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Ein Adam-Riese-Verrückter kommt mit Münzen

Ein Adam-Riese-Verrückter kommt mit Münzen
Bürgermeister Jürgen Kohmann und Manfred Weidauer beim Blick in die Vitrine, in der die beiden Münzen nun zu sehen sein ... Foto: Markus Häggberg

Manfred Weidauer ist ein humoriger Mensch, keiner von denen, die ins Raster trockener Mathematiker fallen. Am Donnerstag überbrachte er aus gegebenem Anlass der Stadt ein Geschenk.

Adelheid Waschka war da. Als Leiterin des Museums war es ihre Pflicht. Jürgen Kohmann war auch da, als Bürgermeister dürfte es bei ihm gleich gelagert gewesen sein. Doch da war auch Roland Büttner und seine Anwesenheit war ein ziemlicher Zufall, einer von der erstaunlichen Sorte.

Was Weidauer im Gepäck hatte, waren Münzen, die jüngst anlässlich eines Buchjubiläums geprägt wurden. „Rechnung auff der linihen“ heißt das Buch, welches 1518 in Hände gegeben wurde und welches Adam Riese ausdrücklich für Kinder bestimmte.

Seit Jahrzehnten ein Riese-Forscher

Es sind Stationen wie diese, die den bei Erfurt lebenden Weidauer berühren. Denn der Mann ist selbst Pädagoge gewesen, selbst Mathematiklehrer. „Seit 1970 sammele ich Adam-Riese-Medaillen. Ich gebrauche das Wort Adam-Riese-Verrückter für mich - ich kann damit leben“, erklärt der Pensionär, der seit 30 Jahren als Besucher in die Kurstadt kommt. Im Stadtmuseum war er schon öfter. Die Münzsammlung, die zum Leben von Adam Riese im ersten Stock existiert, hat er schon öfter in Augenschein genommen.

Überhaupt ist er vom Leben und Wirken Rieses schon seit Jahrzehnten angetan. Denn auch Erfurt ist Adam-Riese-Stadt. Oder sollte es Adam Ries heißen? Über die korrekte Schreibweise streiten Gelehrte und auch Weidauer hat einen Standpunkt. „Dass hier Adam Riese steht, nehme ich knurrend hin“, sagt Weidauer launig und weist gerne auf den Kompromiss hin, der auch im ersten Stock des Museums zu finden ist.

Eine 1992 herausgekommene Sonderbriefmarke hängt dort überdimensioniert und sie erinnert an die Lebensdaten (1492 bis 1559) Rieses, in eben dieser Schreibweise. Doch es findet sich dort auch eine Signatur des Rechenmeisters selbst, die schlichter auf Ries lautet. Weidauer selbst wandelt gerne auf den Spuren des Mannes, den er für größer als nur einen Rechenmeister hält.

„Zur damaligen Zeit war er ein führender Wissenschaftler, aber sein (dazu) maßgebliches Buch ist nicht gedruckt worden“, erklärt er. Auch unterrichtet Weidauer dann und wann trotz Ruhestand gerne in der Art, wie es Riese getan hatte. „Ich habe vorige Woche in drei sechsten Klassen das Rechnen auf den Linien gemacht.“

Im Schaukasten mit der Lupe

Die Münzen, die er als Geschenk für das Stadtmuseum mitgebracht hat und die sich nun in dem Schaukasten mit der integrierten Lupe zwischen anderen Münzen finden, zeigen auf der einen Prägeseite den Erfurter Dom, auf der anderen ein aufgeschlagenes Buch, auf deren Seiten die Daten 1518 und 2018 zeigen.

Zwei von drei Rechenbüchern und somit auch das von 1518, erklärt Weidauer, seien in Erfurt gedruckt worden. Eben das bildet Grund für diese Medaille. Vor Jahren arbeitete der in Sachen Riese umtriebige Mann auch an einem Katalog für Münzen, die zu Ehren Rieses geprägt wurden.

Ein Münzenkundiger, der drei Stunden täglich als Aufwand für seine Forschungen benennt. Das Projekt, dem er derzeit nahesteht, sind die „Nürnberger Rechenpfennige“. Zur neuen Heimstatt der Münzen im Stadtmuseum fand der Erfurter lobende Worte.

„Das ist doch genial mit dieser Lupe.“ Dass sich zu denen, die auch dem kleinen Zeremoniell im Stadtmuseum beiwohnten, unter anderem auch Kurgast Roland Büttner befand, war kurios. Auch der Mann ist aus Erfurt, auch er als Stadtführer mit Adam Riese vertraut, auch er kennt darum Manfred Weidauer und dieser ihn.

Ein Adam-Riese-Verrückter kommt mit Münzen
500 Jahre Geschichte eines Buches waren guter Grund für das Prägen einer neuen Münze, die nun im Stadtmuseum zu sehen se...

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