieses oder jenes abstrakte Werk in ihnen an Empfindungen auslöst.

Öffnungszeiten: Die „Retroperspektive über 30 Jahre“ im Kutzenberger Festsaal ist noch bis zum 23. Juni täglich von 14 bis 17 Uhr zu sehen.