BAD STAFFELSTEIN

Hinweise auf keltische Fürstengräber am Staffelberg

Auf dieser vom Archäologen Markus Schußmann erstellten Grafik sind die Siedlungsspuren der Kelten am Staffelberg vermerkt. Karl-Heinz Gertloff vermutet nun sogar Reste keltischer Fürstengräber im Bereich des Herrenholzes auf der Horsdorfer Seite des Bergs (rot gekennzeichneter Be... Foto: Grafik: Markus Schußmann

Anhand moderner Untersuchungen zum Geländerelief am Staffelberg können Schlüsse auf bisher unbekannte Großgrabhügel dieser Zeit gezogen werden. Karl-Heinz Gertloff erläuterte bei einem KIS-Vortrag Methoden und sensibilisierte.

Nicht nur die Ausgrabung und Rekonstruktion des keltischen Zangentors sorgte in den vergangenen Monaten für Aufregung am Staffelberg. Nun gibt es dort auch Hinweise auf bisher unbekannte Großgrabhügel aus früherer Keltenzeit, die der gebürtige Coburger Karl-Heinz Gertloff bei seinem Vortrag über neue archäologische Spuren im Stadtmuseum präsentierte.

Mit Hilfe des „Airborne-Laser-Scan“- Verfahrens können heute von einem Flugzeug genaue Höheninformationen eines Geländereliefs gemessen und verarbeitet werden – sogar in bewaldeten Gebieten. Eine Umrechnung und die Verarbeitung mit den bestehenden Lagekoordinaten ergeben ein komplexes Modell des Terrains, wie es mittlerweile für ganz Bayern vorliegt.

Mit bloßem Auge kaum sichtbar

In Kombination mit anderen Verfahren erkennt Karl-Heinz Gertloff in diesen Aufzeichnungen nicht nur viele parallele Streifen im Abstand von ca. 5m auf dem Staffelbergplateau, die auf ehemalige Wölbäcker schließen lassen, sondern auch Hinweise auf drei Großgrabhügel. Die Geländeoberfläche weise eine leichte Terrassierung auf, ein Hohlweg sei ebenfalls erkennbar. Durch Schummerung (Flächentönung) lassen sich einige Grundflächen und Ränder von Erhebungen mit einem Durchmesser von rund 55 Metern erkennen. Trotz jahrhundertelangen Ackerns und Pflügens wurden dort nicht alle Unebenheiten des Bodens weggeschliffen und zerstört – bis heute. Mit aufmerksamen Augen und dem Bewusstsein, worauf man achten solle, könnten Interessierte diese Auffälligkeiten noch an Ort und Stelle vermuten.

Nicht von Menschenhand erschaffen

Auch die symmetrischen und gleichartigen Geländeformen, verweisen darauf, dass die Hügel von Menschenhand erschaffen wurden. Minimale Bewuchsmerkmale stärken die These des gebürtigen Coburgers zum Grabhügelfeld „Herrenholz“ ebenfalls.

Im Vergleich mit anderen bekannten keltischen Fürstensitzen, wie sie in Glauberg oder Hochdorf etwa untersucht und bestätigt wurden, ständen die Beobachtungen am Staffelberg diesen in Größe und Geländerelief kaum zurück. Die Steilkante des oberfränkischen Wahrzeichens habe wahrscheinlich sogar einen besonders großen natürlichen Schutz vor Feinden geboten. In Kombination mit den weiteren dortigen Funden könne von einer einst befestigten Siedlung mit Herrschaftssitz ausgegangen werden, obwohl die Region eher am Rande früheren keltischen Gebiets anzusiedeln sein dürfte, schlussfolgerte Gertloff.

Hoffnung auf weitere Untersuchung

Sowohl dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als auch dem Landkreis Lichtenfels wurden diese Informationen und Überlegungen präsentiert. Karl-Heinz Gertloff hofft nun auf eine geophysikalische Untersuchung, an Hand derer neue Erkenntnisse gewonnen werden könnten.

Karl-Heinz Gertloff wollte seinen Zuhörern dazu verhelfen, mit offenen Augen ihre Umgebung wahrzunehmen. Am Anfang seiner Arbeit standen Luftbilder verschiedener Regionen mit unterschiedlichen Sonnenständen.

„Neugierig sein, die Quellen nutzen und aufmerksam die Natur betrachten.“
Karl-Heinz Gertloff, Referent

Nur auf einzelnen Abbildungen erkannte er minimale Höhenunterschiede, die sich aber zu einer Form fügten – für ihn ein Hinweis beispielsweise auf einen verschliffenen Ringwall und die Motivation, tiefer in die Geschichte seiner oberfränkischen Heimat einzutauchen: „Was ich mache, kann jeder“, sagt er. „Neugierig sein, die Quellen nutzen und aufmerksam die Natur betrachten.“

Im Namen des Veranstalters, der Kulturinitiative (KIS), bedankte sich deren Vorsitzender Herrmann Hacker beim Referenten, der zunächst Geodäsie an der Technischen Universität Darmstadt studierte und jahrzehntelang am Vermessungsamt Wiesbaden als Vermessungsexperte für städtische Projekte arbeitete. Seit seiner Pensionierung konzentriert sich sein Interesse auf die Entdeckung und Sichtbarmachung archäologischer und kulturgeschichtlich wichtiger Spuren im Geländerelief. Auch die rund 50 interessierten Zuhörer applaudierten und stellten noch viele Fragen.

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