LICHTENFELS/BAD STAFFELSTEIN

Die Artenvielfalt am Staffelberg ist herausragend

Auf dem Staffelberg wurde der neue Natura-2000-Managementplan übergeben. Mit dabei waren (v. li.) Martin Renger von den Bayerischen Staatsforsten, Bad Staffelsteins Zweiter Bürgermeister Hans-Josef Stich, Ebensfelds Zweiter Bürgermeister Hauke Petersen, Natura-2000-Gebietsbetreue... Foto: Stefan lommatzsch

Klaus Stangl von den Bayerischen Staatsforsten in Scheßlitz sprach von einer Insel der Glückseligen und ergänzte: „Wir haben hier eine Landschaft, wie sie sich die Initiatoren des Volksbegehrens zum Erhalt der Artenvielfalt vorgestellt haben.“ Die Rede war vom Natura-2000-Gebiet „Albtrauf im Landkreis Lichtenfels“, welches sich entlang des Juraanstiegs von Romansthal im Norden über den Staffelberg bis Dörnwasserlos im Süden erstreckt. Für dieses wurde nun auf dem Staffelberg der fortgeführte und präzisierte Managementplan vorgestellt und den zuständigen Behörden überreicht.

Die Bienenragwurz ist eine der seltensten heimischen Orchideenarten. Foto: Klaus Stangl

Zwei Jahre haben die dafür nötigen Kartierungsarbeiten der insgesamt 1850 Hektar gedauert und dabei wurden sogar die Experten ob der Artenvielfalt überrascht. Das Resultat fasste Stangl folgendermaßen zusammen: Es handelt sich um eines der interessantesten und wertvollsten Naturschutzgebiete in ganz Oberfranken. Es repräsentiert in eindrucksvoller Weise die typischen Laubwald- und Felslebensräume an den Steilhängen der Alb und wird unterbrochen von blütenreichen Wiesen, Kalkmager- und Trockenrasen und Resten von Wacholderweiden. Charakteristisch für das Gebiet sind vor allem die vielfältigen Lebensräume im Offenland insbesondere auf den Flachland-Mähwiesen. Diese befänden sich in großen Teilen im bestmöglichen Erhaltungszustand, sagte Stangl. 350 gefährdete Arten seien bei den Kartierungen dokumentiert worden, davon allein 50 Wildbienenarten.

„Wir haben hier eine

Landschaft, wie sie sich die Initiatoren des

Volksbegehrens zum Erhalt der Artenvielfalt

vorgestellt haben.“

Klaus Stangl, Bayerische Staatsforsten

Stangl hob aber auch die herausragende Bedeutung der artenreichen Laubwälder im Natura-2000-Gebiet hervor. Diese böten ebenfalls seltenen Arten wie Fledermäusen und Vögeln, darunter Uhu, Wendehals und Hohltaube, ein Refugium.

Es kann gelingen: Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand

Auf dieser Blumenwiese bei Frauendorf sticht dem Betrachter die Artenvielfalt förmlich ins Auge. Foto: Preißer

Damit dies auch künftig so bleibt, wurde nun der Managementplan für das Natura-2000-Gebiet an die Behördenvertreter aus den Rathäusern in Bad Staffelstein, Ebensfeld und Lichtenfels sowie an die Untere Naturschutzbehörde und das Forstamt übergeben. Er beinhaltet auch einen Maßnahmenkatalog, welcher für die Behörden, nicht aber für Privatleute und Kommunen, verbindlich ist. Die zuständigen Behörden werden aber die Grundbesitzer im Natura-2000-Gebiet ansprechen, ob sie sich engagieren möchten. Im Gegenzug dafür gibt es Fördergelder. Dadurch soll gesichert werden, dass sich der Zustand und die Artenvielfalt im Naturschutzgebiet nicht verschlechtert. In diesem Zusammenhang brach Klaus Stangl auch eine Lanze für die Landwirte und Waldbesitzer.

Nur durch deren Engagement sei es möglich gewesen, dass sich die Natur hier dermaßen vielfältig entfalten konnte. Seine Botschaft lautete: „weiter so!“ Dem stimmte auch Brigitte Pfister von der Unteren Naturschutzbehörde zu, und auch der Zweite Ebensfelder Bürgermeister Hauke Petersen hob hervor, dass die Artenvielfalt im Schutzgebiet ein Beispiel dafür sei, dass Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen können.

Für eine Orchidee eine sehr imposante Erscheinung: Das Purpurknabenkraut. Foto: Klaus Stangl

Rebekka Mayer, Gebietsbetreuerin Obermain-Jura beim Landschaftspflegeverband, machte aber auch darauf aufmerksam, wie sensibel das natürliche Gleichgewicht ist. So könne zum Beispiel schon eine Düngung mit Gülle eine Orchideenwiese über Jahre hinaus zerstören.

Schon eine Düngung mit Gülle kann das Aus bedeuten

Ebenso würden die Flächen, die nicht mehr bewirtschaftet oder beweidet werden, sehr schnell verbuschen. An Wanderer richtete sie den Appell, auf den Wegen zu bleiben.

Norbert Wimmer, Natura-2000-Gebietsbetreuer am Lichtenfelser Forstamt, betonte, dass der neue Plan in erster Linie eine Fortführung und Präzisierung des Naturschutzanliegens sei, welches in dem Gebiet bereits seit zehn Jahren umgesetzt werde.

 

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