BAD STAFFELSTEIN

Partner gefunden: Neustart für Fortuna

Es geht weiter: Ein Bäcker bei der Arbeit an einer Fortuna-Brötchenanlage. Foto: Stumpf

Anfang Oktober des vergangenen Jahres waren dunkle Wolken über dem Betrieb der Fortuna Maschinenbau Holding in Bad Staffelstein aufgezogen. Das 1887 gegründete Unternehmen, nach eigenen Angaben eines der ältesten Hersteller für Bäckereimaschinen weltweit, war zahlungsunfähig geworden. Drei Monate liefen das Insolvenzverfahren mit Lohnzahlung und vor allem die Suche nach einem neuen Investor. Nun haben sich die Mienen an der Auwaldstraße nahe der Therme enorm aufgehellt: Die Insolvenz ist abgewendet. Das traditionsreiche Unternehmen kann neu durchstarten.

Die österreichische König Gruppe führt seit Jahresbeginn die Geschäfte des heimischen Bäckereimaschinenherstellers weiter. Sämtliche der momentan 90 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden laut einer Pressemitteilung weiter beschäftig, darunter 17 Auszubildende.

Diese äußerst erfreuliche Lösung ist das Ergebnis einer konzertieren Aktion, bei der Fortuna-Unternehmensvorstand Marc Kneiphoff und der Kronacher Rechtsanwalt Jürgen Wittmann als vorläufiger Sachwalter eine maßgebliche Rolle spielten.

Umwandlung in eine GmbH

In Zusammenarbeit mit den in Oberfranken ansässigen Kanzleien Lampert & Dr. Ulrich Graf sowie der Concentro Management AG wurde laut Pressemitteilung „ein strukturierter, internationaler Bieterprozess“ organisiert, aus dem die König Maschinen GmbH aus Österreich als neuer Eigentümer hervorgegangen sei. Im Rahmen dieses Verfahrens habe König die Vermögensgegenstände der Fortuna Holding gekauft. Das heimische Unternehmen wurde in eine GmbH umgewandelt und heißt nun Fortuna Maschinen GmbH. Das neue Unternehmen habe in Form eines Asset Deals, eine Unterart des Unternehmenskaufs, Vermögensgegenstände, Marke, Patente der Holding erworben und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer übernommen.

Die 1966 gegründete König Maschinen GmbH mit Sitz in Graz ist laut Mitteilung seit Jahren als weltweiter Marktführer im Bereich der automatisierten Herstellung von Kleingebäck erfolgreich. Die König Gruppe erwirtschafte ein jährliches Umsatzvolumen von 80 bis 90 Millionen Euro und unterhalte bisher vier Produktionsstandorte.

König sehe sein Engagement in Bad Staffelstein als strategischen Schritt. Die Gruppe wolle vorrangig internationale Kunden der Fortuna intensiv betreuen, bestehende Aufträge sichern und neue Aufträge generieren, so Julia Kneidinger, Marketing-Leiterin beim österreichischen Unternehmen auf Nachfrage.

„Das Know-How bei Fortuna ist enorm und wir wollen diesen einzigartigen Erfahrungsschatz für den Markt erhalten und ausbauen.“
Wolfgang Staufer, Geschäftsführer König-Gruppe

Jürgen Wittman betonte auf Nachfrage dieser Redaktion, dass König eine längerfristige Zusammenarbeit mit Fortuna anstrebe und am Standort Bad Staffelstein ausbauen möchte. „Wir verfolgen eine langfristige Sicherung des Geschäftsbetriebes von Fortuna und in weiterer Folge auch des Standortes in Bad Staffelstein“, so Kneidinger dazu. König plane „Investitionen in den Standort Bad Staffelstein“.

König Geschäftsführer Wolfgang Staufer begründet laut Pressemitteilung die Entscheidung der Österreicher mit der Feststellung, das „Know-How bei Fortuna ist enorm und wir wollen diesen einzigartigen Erfahrungsschatz für den Markt erhalten und ausbauen.“

Durch den internationalen Investorenprozess habe sich gezeigt, „dass Fortunas Produkte und deren Qualität international am Markt einen hervorragenden Ruf genießen, die es verdienen nachhaltig fortgeführt zu werden,“ sagt Dr. Ulrich Graf. Die König Maschinen GmbH sei der „ideale Partner, der die Fortuna zurück auf die Erfolgsspur bringen kann und langfristig ausbauen möchte.“Fortuna war laut Vorstand Marc Kneiphoff im vergangenen Jahr vor allem nach dem unbefriedigenden Verlauf der Iba, führende Weltmesse für Bäckerei, Konditorei und Snacks, in Schieflage geraten. Dort seien unerwartet weniger Aufträge eingegangen.

Die Maschinenbaubranche arbeite vor allem anzahlungsfinanziert. Rückläufige Aufträge wirkten sich dadurch noch mehr und noch schneller negativ auf das Unternehmen aus, so Kneiphoff.

Fortuna wurde 1887 aus der Taufe gehoben. Edmund Schröder im thüringischen Langenwetzendorf hieß der Betriebsgründer. Er konzentrierte sich darauf, in dem kleinen Handwerksbetrieb Backöfen zu entwickeln, herzustellen und schließlich an Bäckereien zu verkaufen.

2006 bereits aus Insolvenz gerettet

1900 wurde mit der Produktion von Knetmaschinen und handgeriebenen Teigteilmaschinen begonnen. 1950 siedelte die Firma nach Lichtenfels, wo es für das Unternehmen schon bald zu eng wurde. Schon 1951 erfolgte der Umzug nach Bad Staffelstein an den heutigen Standort. Der Maschinenbauer musste 2006 schon einmal einen finanziellen Engpass erlebte und hatte damals ebenfalls Insolvenz angemeldet.

Das Fortuna-Firmengebäude in Bad Staffelstein. Foto: Markus Drossel

Schlagworte