BAD STAFFELSTEIN

Staffelberggrabung: Steine mit Körben transportiert

Landrat Christian Meißner (links) und Archäologe Dr. Markus Schußmann begutachten den außergewöhnlichen und einzigartigen Fund – einen keltischen Fußabdruck - innerhalb der Ausgrabung am Staffelberg. Foto: Landratsamt Lichtenfels/Heidi Bauer

Die archäologischen Ausgrabungen am keltischen Zangentor auf dem Staffelberg schreiten voran. Die Archäologen legen mehr und mehr Details zur Konstruktion der großen Toranlage frei. Bei der zweiten öffentlichen Führung am Donnerstag, 9. August, um 17 Uhr wird das Team um Dr. Markus Schußmann auch gerne Fragen zu Untersuchungsmethoden und der weiteren Planung am Staffelberg beantworten.

Die Überlieferungsbedingungen an der Ausgrabungsstätte sind dem wissenschaftlichen Projektleiter zufolge außergewöhnlich gut und lassen eine Vielzahl von Rückschlüssen auf den Ablauf der Bauarbeiten in spätkeltischer Zeit zu. Die unterschiedlich gefärbten und zusammengesetzten Erd- und Steinschichten ermöglichen es, genau zu rekonstruieren wo und wie die Arbeiten begannen und wie das fertige Ergebnis – das keltische Tor – ausgesehen haben muss. Die beobachteten Details reichen von Abdrücken von Brettern, die das Wiederabrutschen des Erdreichs verhindern sollten, bis hin zur Querschnittsform der eingegrabenen Holzbalken.

Außerdem konnten mehrfach Steinansammlungen in den Erdaufschüttungen beobachtet werden, die darauf schließen lassen, dass sie einst mit Körben dorthin transportiert worden sein müssen, meint Dr. Schußmann. Es ist davon auszugehen, dass auf diese Weise wohl die gesamte Mauerhinterschüttung herangeschafft worden ist – eine erste Blüte des Korbmacherhandwerks in der Region.

Besonders außergewöhnlich und einzigartig sind die Fußabdrücke eines keltischen Bauarbeiters im Baustellenmatsch, die durch das schnelle und massive Überdecken mit Erdreich konserviert wurden. Sie werfen ein unmittelbares Schlaglicht auf die Menschen, die die keltischen Befestigungsanlagen mit viel Mühe erbaut haben. Vergleichbare Befunde sind äußerst selten und in der keltischen Archäologie bislang noch nicht bekannt, lässt der wissenschaftliche Projektleiter Dr. Schußmann wissen.

Speisekarte der Kelten

Zahlreiche zerschlagene Knochen von Tieren aus einer massiven Brandschicht, die während der Bauarbeiten aufgeworfen worden ist, beleuchten zusammen mit den Resten typischer Kochtöpfe aus Grafitton und verkohlten pflanzlichen Speiseresten, wie sich diese Arbeiter ernährten. Die naturwissenschaftlichen Analysen dürften spannende Ergebnisse beitragen. Sie gehören zu den wichtigsten Funden, die unmittelbar etwas über das damalige Leben und Arbeiten an der Baustelle erzählen können, so der Archäologe weiter.

Keine Goldmünzen

Zwar wurden auch zahlreiche andere Funde gemacht, jedoch besteht deren größter „archäologischer Nutzen“ darin, die unterschiedlichen Erdschichten und Baubefunde zu datieren und so in eine Abfolge bringen zu können. An dieser Stelle sei hervorgehoben, dass sich entgegen anders lautender Mitteilungen keine Goldmünzen darunter befinden. Sie wären für eine feine zeitliche Einordnung ehedem nicht zu gebrauchen und daher für das Ausgrabungsergebnis nur von relativ geringem Wert, erläutert Dr. Schußmann.

Alle Bürger, die sich gerne aus erster Hand über den Fortschritt der Ausgrabungen informieren möchten, sind zu der zweiten öffentlichen Führung am Donnerstag, 9. August, willkommen. Treffpunkt ist die Grabungsstätte unterhalb des Viktor-von Scheffel-Gedenksteins auf dem Wanderweg vom Friedhof Bad Staffelstein Richtung Plateau. Ein Teilnehmerbeitrag wird nicht erhoben.