KALTENBRUNN

Bürgerversammlung Itzgrund: Schleifenhaner Schüler müssen laufen

Anja Kreuz und Martina Och überreichen Erstem Bürgermeister Werner Thomas einen Antrag auf kostenlose Schulwegbeförderung für ihre beiden Töchter. Sie wohnen im Weiler Schleifenhan in der Gemeinde Itzgrund. Da hält bislang kein Schulbus. Foto: Martin Koch

Zwei Grenzfälle in Sachen Schulwegkostenfreiheit beschäftigten am Mittwoch die Bürgerversammlung der Gemeinde Itzgrund in der Itzgrundhalle in Kaltenbrunn. Zwei Schüler aus Schleifenhan besuchen weiterführende Schulen in Ebern. Der kleine Weiler liegt zwar direkt an der Bundesstraße 4, aber eben dort hält für sie kein geeigneter Schulbus. Sie müssen irgendwie nach Gleußen kommen, entweder mit Elterntaxi oder zu Fuß. Das kann gerade im Winterhalbjahr sehr unbequem sein. Und das „Elterntaxi“ kann ja auch nicht dauernd Bereitschaftsdienst haben. Dass sie dann einfach nach Coburg in die Schule gehen, klappt auch nicht. Dieser Schulbus nach Coburg beginnt seine Fahrt in Rossach. Das kann auch keine vernünftige Alternative sein.

Der tägliche Umweg zur Schule

Die beiden Mädchen fahren derzeit früh am Morgen mit dem Schulbus der Gemeinde Itzgrund nach Gleußen, um dort in den Schulbus nach Ebern umzusteigen. Das ist eher eine Gefälligkeit der Gemeinde Itzgrund als Träger der Oskar-Schramm-Schule in Bodelstadt. Das Landratsamt hält aber in einem Schreiben an die beiden Eltern vom 7. August dieses Jahres den Fußweg nach Gleußen trotz aller Widrigkeiten für zumutbar. „Deshalb wurde nur eine Fahrkarte von Gleußen nach Ebern und zurück erteilt“, heißt es in dem „Antrag auf kostenfreie Schulwegbeförderung von Schleifenhan bis Gleußen“.

Eine Mitfahrt mit dem DB Frankenbus gibt es derzeit auch nicht. Die optisch vorhandene Haltestelle wird seit 2016 nicht mehr angefahren. „Der Weg führt durch unbebautes, unbewohntes und unbeleuchtetes Gelände, am Waldrand und am Parkplatz vorbei“, beschreiben die betroffenen Eltern den nach Ansicht des Landratsamtes zumutbaren Fußweg nach Gleußen. Sie fordern, dass die Schulbuslinie nach Ebern regulär in die über Schleifenhan laufen müsse.

Gemeinde nicht zuständig

Bürgermeister Thomas hat durchaus Verständnis für die Sorgen und Wünsche der betroffenen Eltern. Die Gemeinde sei aber nicht zuständig. „Wir unterstützen das sicher gern“, versicherte Thomas. Das war‘s dann aber auch schon. Da der Chefposten im Coburger Landratsamt derzeit vakant ist, hilft ein Schreiben an den Landrat im Moment leider auch nicht viel. Der Fußweg nach Gleußen beträgt 2,8 Kilometer, nach Rossach sind es 2,2 Kilometer.

Die im Umbau befindliche Itzgrundhalle beschäftigte auch die Versammlung. Immerhin funktionierte am Mittwoch schon einmal die Heizung. Aber die Bürger im gut besetzten Versammlungsraum der Feuerwehr in eben dieser Itzgrundhalle haben in Sachen Dorferneuerung den subjektiven Eindruck, als gehe nichts voran. Das ist aber nicht die Schuld der Gemeinde.

Die Auftragsbücher der Baubranche seien ziemlich voll, entsprechend seien auch die geforderten Preise recht hoch. Da könnte es durchaus sinnvoll sein, ein wenig abzuwarten, wenn die Preise wieder am Sinken seien. Bei der Itzgrundhalle gehe es um die energetische Sanierung die Herstellung von weitgehender Barrierefreiheit. Die fächerförmig angeordneten Sheddächer („Sägezahndächer“) sollen durch ein Pultdach, das ist kein Flachdach, sondern ein geneigtes Dach ersetzt werden. Ein zweiter Fluchtweg wird gebraucht.

