KLOSTER BANZ

Risikomangement Landwirtschaft: Das Wetter ist der maßgebliche Faktor

Deckt der Erlös der Ernte letztlich die laufenden Kosten des landwirtschaftlichen Betriebs? Jahr für Jahr stellen sich die Bauern diesem Risiko. Foto: archivMarkus Drossel

Die Herausforderungen, vor dem die Landwirtschaft heute steht, sind mit denen in früheren Zeiten nicht mehr vergleichbar. Extremen Wettereinflüsse wie Starkregen, Hagel, Frost oder Trockenheit beeinflussen maßgeblich den wirtschaftlichen Erfolg. Nachdem sich im Anbaujahr 2017 in der „Werkstatt unter freien Himmel“ fast alle Naturgefahren realisiert haben, ging es im „Dürrejahr“ 2018 beinahe nahtlos weiter.

Das führte zu Ernteausfällen in einer Größenordnung von rund zwei Milliarden Euro und gefährdete zahlreiche Betriebe in ihrer Existenz. „In guten Jahren hatten die Bauern eine Ernte auf dem Feld, eine in der Scheune und eine auf der Bank“, erklärte Michael Bienlein, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV). Was früher als eine Art Bauernregel für eine Risikoabsicherung galt, reicht heute bei weiten nicht mehr aus.

„In guten Jahren hatten die Bauern eine Ernte auf dem Feld, eine in der Scheune und eine auf der Bank.“
Michael Bienlein, BBV-Kreisobmann

„Darum braucht es ein einzelbetriebliches Risikomanagement, das jeder Betrieb optimieren sollte“, fügte der Kreisobmann an. Bei der Veranstaltung „Aktuelle Markteinflüsse und Risikomanagement in der Landwirtschaft“ auf Kloster Banz gab es wichtige Tipps und wertvolle Anregungen. Eine Kooperationsveranstaltung der Sparkasse Coburg-Lichtenfels mit dem Bayerischen Bauernverband für Landwirte aus beiden Landkreisen.

Katastrophen bleiben nicht aus

Starkregenereignisse, die ganze Ernten wegschwemmen, Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle, die weite Landstriche verwüsten, oder Trockenphasen wie sie gerade im Norden, Westen und Teilen des Osten auftraten und spürbare Ertragseinbußen für Landwirte brachten. Dazu zahlreiche Wald- und Wiesenbrände, die jegliche Vegetation vernichteten. Damit wird auch in Zukunft zu rechnen sein.

„Die Landwirtschaft als Zukunfts- und Wachstumsmarkt wird von den Extremereignissen am stärksten betroffen sein. Denn 80 Prozent des Ertrags hängen vom Wetter ab“, erklärte Raimund Lichtmannegger, Leiter der Hauptabteilung Landwirtschaft der Versicherungskammer Bayern. Auch in Zukunft müssen Landwirte mit einem zunehmenden Wechsel von Wetterereignissen rechnen.

„Eine Absicherung der Ernte gegen Wetterextreme ist möglich“, lautet die Erkenntnis des Experten. Aktuell sich etwa 72 Prozent der Ackerfläche gegen Hagel versichert, aber nur ein verschwindend geringer Teil gegen Katastrophenschäden wie Trockenheit oder Überschwemmung.

Versicherung als Absicherung

Zudem soll es ab dem 1. Juli 2019 keine staatlichen Soforthilfen nach Naturkatastrophen mehr geben. „Versichern sie nicht erst, wenn das Wasser vor der Tür steht, oder der Hagelzug im Anmarsch ist“, riet Lichtmannegger den rund 80 Landwirten und Zuhörern.

Philipp Schlake, Direktionsbevollmächtigter Landwirtschaft, stellte den „ErnteSchutz Vario“ vor. Die Vollkasko-Versicherung für das neue Auto sei selbstverständlich, aber bei der Ernte sei man deutlich risikofreudiger. Zunehmende Wetterextreme, Spezialisierung und steigender Versicherungsbedarf über die Gefahr Hagel hinaus machen eine Eigenvorsorge in Zukunft noch wichtiger.

Möglichkeiten der Finanzierung

„Gehen sie nicht erst zu ihrer Bank, wenn sie Geld brauchen. Gehen sie vorher hin“, erklärte Doreen Albrecht, Teamleiterin Landwirtschaft der Deutschen Kreditbank (DKB), Standort Gera. Das setze die Bank nur unnötig unter Zeitdruck. Albrecht gab einen Überblick über Finanzierungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und über Marktentwicklungen und -einflüsse. Aufgrund der steigenden Exportnachfrage durch China und Japan prognostiziert Albrecht einen höheren Milchpreis für das laufende Jahr.

Die Landwirtschaftsberater der Sparkasse Coburg-Lichtenfels Michael Schmidt, Jens Eisele und Steffen Thees stellten ein Risikomanagement unter praktischen Gesichtspunkten vor. Was versichert werden soll, müsse ganz individuell nach den Erfordernissen des Betriebes abgeklärt werden. Zum Risikomanagement zähle auch eine Planung für den Notfall, dann wenn der Betriebsleiter durch Krankheit oder gar durch einen Todesfall ausfällt. Auch über eine Hofübergabe an die nächste

Die Landwirtschaftsberater der Sparkasse Coburg-Lichtenfels stellten ein Risikomanagement unter praktischen Gesichtspunkten vor: (v. li.) Steffen Thees, Michael Schmidt und Jens Eisele. Foto: Gerda Völk