BAD STAFFELSTEIN

Kabarettistin Helga Siebert liest Wilhelm Busch in Bad Staffelstein

Die Hamburger Kabarettistin Helga Siebert hatte sich diesmal dem umfangreichen Werk des bekannten Schriftstellers, Satirikers und Humoristen Wilhelm Busch gewidmet. Foto: Gerda Völk

Aus den gesammelten Werken des bekannten Schriftstellers, Satirikers und Humoristen Wilhelm Busch hat die Hamburger Kabarettistin Helga Siebert so manches Kleinod zutage gefördert. Unter dem Busch-Motto „Was beliebt ist auch erlaubt“ präsentierte sie am Donnerstag im Stadtcafé in Bad Staffelstein ihr neuestes Literaturprogramm.

Mit ungefähr 20 Gästen war der Besuch der Veranstaltung relativ überschaubar. Dennoch waren einige Anwesende da, die Siebert offenbar noch nicht kannten. Für die Neuen stellte sich Helga Siebert als stiergeborene Niedersächsin mit Zweitwohnsitz in Bad Staffelstein vor. Weitere Details wie Schuhgroße (38), Kleidergröße (na, ja, auch 38), Haarfarbe (nordisch-lichtaschblond, steht jedenfalls auf der Verpackung) folgten. „Ich esse gerne Apfel und trinke gerne Rotwein“, erklärte Siebert. Damit war auch der Werbeblock abgehackt.

Entspannend und krampflösend

Wilhelm Busch habe mit Akribie und Herzblut seine Gedichte und Geschichten geschrieben. Er wurde am 15. April 1832 in Wiedensahl als erstes von sieben Kindern in einem strohgedeckten Fachwerkhaus geboren. Busch studierte zuerst Maschinenbau am Polytechnikum in Hannover, dann an den Kunstschulen in Düsseldorf, Antwerpen und München. Er war Mitarbeiter der „Fliegenden Blätter“ und des „Münchner Bilderbogen“ und wurde durch seine Bildergeschichten weltberühmt.

Dass der Humor von Wilhelm Busch etwas Entspannendes und Krampflösendes hat, erkannte schon Sigmund Freund, der Begründer der Psychoanalyse. Überhaupt lacht der Durchschnittsdeutsche nur etwa fünf bis sechs Minuten am Tag. Gesund wären aber 19 bis 24 Minuten. „In der Woche?“, wurde Siebert nach einer Vorstellung von einer Besucherin gefragt. Helga Siebert las die Texte nicht einfach vor, sondern gestaltete sie mit viel schauspielerischem Talent und oft auch mit körperlichem und stimmlichem Einsatz. Wie hatte es doch Wilhelm Busch schon 1868 auf den Punkt gebracht: „Sehr erheitert uns die Prise, vorausgesetzt, dass man auch niese!“

Verblüffend zeitlos

Mit viel Herzblut und Akribie kam auch das „Klagelied eines Junggesellen“ zu Gehör. Beinahe überkam einen Mitleid mit dem Junggesellen, der nicht so recht weiß, was ihm fehlt, den schon wieder zwei Knöpfe an seiner Hose abgegangen sind, der um Mitternacht zähneklappernd ins einsame Bett steigt. „So fühl ich recht, dass mir was fehlt, was ich wohl möcht.“ Mit diesen Satz endet das Gedicht.

Leiblichen Genüssen nicht abgeneigt

Mit Liebesgedichten scheint sich der Großmeister des Humors allerdings etwas hart getan zu haben. Vielleicht, weil Wilhelm Busch nicht verheiratet war? Seine Texte und Gedichte sind verblüffend zeitlos. Wilhelm Busch gilt als Urvater des modernen Comics. Seinen ersten zeichnete er Ende der 1850er Jahre, „Max und Moritz“ entstand 1865. „Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen! Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Max und Moritz hießen“, damit fangen die Streiche der beiden Lausbuben an, die Helga Siebert mit großen Einsatz zum Vortrag brachte. Manch einer rezitierte sie leise und gedanklich mit. Wilhelm Busch hätte seine Freude gehabt.

Er war auch den leiblichen Genüssen nicht abgeneigt, wie Siebert anhand einiger Gedichte wie „Pfannkuchen und Salat“ zum Vortrag brachte. Vor ihr auf dem Stehtisch standen das obligatorische Glas Wein und jede Menge Bücher, aus denen die Kabarettistin rezitierte. Der Einfachheit halber hatte sie die Stellen mit bunten Fähnchen markiert. „Eduards Traum“, in kleiner Auflage 1891 erschienen, zählt heute zum fast vergessenen Spätwerk des Humoristen. Wilhelm Busch stirbt am 9. Januar 1908 und wird auf dem Friedhof in Mechtshausen beigesetzt. In seinem umfangreichen Werk lebt der Künstler bis heute weiter.

Schlagworte