ZAPFENDORF

Zapfendorf: Sorge um Sportplatz und Schutzausrüstung

Durch die ICE-Ausbaustrecke hat der SV Zapfendorf sein Hauptspielfeld verloren. Ausgleichszahlungen aber lassen auf sich warten. Foto: Markus Drossel

Dass die Marktgemeinde in den vergangenen Monaten mit Bombenattrappen und Vandalismus für Schlagzeilen sorgte, war nur am Rande Thema in der Bürgerversammlung. Stattdessen gab es aber genügend anderen „Sprengstoff“, der zur Sprache kam. So gerät der Sportverein „dank“ der Deutschen Bahn in sportliche Bredouille und finanzielle Schieflage. Feuerwehrleute beklagen, dass ihnen wichtige Ausrüstungsgenstände fehlten. Und einem Bürger wurde sogar, nach zwei Anfragen, das weitere Rederecht entzogen.

„Der ICE fährt, aber was mit uns ist, interessiert keinen mehr“, machte Helmut Hohmann, der Vorsitzende des SV Zapfendorf, seinem Unmut Luft. Durch die Bauarbeiten der Ausbaustrecke hatte der Breitensportverein sein Hauptspielfeld eingebüßt. Die Deutsche Bahn wollte Abhilfe schaffen, doch „dann hat die Bahn die Verhandlungen abgebrochen und seither auch alle Gespräche platzen lassen“.

Der SVZ habe den bisherigen Trainingsplatz für einen sechsstelligen Euro-Betrag ertüchtigen müssen, warte aber nun auf annehmbare Angebote seitens der Bahn, so Hohmann. Darüber hinaus wird der Verein im Jahr 2020 hundert Jahre alt und will das feiern, „doch wir wissen nicht, wie es weitergeht“.

„Hoffen auf Ausgleichszahlungen“

Bürgermeister Volker Dittrich antwortete, dass die Bahn ein „sehr schwieriger Verhandlungspartner“ sei. Es gebe aber am 7. Dezember einen von der Regierung von Oberfranken angesetzten Termin, den die Bahn wahrnehmen müsse. „Wir hoffen auf entsprechende Ausgleichszahlungen“, so der Bürgermeister. Außerdem soll das Kunstrasenspielfeld, das im Rahmen der Städtebauförderung und als Teil des Sport, Freizeit- und Sozialparks entstehen soll, im Sommer, spätestens aber im Herbst angelegt werden.

„Warum werden in den Jahresbestellungen der Kommandanten seit Jahren immer wieder wichtige Schutzausrüstungsgegenstände gestrichen?“, wollte ein Feuerwehrmann wissen. Die Mienen der anwesenden Kommandanten während des Redebeitrags sprachen Bände. Bürgermeister Dittrich aber äußerte Unverständnis. Er verwies darauf, dass die Gemeinde erst 40 neue Schutzanzüge für 40 000 Euro genehmigt habe. Statistik am Rande: Im Markt Zapfendorf sind 344 der 5012 Bürger ehrenamtlich in den Feuerwehren aktiv. Das entspricht knapp sieben Prozent.

Kritik an Fußgängerunterführungen

Hiltrud Porzner thematisierte die Fußgängerunterführungen, die im Rahmen der ICE-Ausbaustrecke entstanden sind – und die nicht sonderlich gelungen seien: „Ich möchte nicht soweit gehen und von baulichen Katastrophen sprechen, aber ...“ Bürgermeister Volker Dittrich gab ihr in weiten Teilen recht. Vor allem beim Wasserablauf nach Regenschauern hapert es, zudem wölbt sich mancherorts die Asphaltdecke. Aber: „Keine der Unterführungen ist bislang baulich abgenommen.“ Die Gemeinde werde Nachbesserungen verlangen. Ein weiteres Thema betraf das Umland: Aufgrund seiner Lage in einem Talkessel ist das bayerische Silbermedaillendorf Oberleiterbach bei Starkregenereignissen akut hochwassergefährdet. Ausgerechnet der dritte Bauabschnitt der Dorferneuerung, der durch Rückhaltebecken und Renaturierung des Leiterbachs Abhilfe schaffen soll, ist aber seit vielen Monaten im Verzug. Und so wollte Roland Amon wissen, wann den endlich Baubeginn sei. Zweiter Bürgermeister Andreas Schonath als Mitglied der Teilnehmergemeinschaft sagte, dass im Frühjahr die Pläne beschlussreif sein sollten. „Dann werden wir es so zügig wie möglich umsetzen“, versprach Bürgermeister Dittrich.

