BAD STAFFELSTEIN

Feuerwerk an Farbe in der Finsternis

JanLeonardo Wöllert.

Für den Fotokünstler JanLeonardo Wöllert ist die Finsternis, was für den Maler ein leeres schwarzes Blatt ist, auf das er mit Kreide zeichnet. Wöllerts Stift ist die Taschenlampe, mit ihr malt er faszinierende Bilder, leuchtet in der Dunkelheit Landschaften aus, erzeugt surreale Stimmungen, die Gänsehaut verursachen. Vor sechs Jahren hat der Bremer mit dieser Art von Fotografie angefangen, sie weiterentwickelt, viel geistige Arbeit investiert. Heute ist er weltweit bekannt.

„Ohne das Internet wäre ich nicht da, wo ich heute bin“, sagt Wöllert. Einzelne wurden auf seine Bilder aufmerksam, in Blogs verbreiteten sie sich um die ganze Welt, Zeitungen interessierten sich und dann Konzerne. Jetzt ist er einer der Großen, was Lichtkunst betrifft. Der Vorausdenker hat immer neue Ideen, geht Schritt für Schritt weiter, organisiert, komponiert, entwickelt Choreografien für die Fotografien: „Die Langzeitbelichtung ist die Bühne, auf der ich meine Bilder inszeniere.“ Seine Fotografien überraschen schon im Kleinen, im Internet. Großformatig, zwei auf eineinhalb Meter, kann sich der Betrachter darin verlaufen. Jedes Sandkorn, jede Felsspalte, jedes Blatt an der riesigen Buche ist scharf. Die gigantischen Fotos sind in Kunstgalerien zu sehen, in der Münchner Art Room 9 Galerie in der Hesselloher Straße, auch in Australien, USA und Russland sind zur Zeit Fotografien vom Künstler ausgestellt.

„Die Langzeitbelichtung ist die Bühne, auf der ich meine Bilder inszeniere.“
JanLeonardo Wöllert Foto-Licht-Künstler

In einer Gesellschaft, in der jeder knipst, in jeder Sekunde Millionen von Fotos entstehen, alles schnell, schnell, schnell gehen muss, nimmt Wöllert sich Zeit. In einer Nacht entsteht vielleicht ein perfektes Foto, höchstens. Der Maßstab, den der 42-Jährige an seine Werke stellt, ist hoch. Symmetrische Formen, saubere Lichtkugeln mit inneren Universen, verschmelzen mit dem Hintergrund. Trifft er die Mitte nicht genau, ist er nicht zufrieden, fängt neu an, lässt nicht locker. Er ist ein Perfektionist in seiner Kunst. Mit Taschenlampen, Leuchtstäben und Pyrotechnik zaubert er durchscheinende farbige Kreise und Spiralen in Fabrikhallen, Ruinen und Landschaften, übergießt Skulpturen mit Licht, sie werden plastisch, lebendig, fantastische Welten entstehen. Bewegungen verwischen, zerfließen in der Zeit, die Randschärfe bleibt. Es ist atemberaubend, was er in der Nacht an Details herausholt.

Die modernen Digitalkameras können riesige Datenmengen verarbeiten, die Grenze setzt oft die Leistungsfähigkeit der Objektive. Wöllert will Tiefenschärfe in seinen Bildern, schwärmt von Carl Zeiss, den absoluten Präzisionslinsen. Ausgerüstet mit Baumarktartikeln, dem Akkuschrauber zum Drehen der Leuchtmittel, der Rankhilfe zum Befestigen des Leuchtstabs, dazu Canon-Spiegelreflexkamera und Stativ, hat er schon auf der ganzen Welt „herumgeleuchtet“, Erfahrung gesammelt, sich und seine Arbeit weiterentwickelt. Seine Kunstwerke erzählen Geschichten.

Die ersten fotografischen Schritte hat er mit der Leica seines Großvaters unternommen. Eines ist geblieben: Seine Kompositionen entstehen immer in einer Aufnahme, nicht am PC aus verschiedenen Bildern zusammengefügt. Aus Japan reisen Kunden an, sie wollen sicher sein, ein Kunstprojekt und keine Computeranimation zu erhalten, überzeugen sich hier direkt von seiner Arbeitsweise. Niedriger ISO-Wert, bis zu 30 Minuten die Blende geöffnet. Das bringt Schärfe bis zum Horizont und Zeit für Perspektivwechsel, Änderung des Kamerawinkels oder Standorts während der Aufnahme, alles vorher genau überlegt und geplant. Es entstehen neue Ansichten, rätselhaft, ungewöhnlich.

Erfahrung ist nötig, um die notwendige Lichtmenge abschätzen zu können, das Licht zu kontrollieren und zu organisieren, damit das endgültige Werk im Gleichgewicht ist. Es gibt immer wieder Überraschungen. Welches Bild für ihn perfekt ist? „Wenn ich es sehe und sage: 'Wow, das ist etwas Außerordentliches, noch nie da Gewesenes'.“

Weitere Informationen und Bildergalerien sind im Internet zu finden unter

www.lightart-photography.de.

Workshop im Kurpark: Lichtkreise im Springbrunnen zwischen den Gradierwerken. Foto: JanLeonardo Wöllert