BAD STAFFELSTEIN/EBENSFELD

Anton Hofreiter: „Nord-Ost-Spange eine skurrile Planung“

„Eine der skurrilsten Planungen, die ich je gesehen habe“: Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag (li.), machte sich vor Ort ein Bild von der geplanten Nord-Ost-Spange bei Bad Staffelstein. Foto: Markus Drossel

„Wer Verkehrsprojekte von Seiten der Mobilitätsprobleme, der Lärmbelastung und der Umweltbelastung betrachtet, der kommt zu einem anderen Ergebnis“: Bei seinem sehr spontanen Besuch im Landkreis Lichtenfels hat Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, am Einheitstag den Vorhaben Nord-Ost-Spange in Bad Staffelstein, Kellbachgrundanbindung im Markt Ebensfeld und der Umgehung von Wunkendorf und Modschiedel eine klare Absage erteilt. Die geplante Umfahrung der Adam-Riese-Stadt nannte der Verkehrsexperte sogar „eine der skurrilsten Planungen, die ich je gesehen habe“.

Anton Reinhardt, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutzes, sowie die Stadträte Werner Freitag und Klaus Schnapp (Staffelsteiner Bürger für Umwelt und Naturschutz/SBUN) informierten den Politiker an Ort und Stelle über das Ansinnen Nord-Ost-Spange. Für 3,7 Millionen Euro soll eine Umgehung zwischen Lärmschutzwand der Autobahn 73 und dem Baugebiet Kommbühl entstehen und am Stadtrand auf den „Rommel-Kreisel“ aufschließen. Und das im Naherholungsgebiet, direkt am Fußweg zum Staffelberg.

Haus- und Hofplaner der Regierung

Den Gutachter Prof. Harald Kurzak, der die Notwendigkeit untersuchte, nannte Hofreiter „einen Haus- und Hofplaner der Staatsregierung, der grundsätzlich das schreibt, was die Straßenbehörden wollen“. Käme die Spange, werde die bisherige Lärmschutzwand zur Lärmwand, denn sie werfe aufgrund der Spiegelwirkung die Geräusche der Autos auf der Umgehung direkt in Richtung Wohngebiet.

In keinem Verhältnis

Mit zwei Autobahnabfahrten habe Bad Staffelstein bereits eine Umgehung. Das Argument, vor allem ältere Bürger würden sich nicht auf die A 73 trauen und würden deshalb durch die Stadt fahren, ließen weder Schnapp noch Hofreiter gelten: „Dann sollten wir, analog zu Bamberg, den Beschleunigungsstreifen bis zur nächsten Anschlussstelle verlängern, so dass diese Bürger nicht auf die Autobahn fahren müssen“, forderte Stadtrat Schnapp. Die erhoffte Verkehrsentlastung durch die Nord-Ost-Spange werde maximal 20 Prozent betragen, betonte seinerseits Anton Reinhardt. Was, trotz aller Zuschüsse, in keinem Verhältnis zu Kosten und Belastung für Mensch und Umwelt stehe.

Im Markt Ebensfeld informierte sich der Politiker über die Kellbachgrundanbindung, im Rahmen derer für geschätzte 4,4 Millionen Euro eine Autobahnanbindung durch die landschaftlich reizvollen Kellbachauen entstehen soll. Rechtlich seien hier alle Mittel ausgeschöpft, so BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt. „Das ist eine reine Luxusanbindung mit einem gigantischen Flächenverbrauch“, urteilte er. Die vom BN erarbeitete Alternative mit geringerem Flächenfraß sei abgelehnt worden. „Unsere Hoffnung ruht nun auf einer Regierung, in der die Grünen mitregieren, um solchen Unsinn zu verhindern.“

Eine Alternative zum Auto bieten

Ferner brachten die Altenkunstadter Gemeinderätin Stephanie Dittrich und Anton Reinhardt dem Bundesfraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen auch die geplante Umgehung von Weismain, Wunkendorf und Modschiedel näher. Da diese für ein heimisches Logistikunternehmen kürzere Wege zur Autobahn mit sich bringe, werde der Verkehr im Bereich der Juradörfer massiv zunehmen. „Und in Weismain geht diese Straße mitten durch das Brunnengebiet der Brauerei“, schilderte Dittrich. Anton Hofreiter positionierte sich gegen Verkehrsprojekte, bei denen das Prestige der Planer wichtiger ist als der Betroffene vor Ort.

„Das ist eine reine Luxusanbindung mit einem gigantischen Flächenverbrauch.“
Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender

Statt ungehemmt weitere Flächen für Straßen zu versiegeln, gelte es, Bus- und Bahnanbindungen zu ertüchtigen, um den Menschen auf dem Land eine Alternative zum Auto zu bieten, auf das sie oftmals schlicht angewiesen seien.