Lautsprecheranlage angeregt

Da die Redebeiträge der Gemeinderäte während der Sitzungen für manchen Bürger nur schwer zu verstehen sind, regte Franz Spindler an, eine Lautsprecheranlage zu installieren. Bürgermeister Dittrich sagte, dass dies laut einem Angebot eine fünfstellige Summe kosten werde, man aber überlege, ob es nicht irgendwie günstiger gehe.

Ferner fragte Spindler an, ob die Deutsche Bahn am Haltepunkt eine öffentliche Toilette einrichten werde oder ob die Gemeinde eine Stätte für dringende Bedürfnisse plane. Dittrich verneinte und verwies auf die Kosten. Das Rathaus aber habe Toiletten, gerne auch für die Öffentlichkeit. Die Krux: Die Verwaltung ist nur am Montag auch nachmittags für die Bürger offen, sofern keine Termine abgesprochen sind.

Sorgen um das „Rathausklima“

Spindler hätte noch weitere Anfragen gehabt, doch diese ließ Bürgermeister Dittrich nicht zu. Mit Verweis auf die bayerische Gemeindeverordnung regte er eine Abstimmung in der Versammlung an, geschätzte 20 von 60 Anwesenden votierten gegen weitere Redebeiträge.

Die geplanten Anfragen liegen dieser Redaktion vor. So wollte Spindler beispielsweise wissen, warum die Gemeinde kaum Vergünstigungen im Rahmen der bayerischen Ehrenamtskarte gewährt und warum nicht jeder Ehrenamtliche eine Ehrenamtskarte erhalte. Außerdem, wie es mit Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden aussehe, die Geld in die Kasse spülen könnten. Und was die Ergebnisse der Untersuchung aufgrund der Kadmiumbelastung der Kläranlage sind. Oder auch, warum der Gemeinderat eine Elektro-Tankstelle in Zapfendorf abgelehnt, aber doch ein E-Auto angeschafft habe.

Darüber hinaus hätte Spindler eigentlich wissen wollen, warum in Rathaus und Bauhof einige Mitarbeiter gekündigt beziehungsweise ihre Führungsposition aufgegeben hätten. Diese Anfrage kam dann von einem anderen Bürger. Die Antwort des Bürgermeisters: Um das Betriebsklima müsse man sich keine Sorgen machen. Es gebe viele gute Leute in Diensten des Marktes Zapfendorf.

Vom Bürgermeister berichtet

• Der Markt Zapfendorf arbeitet in Sachen Vandalismus eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen. Bürgermeister Volker Dittrich geht davon aus, bald einen Fahndungserfolg vermelden zu können.

• Die Verhandlungen zum Kauf des Anwesens Hauptstraße 26 in Zapfendorf sind auf der Zielgerade. Der Markt möchte hier ein Gesundheits- und Sozialzentrum und womöglich auch ein Bürgerhaus errichten.

• Der so genannte B-Bau der Grund- und Mittelschule wird saniert. Hier sollen künftig der Hort und die Offene Ganztagesschule unter einem Dach vereint sein.

• Die Teilsanierung der Schulturnhallen ist weit fortgeschritten (1,4 Millionen Euro).

• Bereits 2019 soll Baubeginn für die Erweiterung des Kindergartens „Sankt Christophorus“ sein. Der Kiga „Sankt Franziskus“ wird ab Anfang 2020 erweitert.

• Knapp 113 000 Personen besuchten im Rekordsommer 2018 das Freibad Aquarena. Diese erhöhte Gästezahl reicht aber nicht, um das Defizit zu decken.

• Die Pro-Kopf-Verschuldung sinkt zum Jahresende auf 481 Euro. Ende 2017 waren es noch 542 Euro. Der Haushalt 2018 ist mit geplanten 17,9 Millionen Euro auf Rekordniveau.

Bei der Bürgerversammlung gab es harsche Kritik an der Ausrüstung der Feuerwehren im Markt Zapfendorf. Bürgermeister Volker Dittrich weist diese von sich. Foto: Markus Drossel
Zapfendorf: Sorge um Sportplatz und Schutzausrüstung
Soll durch ein Gesundheits- und Sozialzentrum ersetzt werden: der ehemalige Gasthof Hofmann in der Hauptstraße in Zapfendorf. Foto: Markus Drossel
Zapfendorf: Sorge um Sportplatz und Schutzausrüstung
Auch das Gebäude Hauptstraße 27 soll weichen, zugunsten einer Verbindung zum geplanten Sport-, Freizeit- und Sozialpark. Foto: Markus Drossel