EBENSFELD

Kinderbürgerversammlung: Pro Wasserspender und gegen Raser

Wenngleich sich die Kinder weitgehend schüchtern zurückhielten, gab es an der einen oder anderen Stelle schon ein wenig Diskussion in der Runde. Foto: Mario Deller

Die Politik des Marktes Ebensfeld ist, so die Devise des Rathauschefs, orientiert an den Bedürfnisse aller, die hier wohnen und leben – also auch solche, die noch kein Stimmrecht haben, aber ein Recht, gehört zu werden. Gleichsam freilich auch ein Stückweit demonstrativ wurde nun deshalb im Rathaus wie in den Jahren zuvor eine Kinder- und Jugendbürgerversammlung abgehalten.

Natürlich hätte sich Bürgermeister Bernhard Storath gewünscht, dass Unmengen von Kindern die seltene Möglichkeit nutzen, ihre Meinung zu unterschiedlichsten Themen kund zu tun und zu erzählen, was ihnen so auf den Nägeln brennt. Es blieb leider Wunschdenken, denn größtenteils waren lediglich Jungen und Mädchen gekommen, die bei der Kinderrätselecke im Mitteilungsblatt sowie beim Sommerferienprogramm-Gewinnspiel ihre Preise freudig aus den Händen des Bürgermeisters in Empfang nahmen (einzelne Gewinner siehe unten).

„Gibt es etwas, das Ihr schon immer einmal loswerden wolltet – was euch hier im Markt Ebensfeld vielleicht noch so gefällt?“, fragte der Bürgermeister in die Runde, nachdem die Kinder Platz genommen hatten, die sonst den Gemeinderäten vorbehalten sind. Schüchterne Zurückhaltung war die „Antwort“ , nur sehr vereinzelt traute sich der eine oder andere, das Wort zu ergreifen, beispielsweise der sechsjährige Valentin Gast aus Kutzenberg. „Es wird bei uns zu schnell gefahren“, klagte er an. Es kam sodann zur Sprache, dass an der Straße zwischen Ebensfeld und dem Bezirksklinikum manch rasender Autofahrer bei dort wohnhaften Familien ein sehr ungutes Gefühl hinterlässt.

Seitens der Eltern, die auf den Zuhörerplätzen saßen, wurde der Vorschlag eingebracht, den Bereich der eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Stundenkilometer vorsieht, doch auszuweiten. Im übrigen gebe es dort einen Fußgängerstreifen, hieß es weiter. Bürgermeister Storath hatte Verständnis für den Unmut, appellierte an die Autofahrer, Rücksichtnahme walten zu lassen und kündigte an, dass man einen Ortstermin anberaumen werde, um sich ein Bild vor Ort zu machen.

Mit Live-Schaltung

Dass sich bei der Kinder- und Jugendbürgerversammlung im Rathaus keine lebhaften Diskussionen entspannen, war nun einmal Fakt. Vielleicht liege dies auch daran, dass sich die Kinder hier in der Marktgemeinde insgesamt wohl fühlten, sah Storath darin auch etwas Positives. Er gab in seiner Rolle als „Moderator“ sein Bestes. Im weiteren Verlauf ging es beispielsweise um die Wasserqualität an der Pater-Lunkenbein-Schule. „Du bist live zugeschaltet bei der Kinder- und Jugendbürgerversammlung“, erklärte der Bürgermeister dem gemeindlichen Wasserwart Stefan Reutter, den er kurzerhand hierzu anrief. Dieser erklärte, das Telefon wurde bewusst „auf laut“ gestellt, dass das Wasser an der Schule, welches aus dem Netz der Fernwasserversorgung Oberfranken fließe, seiner Ansicht nach in Ordnung sei.

Darüber, dass das Wasser aber nicht besonders gut schmeckt, wie die Kinder monierten, darf keinesfalls der Mantel des Schweigens gedeckt werden, stimmte der Bürgermeister zu – und brachte vor diesem Hintergrund eine Idee ins Spiel. „Kinder, was haltet ihr davon, dass wir in der Schule einen Wasserspender aufstellen?“ Zwei ältere Mädchen kannten dies bereits von der Realschule, fanden den Vorschlag gut. Storath gab den Kindern das Gefühl, dass ihre Anregungen ernst genommen werden: „Gut, dann stimmen wir jetzt ab – wer ist für die Aufstellung eines Wasserspenders? Bitte Handzeichen geben!“ Kaum verwunderlich, dass das Votum überdeutlich „Ja“ signalisierte.

Nur, wer sich weiterentwickelt, bleibt nicht stehen. Dieser Devise folgend kündigte Storath an, dass es auch im kommenden Jahr wieder eine Kinder- und Jugendbürgerversammlung geben werde – allerdings in ganz anderer Machart als bisher. Es ist angedacht, mit Kindern das Gemeindegebiet zu befahren und so mit ihnen ins Gespräch zu kommen, erklärte er.

Laut dem Kinder- und Jugendbeauftragten der Kommune, Anton Schatz, plant die Marktgemeinde für Anfang oder Mitte November dieses Jahres einen Malwettbewerb unter dem Motto „Der Markt Ebensfeld im Herbst“. „Habt ihr dazu Lust“, fragte er bei den Kindern nach, worauf einige gleich begeistert „Ja“ riefen. Genauer Zeitpunkt und sonstige Details werden noch bekannt gegeben. Die Kinder seien herzlich eingeladen, sich hier künstlerisch-kreativ zu betätigen, so Schatz. „Vielleicht hat der eine oder andere ja schon jetzt Lust, sich Gedanken zu machen, wie sein Werk aussehen könnte“.

Die Gewinner

Preisträger Gewinnspiel Kinderrätselecke: Valentin Gast aus Kutzenberg (15-Euro-Gutschein), Lina Link und Jakob Wunner aus Ebensfeld (jeweils 10-Euro-Gutschein). Einen praktischen Turnbeutel gewannen Hannes Lieb, Magdalena Schober (beide Ebensfeld), Philipp Voll, Jule Hümmer (beide Oberküps), Anna Weyer, Linda Lang (beide Unterbrunn) sowie Tim Wieder aus Freiberg.

Preisträger Gewinnspiel Sommerferienprogramm: 15-Euro-Gutschein für Lina Diller aus Unterneuses, 10-Euro-Gutschein für Amelie Wittmann aus Ebensfeld sowie ein Turnbeutel für Lena Hammel aus Kleukheim.

Viele Kinder waren gekommen, um im Beisein von Bürgermeister Bernhard Storath und dem Kinder- und Jugendbeauftragten der Gemeinde, Anton Schatz, die Gutscheine oder praktische Turnbeutel in Empfang zu nehmen, die sie bei der Kinderrätselecke oder bei einer Aktion des Sommerferienprogramms gewonnen hatten. Foto: Mario Deller