UNTERBRUNN

Main Info Tag: Viel mehr als ein Flusswasserkörper

Am rege frequentierten Stand der Umweltstation nahe der Wasserlinie der Mainschleife halfen Kerstin Schmidt und Christian Luplow den Besuchern, die kleinsten Bewohner des Mains leibhaftig in Augenschein zu nehmen.ANTON REINHARDT Foto: Fotos:

Das Interesse der Bevölkerung an dem, was da im Bereich der Mainschleife kreucht und fleucht, war sehr groß. Und so kamen geschätzte 200 Bürger zum Main-Info-Tag in Unterbrunn.

In seinen Begrüßungsworten hob Anton Reinhardt, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (BN), hervor, dass der Main mit seinen 527 Kilometern das größte Fließgewässer Frankens sei. Mit Blick auf eine großflächig ausgelegte, begehbare Landkarte Bayerns meinte er: „Der Main ist mehr als ein Flusswasserkörper erster Ordnung, wie er von den Wasserfachleuten technisch eingestuft wird. Mit seinen vielen Nebenflüssen, Bächen und Gräben bildet er die Lebensgrundlage für ein riesiges Biotopverbundsystem; allerdings unter der Voraussetzung, dass wir Menschen achtsam mit dieser Lebensader umgehen.“ Diese näher kennen, schätzen und schützen zu lernen, sei der Anlass für den BN gewesen, den Main Info Tag gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz, dem „Flussparadies Franken“, der Umweltstation Weismain und den „Blumen- und Gartenfreunden Unterbrunn“ zu veranstalten.

Auf dem „Maingezwitscherpfad“ machte Anette Hohl mit ihrem Team den Kindern und Jugendlichen die Natur im Umfeld des Flusses an fünf Stationen erlebbar: die Veränderungen des Flusslaufes in den letzten 150 Jahren, das Erfühlen dreier Gesteine unterschiedlicher Rauheit, das Zuordnen der Lieblingsplätze von Vögeln in Flussnähe und schließlich die Lebensräume ortstypischer Fischarten.

Während der nächsten Führung erkundete man unter der Leitung von Ludwig Wendler, dem BN-Ortsgruppenvorsitzenden von Ebensfeld, die Flusslandschaft entlang der 1,8 Kilometer langen Mainschleife. Etliche Altwasserreste, Auwäldchen und Bodenvertiefungen entlang des Obermains zeugen noch heute von einer Flussdynamik, die lange vor der Mainflößerei intakt gewesen sein müsse.

Gesicht der Landschaft verändert

Über Jahrhunderte haben Main und Rodach vom Fichtelgebirge und Frankenwald riesige Kiesmengen in das Obermaintal verfrachtet und so abbauwürdige Lagerstätten geschaffen. Viele Baggerseen, die durch den intensiven Kiesabbau seit 1950 entstanden, haben dazu beigetragen, das Gesicht der Landschaft einschneidend zu verändern.

Der Exkursionsleiter erklärte ausführlich die Ziele der Laufverlängerung des Maines. Durch die Zunahme der Häufigkeit und Intensität der Hochwasser sei man mittlerweile für den vorbeugenden Hochwasserschutz sensibilisiert worden. Man habe erkannt, dass ein mäandrierender Fluss auf natürliche Weise die Fließgeschwindigkeit verlangsame. Der Fluss habe so die Möglichkeit, sich in der Fläche stärker auszubreiten. Dadurch werden wiederum große Wassermengen, die im Unterlauf des Mains fatale Folgen hätten, eher zurückgehalten und könnten wesentlich langsamer abfließen.

Bei der dritten Exkursion erklärten Gerhard Hübner und Rebekka Mayer vom Landschaftspflegeverband die Besonderheiten der elf Hektar großen Weidefläche der Maininsel, die im Zuge der Renaturierungsmaßnahmen entstanden ist. Nachdem es mit der Rinderbeweidung nicht zufriedenstellend klappte, versuche man nun Offenlandflächen mit einer kleinen Ziegenherde freizuhalten.

Ziegen büxen nicht oft aus

Ziegen seien unproblematischer und büxten nicht so leicht aus, wie es Rinder in der Vergangenheit bei Niedrigwasser des Mains ab und zu taten. Schließlich wolle man ja die hohe Artenvielfalt des Areals auf Dauer durch natürliche Landschaftspflege erhalten. Zielarten des Projekts, die Offenland benötigen, seien beispielsweise Eidechsen, Blauflügelige Ödlandschrecke und Blauflügelige Sandschrecke.

Speziell für die vogelkundigen Besucher traf man sich bei der vierten Exkursion auf dem Aussichtsturm, nahe des Zusammenflusses von Mainschleife und Altmain, wo man mit Ferngläsern und von den Experten Michael Bäumler und Ulrich Völker genau eingestellten Spektoskopen Nilgänse, Rostgänse und Silberreiher aus größerer Distanz ungestört am Ufer des Biotopsees beobachten konnte. Das Highlight war ein über der Mainschleife hoch in den Lüften kreisender Fischadler. Anschließend inspizierte man die herrliche Schwarzpappel ein paar hundert Meter weiter flussabwärts. Michael Bäumler informierte die Besucher über den stattlichen Umfang von 6,40 Metern: „Die Baumart ist relativ selten, dieses Exemplar ist das größte seiner Art im gesamten Landkreis.“

Infostand und Basteln

Derweil konnten sich die übrigen Besucher an den Info-Ständen eingehend informieren oder selbst aktiv werden. LBV-Kreisvorsitzende Marion Damm und Reinhold Bräutigam zeigten unter anderem schöne Exponate von Vögeln, deren Arten hier in der Mainschleife vorkommen. Die Geschäftsführerin des Flussparadies Franken, Dr. Anne Schmitt, betreute einen Kreativstand, wo die Kinder Materialien aus dem Fluss, wie etwa Steine und Muschelschalen, fantasievoll bemalen konnten. Am BN-Stand präsentierten Ute Hauptfleisch und Renate Nüsslein sehr stark vergrößerte Tierexponate aus Spezialgießharz.

Am ebenso rege frequentierten Stand der Umweltstation halfen Kerstin Schmidt und Christian Luplow den Besuchern, die kleinsten Bewohner des Mains leibhaftig in Augenschein zu nehmen. Mit Binokularen konnten die Naturinteressierten im Wasser lebende Kleinstlebewesen bestaunen, die kurz vorher direkt aus dem Fluss gekeschert wurden.

Die Blumen- und Gartenfreunde bewirteten die Gäste. BN-Kreisvorsitzender Reinhardt bedankte sich abschließend bei allen Helfern.

Die Geschäftsführerin des Flussparadies Franken, Dr. Anne Schmitt (re.), betreute einen Kreativstand, an dem die Kinder ...
Mit Ferngläsern und von den Vogel-Experten Michael Bäumler und Ulrich Völker genau eingestellten Spektoskopen konnten Ni...

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