Problem mit Pferdeäpfeln

Ein anderes Thema hatte die Gemeinde Itzgrund schon im Jahr 1996 bewegt: die Ausscheidungen von Pferden. Die Gemeinde hatte damals die Idee, eine Pferdesteuer, ähnlich die die Hundesteuer, zu erheben. Stefan Ebert beklagte konkret die Verschmutzung der Kloster-Banz-Straße in Gleußen. „Nenne mir Ross und Reiter“, sagte Bürgermeister Thomas. Dann könne die Gemeinde gegen den Verschmutzer vorgehen. Ein ortsansässiger Pferdehalter war weniger das Ziel des Unmuts der Gleußener. Aber es gebe halt auch ortsfremde Reiter, deren Identität nicht unbedingt gleich festgestellt werden könnte. Unzufrieden sind auch die Merkendorfer. Sie beklagten einige Mängel der Kernwege im Umfeld von Lohhof und Merkendorf. Die Endabnahme steht noch bevor. Bürgermeister Thomas will dann auf die Mängel aufmerksam machen.

Beim Internet hakt es

Beim Anschluss an das Breitbandnetz und das Internet sind die Merkendorfer auch nicht zufrieden. „Wir brauchen das Internet nicht zum Fernsehen, sondern zum Arbeiten“, sagte ein Landwirt. Er wies auch auf die Vorleistungen hin. „Die Merkendorfer haben die Leerrohre schon selber bezahlt!“

Dass im Zusammenhang mit der Breitbanderschließung ja auch die Wasserversorgung verbessert werden solle, interessiert die Merkendorfer, die ja zum Teil Selbstversorger beim Trinkwasser sind, nicht so sehr. Bürgermeister Thomas wies auf den Synergieeffekt bei der Verwirklichung der beiden Infrastrukturprojekte hin.

Aus dem Bericht des Bürgermeisters

• Die Gemeinde Itzgrund registrierte im Jahr 2017 21 Geburten. „Das ist erfreulich“, sagte Bürgermeister Werner Thomas bei der Bürgerversammlung. 2009 habe es mit nur neun Geburten einen Tiefpunkt gegeben. „Wir haben nach wie vor einen Zuzug junger Familien“, so Thomas weiter.

• Größter der offiziell sechs Gemeindeteile ist Gleußen. Der kleinste Gemeindeteil ist Welsberg, das sich aber stabil halte. Die Gemeinde Itzgrund hatte zum Jahresende 2017 2253 Einwohner, ein Jahr zuvor waren es 2264 Männer und Frauen. Die Gemeinde Itzgrund finanziere sich zum großen Teil durch ihren Anteil an der Einkommensteuer, rund 1,25 Millionen Euro. Am unteren Ende der Skala steht die Hundesteuer mit rund 7000 Euro.

• Zum Windpark Bürgerwald Welsberg sagte der Bürgermeister: „Das läuft besser, als vorher prognostiziert!“ Die Inbetriebnahme war im Juli 2017.

• Seinen Betrieb hat im Herbst auch der Itzgrundmarkt als Nahversorger aufgenommen. Eine offizielle Feier gebe es demnächst.

• Leerstände vermeiden und Baulücken füllen will die Gemeinde Itzgrund weiterhin mit ihrem Flächenmanagement.

• Der Bürgermeister erwähnte in seinem Bericht auch das kulturelle Wirken der Gemeinde. So sei die Spinnerei, eine Sandsteinplastik, saniert worden.

Viele Itzgrunder hadern mit der Qualität des Straßenbaus bei den Kernwegen zwischen Lohhof und Merkendorf. Na ja, wenigstens das Hinweisschild auf den Radweg haben Dritter Bürgermeister Horst Porzelt und Gemeinderat Matthias Schorn wieder aufgestellt .... aber in Eigenleistung. Foto: Martin Koch