OBERKÜPS

Vortrag über „Steinerne Glaubenskunst und ihre Schöpfer“

Vortrag über „Steinerne Glaubenskunst und ihre Schöpfer“
In Unterküps und in Oberküps findet der aufmerksame Betrachter eine stattliche Anzahl von schmucken Martern und Bildstöcken, die teils aus dem 17. Jahrhundert stammen. Foto: Martina Drossel

Was hat es mit der „Dumrauff-Marterl“ von Oberküps auf sich? Wer steckt hinter den „sieben Fußfällen“ am Vierzehnheiligener Ordensfriedhof? Und welche „Kützer“ wagten sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Provinz am Obermain per Segelschiff ins Abenteuer Amerika? – Heimat- und Familienforscher Anton Zenk hatte unter dem Thema „Fränkisch is halt schö‘ …: Altes und Neues aus Kütz“ so manchen interessanten Aspekt parat. Beim Vortrag auf Einladung des Obst- und Gartenbauverein Ober-/Unterküps im „Florians-Stübla“ überraschte der Unterneuseser mit Recherchen, die selbst die Alteingesessenen so noch nicht gehört hatten.

„Fast alle Forschungsergebnisse aus den vergangenen 30 Jahren sind neu und werden heute zum ersten Mal bekannt gemacht beziehungsweise der Öffentlichkeit vorgestellt“, sagte Zenk im Vorfeld – und er sollte recht behalten: Ein ums andere Mal blickte er in staunende Gesichter. Zunächst ging er auf die Flurdenkmäler der Region ein. Es lohne sich, so Zenk, beim Spaziergang durch die Heimat genauer hinzusehen. Oft seien es die kleinen Details, die viel verraten würden. Und so zeigte er etliche Lichtbilder von heimischen Haus-, Feld,- oder Andachtskreuzen aus Holz oder Stein, von Kreuzsteinen, Gedenksteinen, Kreuzschleppern und Feldaltären sowie Bildstöcken ebenso wie von Grenzsteinen und Zehntsteinen, die zur Abgrenzung eines Herrschaftsgebietes dienten. „Allein im Gemeindegebiet Ebensfeld sind über 300 christliche oder religiöser Flurdenkmäler vorhanden“, berichtete er. Anton und Alfons Zenk haben diese fotografiert, dokumentiert sowie deren Herkunft und den Grund der Errichtung so weit möglich erforscht.

Zenk zeigte kunstvolle Marterln aus Sträublingshof, die von der liebenswerten Arbeit ländlicher Steinmetze künden, eine Marterl mit Blechbild wie die in Horsdorf und auch Bilder von den schönen Bildstöcken in Kleukheim aus dem Jahr 1731.

Als der Krieg zu Ende war

„Als der 30-jährige Krieg vorbei war und die Folgen langsam nachließen, werden ab zirka 1670 in zunehmendem Maße wieder Marterl gesetzt“, erklärte der Referenz. „Und das so umfangreich und vielfältig, dass das Barock als deren Blütezeit in Franken gelten kann.“ Alleine im Gemeindegebiet Ebensfeld seien noch 70 aus dieser Zeit vorhanden, im Staffelsteiner Land sind es derer 60. „In der Mehrzahl wurden die Marterl von betagten reichen Ehepaaren zum eigenen und ihrer Angehörigen Seelenheil als Wallfahrtsbild oder als Gebetsstätte gestiftet.“

Vortrag über „Steinerne Glaubenskunst und ihre Schöpfer“
Mit seinem Vortrag im „Florians-Stübla“ stieß Anton Zenk auf großes Interesse.

Oft lassen sich die Marter bestimmten Steinmetzen zuordnen. „Der älteste uns bekannte Steinmetz ist ab 1672 in Uetzing nachweisbar“, sagte Zenk. „Es handelt sich um Georg Burckhart, einen um 1635 in Thüringen geborener Protestant, der wohl als Fachmann für die Eisenerzgruben des Klosters Langheim im Döbertengrund angeworben wurde.“ Neben vielen Marterln sind ihm wohl auch die „sieben Fußfälle“ am Vierzehnheiligener Ordensfriedhof zuzuschreiben. „Diese befanden sich ursprünglich am Weg von Langheim nach Vierzehnheiligen.“

Dessen erstgeborener Sohn Hans Absalon trat in die Fußstapfen des Vaters. Er heiratete nach Prächting und schuf nicht nur unzählige Marterln, sondern auch Brücken, Keller und Kreuzträger für das gesamte Umland. Der zweitgeborener Sohn Johannes Georg wurde ebenfalls Steinmetz und schuf in seiner Werkstatt in Roßdach viele Marter und Baudenkmäler, die heute noch im Scheßlitzer Gebiet zu bewundern sind.

Wie der Vater, so der Sohn

„In Unterküps stehen heute noch vier Marterla“, so Zenk, „darunter ein frühes Werk des Uetzinger Steinmetzes Georg Burckhart“. Dieses befindet sich 400 Meter vor dem westlichen Ortseingang am Feldweg zur „Vorderen Reuth“. Der Heimatforscher ging bei jedem der vier Kunstwerke ins Detail, erklärte Machart, Inschriften und Stifter. Auch zu den Oberküpser Marterln hatte der Unterneuseser etliches Wissenswertes zu erzählen. So stammt auch die „Dumrauff-Marterl“, erschaffen 1692, aus der Werkstatt des Georg Burckhart. Der Name geht auf das Stifterehepaar Johannes und Barbara Dumproff zurück. Die Marterl mit profiliertem Vierkantsockel und geflügelten Engelsköpfchen am Aufgang zur Katharinen-Kirche stammt von Hans Absalon Burckhart. Sie ist um 1715 erschaffen worden.

Die „Neue Welt“ lockte

Im zweiten Teil des kurzweiligen Abends ging der Referent auf alte Dorfordnungen, Hirtenhäuser und Zehntstadel, Kirchengeschichten, Kriegerdenkmäler, Wirtshäuser, das Schulleben und das dörfliche Leben im Allgemeinen ein. Auch dabei brachte er seine Zuhörer ein ums andere Mal zum Staunen, aber auch zum Schmunzeln. Und dann war da noch die Sache mit der „Neuen Welt“: „Der Auswanderungskartei im Staatsarchiv Bamberg konnte ich entnehmen, dass von Unterküps mit der ersten Auswanderungswelle per Segelschiff folgende Personen nach Amerika ausgewandert sind: Gantner Andreas 1839, Kriebel Michael mit Familie 1845, Kriebel Barbara 1852, Schütz Katharina mit Sohn 1852 und Wagner Margarethe 1854.“ Sie kamen alle nie wieder zurück. Der lange Applaus nach Vortragsende war dann der schönste Lohn für den Heimat- und Familienforscher aus Unterneuses.