KUTZENBERG

Rheuma: Auch andere Organe können geschädigt werden

Dr. med. Kora Hahn, Chefärztin der Klinik für Internistische Rheumatologie am Bezirksklinikum Obermain. Foto: Hagen Lehmann

Der jährliche Welt-Rheuma-Tag, der von der Deutschen Rheuma-Liga am 12. Oktober unter dem Motto „Rheuma kommt selten allein“ veranstaltet wird, hat vor allem einen Sinn: „Es ist wichtig, dass die Krankheit ins Bewusstsein der Menschen rückt“, so Dr. med. Kora Hahn, Chefärztin der Klinik für Internistische Rheumatologie am Bezirksklinikum Obermain.

In Deutschland sind nach Schätzungen des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen 500 000 Menschen von rheumatoider Arthritis, der häufigsten rheumatischen Erkrankung, betroffen. Frauen häufiger als Männer. Dr. Kora Hahn: „Die Tendenz ist sogar zunehmend, weil wir immer älter werden.“ Glücklicherweise gibt es heute eine ganze Reihe hochwirksamer Medikamente, die – gezielt und möglichst früh eingesetzt – den Krankheitsverlauf verlangsamen oder sogar stoppen können.

Derzeit nicht heilbar

„Nach derzeitigem Stand der Medizin ist die rheumatoide Arthritis nicht heilbar, auch wenn sehr viel in diese Richtung geforscht wird. Doch wir wissen immer noch nicht, wo die Ursache für die Erkrankung liegt“, so Frau Dr. Hahn. Vermutlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass ein teilweise fehlgesteuertes Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Der Körper muss durch Medikamente quasi vor sich selbst geschützt werden, um zu verhindern, dass die Fehlsteuerung eine Immunkaskade auslöst, die zu schmerzhaft geschwollenen Gelenken und Deformierungen und letztendlich zu deren Zerstörung führt.

Meist erst im späteren Stadium der Erkrankung können die Entzündungsprozesse auch auf Herz, Lunge, Leber, Nieren, den Magen-Darm-Trakt und die Haut übergreifen. Umso wichtiger ist es, dass erkrankte Patienten möglichst schnell zu einem Facharzt kommen. Doch immer noch dauert es durchschnittlich 14 Monate, die zwischen dem ersten Besuch beim Hausarzt und der Vorstellung beim Rheumatologen vergehen.

Aber es gibt auch gute Nachrichten für alle Rheuma-Patienten: bis Mitte nächsten Jahres entfallen möglicherweise die Zulassungsbeschränkungen bei der Neuzulassung von Rheumatologen (ebenso wie bei Psychiatern und Kinderärzten), so dass sich dadurch die Wartezeiten auf einen Termin beim Rheumatologen hoffentlich verkürzen.

Die Ursachen sind klar

Bei aller Unklarheit über die Ursache von Rheuma steht zweifelsfrei fest, welche Lebensumstände eine rheumatische Erkrankung begünstigen: „Permanenter Stress und Rauchen wirken entzündungsfördernd. Einschneidende gesundheitliche Erlebnisse, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung oder eine Operation können den autoimmunologischen Prozess in Gang setzen“, so Dr. Hahn. Eine gesunde, ausgeglichene Lebensführung kann womöglich den Ausbruch der Krankheit nicht verhindern, den Verlauf aber abmildern.