BAD STAFFELSTEIN

Intime Geheimnisse auf Großleinwand

Rainer Dohlus mit einer Apparatur für die Bierleitung aus den Breitband-Leerrohren. FOTO: Andreas Welz

Skurril, witzig und jede Menge Pointen – so präsentierte sich der Fränkische Theatersommer beim Mundartkabarett im Brückentheater. „Aus der Dadenleidung kummd ka Bier“ war die amüsante Klamotte, die Rainer Dohlus, Mitglied der Landesbühne Oberfranken, auf die Kleinkunst-Brettl zauberte.

Der langmähnige Mime verstand es blendend, seinen Zuschauern die Angst vor der digitalen Zukunft zu nehmen. Natürlich wisse das Netz längst alles über uns, und wahrscheinlich sogar schon, was wir essen werden, bevor wir überhaupt Hunger haben. „Unsere Aktivitäten dort sind allesamt gespeichert und werden beim nächsten Besuch im Internet als Werbung unterlegt, sogar an der Großbildleinwand an der Ampel werden wir zielgenau angesprochen, denn unser Handy und unser Auto sind ja auch vernetzt, und so weiß das Netz stets, wo wir sind“, stellte er fest.

„Schön wär?s schon, wenn man durch die Leerrohre der Breitbandverkabelung auch gleich das Bier an die Haushalte liefern könnt'.“
Rainer Dohlus, Landesbühne Oberfranken

Im Mittelpunkt aber stand der „Breitbierausbau“. „Schön wär?s schon, wenn man durch die Leerrohre der Breitbandverkabelung auch gleich das Bier an die Haushalte liefern könnt'“, so der Vorschlag des Visionärs. „Vielleicht würde dadurch aber auch das Bier verdorben, bei dem ganzen Mist, der durch die Datenleitung kommt“, tönte es von der Bühne. Die kombinierte Bier-Datenleitung für die Haushalte stehe kurz vor dem Durchbruch. Erste Verhandlungen mit Brauereien seien bereits erfolgreich gestartet, und das Design sei ohnehin Red-Dot-Award-verdächtig.

Bei einer Meinungsumfrage in der Pause gab es bei den positiven Rückmeldungen 100-prozentige Zustimmung, allerdings wanderten die negativen Antworten in den Mülleimer. Rainer Dohlus hatte sogar die Lösung für die Bierübermittlung per Mobilfunk parat. Mit dem „Drahtlosen Biertransmitter“ stellte er bereits die nächste Stufe der Entwicklung vor. Mit seinem „Molekularen Stammwürze-Übertrager“ könne es als Revolution auf dem Biermarkt gelten. Beim Eigenversuch kam allerdings aus dem mobilen Empfangsgerät aufgrund einer technischen Panne an diesem Abend nur Wasser.

Die schöne neue Cyberwelt

Die schöne neue Cyberwelt persiflierte Dohlus mit alltäglichen Begebenheiten. Das Netz kenne uns inzwischen besser als wir selbst. Durch die Vernetzung würden auch intime Geheimnisse ans Licht gebracht und erscheinen auf Großbildleinwand vor der Ampel. „Aber“, so der kürzlich mit Wasser aus dem Empfangsgerät gewaschene Rainer Dohlus: „Ich weiß dann scho, was ich mach: Ich setz mich – ohne mei Handy – mit meim Liegestuhl und zwaa Fläschla Bier auf der Grünflächn vor derä Ampel gemütlich hin und schau dann zu, wie die Fraa von meim Nachbarn guckt, wenn die Werbung fürn Playboy eingeblendet wird, kaum dass des Auto vor der roten Ampel anhält. Oder wenn sich beim Dr. Soundso die ,Nadascha‘ vom Eros-Center auf ihrm Sofa räkelt und fragt, wann er denn wieder amal vorbeischaut ...“

„Anti-Biometrie-Starterset“

Wie man den Datenhunger der Konzerne oder die staatliche Überwachung mit Bauernschläue austricksen kann, führte Dohlus zum Schluss vor. Und zwar mit einem „Anti-Biometrie-Starterset“. Biometrische Daten, wie Augenfarbe, Größe oder Nasenform, seien einmalig für jeden einzelnen Menschen. Diese Daten würden von den Überwachungskameras registriert und damit könne die Person identifiziert werden. Damit die biometrischen Merkmale verfälscht werden, könne man farbige Kontaktlinsen, einen Mundspreizer oder höhenverstellbare Schuhe einsetzen. Um den Körpergeruch zu ändern, empfahl er einige Tropfen Schweiß, die er aus den schmutzigen Trikothemden eines Fitnessstudios gewonnen hatte. „Dann erkennt der Hund sogar sein eigenes Herrchen nicht mehr“, war sich der Weltverbesserer sicher.

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