BAD STAFFELSTEIN

Schweigepilgern in Bad Staffelstein: Die Kraft der Stille

Schweigepilgern in Bad Staffelstein: Die Kraft der Stille
Durchatmen, die Natur spüren, sich selbst erforschen – dazu lud das Schweigepilgern am Karfreitag mit Reinhold Bayer (2. v. li.) ein. Foto: Mario Deller

Es gibt Ratgeber in Buchform und im Internet, doch die wichtigsten Antworten finden wir wohl erst dann, wenn wir in uns gehen, sozusagen der Stille lauschen. Das war das Ziel des Schweigepilgerns, zu dem Pilgerbegleiter Reinhold Bayer von der Kur- und Urlauberseelsorge Bad Staffelstein eingeladen hatte. Acht Teilnehmer absolvierten die rund 20 Kilometer lange Tour durch Wald und Flur, ließen die Gedanken schweifen und genossen das sonnige Wetter und den wohltuenden Abstand vom Alltag.

Dem Ruf der Stille zu folgen, der oft im Lärm des Alltags untergeht, dazu rief Pilgerbegleiter Reinhold Bayer die Teilnehmer auf. Vor dem Start am alten Pfarrhaus in Kirchschletten wurde bei einer Tasse Tee oder Kaffee noch ein wenig geplaudert, um einander kennen zu lernen. Mit dem traditionellen Pilgerspruch „E ultreia“ gab Bayer schließlich das Signal zum Aufbruch.

„Pilger, geh' langsam, damit deine Seele nachkommt.“
Reinhold Bayer zitiert einen bekannten Spruch
Schweigepilgern in Bad Staffelstein: Die Kraft der Stille
Ganz bewusst bei der Routenführung außen vor gelassen wurde der am Karfreitag erfahrungsgemäß stark frequentierte Staff... Foto: Mario Deller

Nur das Knarzen der Schuhsohlen war zu hören, begleitet vom morgendlichen Vogelgezwitscher. Hin und wieder kam den Pilgern ein Radtourist oder Wanderer entgegen – mit einem freundlichen „Guten Morgen“. Das selbst auferlegte Schweigen tat den Teilnehmern gut, die beispielsweise aus Unterzettlitz, Untersiemau, Ebensfeld und Rattelsdorf kamen. Pilgerbegleiter Bayer unterbrach die Stille nur selten, um wertvolle Impulse zu geben. Er bewies dabei ein sehr gutes Gespür. „Pilger, geh' langsam, damit deine Seele nachkommt“, zitierte er einen bekannten Spruch und lud auf einem Weg an einer Anhöhe dazu ein, den Schritt bewusst zu verlangsamen. Wie es der Zufall wollte setzte just in diesem Moment heftiger Gegenwind ein. Mutter Natur trug das ihre zur Entschleunigung bei.

An anderer Stelle zitierte er aus dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus, erinnerte an die Verantwortung für die Schöpfung oder holte eine Mundharmonika aus seinem Rucksack, um eine sanfte Weise erklingen zu lassen.

Beim Pilgern wird der Mensch wieder Herr seiner Zeit

Schweigepilgern in Bad Staffelstein: Die Kraft der Stille
Nach innen gehen und zugleich wunderschöne Ausblicke wie hier am „Burgenblick“ genießen – beides verband das Karfreitags... Foto: Mario Deller

„Ob wir heute fünf, sechs oder auch sieben Stunden brauchen, sollte uns gleichgültig sein. Wir sind heute der Herrscher unserer Zeit“, hatte Bayer zum Auftakt betont. Alle paar Kilometer gönnte man sich eine Rast. Die Teilnehmer hielten inne, nahmen bei warmen Temperaturen einen Schluck aus der Trinkflasche. Am Dornig hielt die Gruppe ein wenig Einkehr, bevor die Rucksäcke wieder geschultert wurden.

Gerade in der Stille öffnet sich bei einer solchen kurzen Pilgerreise umso mehr die Empfänglichkeit nicht nur für die im Inneren brodelnden, oftmals ungelösten Fragen, sondern auch für die Schönheit der Natur. In Staunen versetzte die Teilnehmer das Gewimmel in einem imposanten Ameisenhaufen, ein (Oster-)hase hoppelte auf der Wiese vorbei und am Morgenbühl, einem der landschaftlichen Höhepunkte auf der Strecke, genossen die Pilger die wunderschöne Aussicht auf das Obermaintal.

Eindrücke und Gedanken, die stark machen für den Alltag

Ein Kontrast dazu bildete der Blick von einer Anhöhe auf den Autobahnverkehr bei Pferdsfeld. Der überwiegende Teil der Tour lag hinter den Pilgern, das Ziel Bad Staffelstein wenig später in Sicht. Das Wort „Kulturschock“ machte sich in den Köpfen breit. „Der Pilgerweg, und sei es auch ein verhältnismäßig kurzer, macht etwas mit einem. Es bleibt die Frage: Was kann ich an den Eindrücken und Gedanken mitnehmen für den Alltag?“, fand Reinhold Bayer an diesem optischen Schnitt nachdenkliche Worte.

Schweigepilgern in Bad Staffelstein: Die Kraft der Stille
Hier und da gab Pilgerbegleiter Reinhold Bayer zum Nachdenken anregende Impulse. Vor dem Hintergrund der Bewahrung der S... Foto: Mario Deller

„Am liebsten wäre ich noch stundenlang weitergegangen“, beschrieb eine Teilnehmerin aus Untersiemau am Schluss der Tour ihre Gefühle auf den letzten Kilometern. „Man sieht sich in der Stille mit Fragen konfrontiert, die man verdrängt hat, aber die letztlich ungelöst sind“, meinte eine andere.

Die Kreuzkapelle in Bad Staffelstein war ein guter Ort, um die Gedanken zu ordnen. Hier ließ Bayer mit der achtköpfigen Gruppe die besinnliche und Kraft spendende Veranstaltung ausklingen mit dem gemeinsam gesungenen Kanon „Laudate omnis gentes“ (Lobsinget, ihr Völker alle). Die Teilnehmer dankten dem Pilgerbegleiter für die Pilgerwanderung, die dem Wesen des Karfreitags mehr als gerecht wurde.

 

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