BAD STAFFELSTEIN

Kirchengeschichte: Totenruhe nicht mehr bei St. Kilian

Dominiert die Altstadt von Bad Staffelstein: die katholische Sankt-Kilians-Kirche. Bis 1804 wurden die Toten im Umfeld des Gotteshauses begraben. Dies war plötzlich nicht mehr möglich. Der Friedhof wurde an den Rand Staffelsteins (wo er sich noch heute befindet) verlegt. Foto: Markus Drossel

Im zweiten Teil seines Streifzugs durch die Staffelsteiner Kirchengeschichte vor der Kolpingsfamilie Bad Staffelstein nahm Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold seine Zuhörer mit auf eine spannende Reise, die etwa um 1800 startete. Eine Zeit, die von gewaltigen Umwälzungen geprägt war.

In Frankreich war kurz zuvor die Revolution ausgebrochen, in deren Folge die napoleonischen Kriege Europa nachhaltig verändern sollten. Zu dieser Zeit existierte Deutschland aber noch nicht als moderner Nationalstaat mit festen Grenzen, sondern war eine Ansammlung aus Klein- und Mittelstaaten.

Landkarte radikal umgestaltet

Mit dem 1803 erlassenen Reichsdeputationshauptschluss gestaltete Napoleon die deutsche Landkarte radikal um. Die linksrheinischen Gebiete fielen an Frankreich.

Im Zuge der Säkularisation wurden das Domkapitel und die Klöster aufgehoben. „Die geistlichen Fürstentümer wurden geopfert“, erklärte Dippold. Mitte 1803 traf es Kloster Langheim, wenige Monate später Kloster Banz. Beide Klöster verfügten über einen beachtlichen Grundbesitz. Allein zum Kloster Langheim gehörten etwa 200 Dörfer. Staffelstein hörte auf Behördensitz zu sein. Plötzlich war der Abt nur noch Privatmann und ein Untertan von Bayern.

„1803 wurde untersagt,

an Weihnachten

Krippen aufzustellen.“

Professor Dr. Günter Dippold, Bezirksheimatpfleger

Die eigentlichen Leidtragenden dieser Entwicklung waren aber die Handwerker, wie der Uhrmacher Lippert oder die Baumeisterfamilie Weber. Die Säkularisation hatte aber noch weitreichende Folgen. Staatlicherseits wurden religiöse Handlungen verboten. „1803 wurde untersagt an Weihnachten Krippen aufzustellen“, berichtete Dippold. Bereits im April wurden mehrtägige Wallfahrten verboten, weil sie die Menschen, salopp gesagt, von ihren Pflichten abhielten. Ab 1804 war eine Prozession nur noch an fünf Tagen im Jahr gestattet, und auch dann nur zur nächstgelegenen Pfarrkirche. Diese Andachten sollten sich auf den Vormittag beschränken. Die Ortsvorsteher wurden angehalten, das „bey der Rückkehr niemand in den Wirtshäusern oder Schenken zurückbleibe“. Damit waren Wallfahrten zu entfernten Orten, wie beispielsweise Gößweinstein, praktisch verboten.

Bis 1804 wurden die Toten seit Jahrhunderten im Umfeld der Pfarrkirche Sankt Kilian begraben. Dies war plötzlich nicht mehr möglich. Der Friedhof wurde am Rande Staffelsteins (wo er sich noch heute befindet) verlegt.

In Vierzehnheiligen wurde ein Aussterbekloster für Dominikaner eingerichtet, die auch die Wallfahrt betreuten. Die Pfarrsprengel wurden neu zugeschnitten.

Seubelsdorf zur Pfarrei Lichtenfels

Unter dem Motto „Nützlichkeit und Vernünftigkeit“ wurde Seubelsdorf von der Pfarrei Staffelstein abgetrennt und der Pfarrei Lichtenfels zugesprochen. Die ablehnende Haltung gegenüber der Kirche wird laut den Referenten besonders deutlich, als es 1835 in Vierzehnheiligen brennt und es bis zur Beseitigung der Brandschäden etwa 13 Jahre dauert.

Revolutionärer Funke springt über

Nachdem der revolutionäre Funke im Februar 1848 auch auf das Königreich Bayern übergesprungen ist, fanden im Laufe des Folgemonats mindestens drei Volksversammlungen statt. Damals entstanden wie Dippold berichtete, die bürgerlichen Eliten, die ihren Anteil an der Macht haben wollten und sich in so genannte „Ortsvereine“ organisierten. Erstmals gab es einen Konflikt zwischen gut ausgebildeten jungen Männern und Pfarrern, als sich Pfarrer Georg Heinrich Daig offen von der Kanzel gegen demokratische Bestrebungen aussprach.

In Staffelstein gab es zwei Gruppierungen: Die Anhänger der alten Ordnung, zu denen neben Pfarrer und Stadtschreiber auch die Magistraträte zählten, und die Verfechter eines republikanisch-demokratischen Gedankenguts, die gegen Ende 1848/Anfang 1849 immer mehr an Gewicht gewannen.

Evangelische Gemeinde entsteht

1862 wurde Staffelstein wieder Mittelpunkt einer Verwaltungseinheit mit Bezirksamt, Amtsgericht und nach einigen Jahren auch eines Rentamts. Die Versetzung protestantischer Beamter führte zur Entstehung einer evangelischen Gemeinde in Staffelstein.

Bezirksamtmann Franz Michael von Rudhart, obwohl selbst katholisch, lehnte ganz im Sinne der vom König eingesetzten liberalen Regierung die Umtriebe der Bayerischen Patrioten-Partei und ihrer geistlichen Protagonisten entschieden ab. Rudhart wertete einen Vorfall im Mai 1874 als „elende Gaukeleien“ einer von „religiösen Fanatismus aufgestachelten klerikalen Partei.“

Handgemenge wegen Madonna

Was war passiert? Die Fensterscheibe eines Zapfendorfer Hauses zeigte das Bild einer Madonna mit Kind. Als Rudhart dem Eigentümer verbot, diese zu zeigen, kam es zu einem Handgemenge. Später schilderte Rudhart die Ereignisse der Regierung von Oberfranken mit drastischen Worten: „Die in großer Zahl versammelte Volksmenge zeigte sich aufs Äußerste fanatisiert, die Weiber heulten und schrien und die Männer fluchten und tobten…“

Im weiteren Verlauf des Schreibens wies Rudhart darauf hin, dass bei derartigen Angriffen „ein geladener sechsläufiger Revolver sein treuer Begleiter ist“. Dafür wurde er von der katholischen Presse als „aufbrausend, autoritär und zu unverhältnismäßig scharfen Mittel greifend“ gerügt.

Im weiteren Verlauf seines Vortrags berichtete Dippold über weitere Vorfälle, die von Rudharts tiefen Abneigung gegen die Geistlichkeit geprägt war, besonders aber gegen den damaligen Stadtpfarrer Franz Link. „Beide waren schon seit der Schulzeit bekannt und verfeindet“, so Dippold. Auch der weitere Verlauf der Staffelsteiner Kirchengeschichte kündet von einem stetigen Auf und Ab. Ein Prozess der bis heute anhält.

Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold hatte Spannendes und Unterhaltsames zu Staffelsteiner Kirchengeschicht... Foto: Gerda Völk

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