EBENSFELD

Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze: Lob für „Grüne Hausnummer“

Die Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen, Katharina Schulze (2. v. li.), besuchte die Baufirma Raab. Mit im Bild (v. li.) sind Edith Memmel, Giesela Raab, Mathias Söllner und Wolfgang Schubert-Raab. Foto: Gerda Völk

Die Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen für die Landtagswahl, Katharina Schulze, machte am Mittwoch Station in Ebensfeld. Mit ihrer Sommertour 2018 durch Oberfranken möchte sie zeigen, dass es auch Politik gibt, die Mut machen kann und nicht Angst verbreitet. „Deshalb besuche ich auch Firmen, die nicht nur klagen, sondern auch Mut geben“, betont Katharina Schulze.

Besuch bei der Firma Raab

In Ebensfeld ist es die Baufirma Raab, die auf dem Besuchsprogramm der 33-Jährigen steht. Es geht ihr im weitesten Sinn um umweltverträgliches und nachhaltiges Bauen sowie den Fachkräftemangel. Neben weiteren Mitgliedern der Lichtenfelser Grünen waren Edith Memmel, Grüne-Direktkandidatin für die Landtagswahl, und Bezirkstagskandidat Mathias Söllner.

Die beiden Geschäftsführer der Baufirma, Gisela Raab und Wolfgang Schubert-Raab, erinnern sich noch gut an die Anfänge ihrs ökologischen Engagements. Es habe jede Menge Kritik und Häme gegeben. Man prophezeite ihnen, dass sie noch sehen werden, wie weit sie mit ihren grünen Ideen kämen. Nichts davon sei eingetroffen, im Gegenteil. „Es ist toll zu sehen, dass sich mit grünen Ideen auch schwarze Zahlen schreiben lassen“, sagt Katharina Schulze.

„Es ist toll zu sehen, dass sich mit grünen Ideen auch schwarze Zahlen schreiben lassen.“
Katharina Schulze, Grüne-Spitzenkandidatin

Sie ist in Freiburg geboren, im oberbayerischen Herrsching am Ammersee aufgewachsen und Hoffnungsträgerin der Grünen. Gemeinsam mit Ludwig Hartmann bildet sie das grüne Spitzenduo. „Politik muss Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Katharina Schulze, die seit der Landtagswahl 2013 dem Bayerischen Landtag angehört.

Die Politik der Grünen richte sich an Menschen, die ein Interesse an der Nachhaltigkeit haben. Ein weiteres Thema sei der hohe Flächenverbrauch. Jeden Tag würden in Bayern 25 Fußballfelder zu betoniert. Dies entspreche einer Fläche von 13 Hektar. Katharina Schulze möchte nicht, dass noch mehr schöne Natur unter Beton verschwindet. Die 33-Jährige unterstreicht die Verantwortung der Politik für Bayern auch nachfolgenden Generationen gegenüber und tritt für eine Stärkung der Artenvielfalt und des Umwelt- und Naturschutzes ein

Gegen hohen Flächenverbrauch

Sie befürwortet eine Begrenzung des immensen Flächenverbrauchs auf maximal fünf Hektar pro Tag, um sorgsamer über neue Gewerbegebiete, Einkaufszentren und Straßen nachzudenken. Um das Kontingent gerecht zu verteilen, könnte sich Katharina Schulze ein Bonuspunkte-Programm vorstellen, über das die Kommunen Punkte sammeln können, mit denen sie dann ein Vorhaben wie beispielsweise eine Schule realisieren können.

„Das Handwerk ist ein großartiger Arbeitsbereich“, findet Katharina Schulze. Allerdings bereite der Fachkräftemangel zunehmend Probleme. Schon heute fehle es gerade in der Baubranche an geeigneten Kräften. Zur Lösung des Problems sollten Kinder länger miteinander lernen. Das eine Entscheidung bereits in der vierten Jahrgangsstufe getroffen werden muss, werde weder den Eltern noch den Kindern gerecht.

Die Gesprächspartner waren sich einig, das eine Berufsausbildung den gleichen Stellenwert in der Gesellschaft besitzen muss wie ein Studium. Auch in diesem Punkt, sieht die grüne Politikerin eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der die Zusammenarbeit von Kammern, dem Handwerk und der Politik gefragt sei.

Ein Leuchtturmprojekt

Als Leuchtturmprojekt bezeichnete Katharina Schulze die „Grüne Hausnummer“. Das Gütesiegel für nachhaltig und umweltfreundlich gebaute und betriebene Gebäude soll als Anreiz für Nachahmer dienen. Die Bewertung der Häuser erfolgt dabei nach einem Punktesystem und wird von der Stadt Lichtenfels vergeben. Sorgen bereitet Gisela Raab der „schreckliche Stellplatzschlüssel“. Ihre Firma würde gerne in der Innenstadt Seniorenwohnungen bauen, aber es mangele laut Stellplatzschlüssel an Stellplätzen.