LOFFELD

„Wow – was für ein Klang“

Der Chor „Akanamandla“ zieht so viele Zuschauer an, dass die Veranstalter vom alten Schulhaus in die Kirche ausweichen. ... Foto: Birgit Kunig

Was soll denn das sein? Komischer, lustiger Name. Aber man kann es sich halbwegs merken, wenn man das Fränkische „aa kaana mandla“ – zu Hochdeutsch „auch keine Männlein“ – als Gedankenbrücke nimmt. Aber es ist nicht fränkisch, sondern afrikanisch, und heißt im übertragenen Sinne „Gott ist mit uns – das Böse hat keine Macht über uns“: So erklärt es einer der fünf Herren vom sehr frauenlastigen Chor. Aber die lassen sich von den Frauen nicht unterkriegen, und es ist ein ziemlich sympathischer Chor.

Noch nie davon gehört, obwohl in der Region beheimatet und zum ehemaligen Landkreis Staffelstein gehörend, nämlich aus Neundorf bei Weitramsdorf. Tja – damals vor der Gebietsreform hätte man sie nicht als „Coburcher“ tituliert. Sie singen zwar wie Staffelsteiner und Lichtenfelser, aber wenn sie erzählen, lacht man über ihren Coburger Slang. Das merken sie selber gar nicht. Weil sie ein ganz eigenes Völkchen sind. Eine kleine Gemeinde, die einen großartigen Chor hervorgebracht hat. Vor allem – wenn man sieht, welchen Spaß sie beim Singen und Spielen haben, möchte man doch am liebsten gleich selber dabei sein.

Es hatten sich so viele Leute zum Konzert angemeldet, dass man gleich vom alten Schulhaus in die Kirche ausgewichen ist. Die jetzt brechend voll ist, und die Türen weit offen.

Die Begrüßungsworte von Dieter Leicht, dem Organisator, lassen vermuten, dass es überwältigend werden wird. Und das war nicht zu viel versprochen. Zwei Männer des Chors platzieren sich an Bongotrommeln, fröhlich kommen die anderen hinzu. Gitarre, Banjo Mundharmonika, Xylofon, Flöten, alles dabei, sogar eine Cajon und ein Kazoo. Und dann schreiten die Damen feierlich herein. Toll sehen sie aus. Die Männer in weißen Hemden und türkis-farbigen Krawatten, übertrumpft von den Frauen, ganz schick in individuellen weißen Blusen, jede zu ihrem eigenen Typ passend, mit türkis-grünen Halsketten, welche wohl die Farben des Himmels, des Meeres und des Waldes wiedergeben sollen.

„Das geht durch und durch“

Schon im ersten Moment, als sie mehr als kraftvoll den „Akanamandla“-Song anstimmen, denkt man nur: „Wow – was für ein Klang, das geht durch und durch.“ Das sagt auch eine Frau aus Bad Staffelstein. Und man kann gar nicht glauben, was 20 Musiker in dieser kleinen, heimeligen Dorfkirche zu Loffeld mit dem Publikum anzustellen vermögen.

Romy Dellert bildet den Kopf der Schola und hält das Zepter in der Hand. Aber das merkt man erst nach einiger Zeit. Integriert in die Gruppe, zeigt sie nur ab und zu mit dem Finger nach oben um anzuleiten. Und inmitten der Sänger singt sie, spielt Gitarre und hält den Takt. Souverän wirkt sie, aufgeweckt und völlig unerschrocken, und es scheint genau diese Mischung zu sein, die den Chor aufweckt, anleitet und vorantreibt, und zwar zu Spitzenleistungen. Sie tritt absichtlich nicht in den Vordergrund, denn der Chor braucht sie als treibendes Glied in ihrer Mitte.

Beeindruckendes Repertoire

Es ist nicht irgendein Dorfchor aus Neundorf, der da vorne singt. Zum einen haben sie eine riesengroße Fangemeinde mitgebracht, zum anderen haben sie Liedgut und Kompositionen vom Feinsten dabei. Ihr beeindruckendes Repertoire besteht aus modernen Kirchenliedern, Gospels, Spirituals bis hin zu Oldies, aber auch Irish Folk und Seemannslieder haben sie im Gepäck. Poetische und einfühlsame Worte zu den fünf Programmblöcken Glaube, Geborgenheit, Liebe, Lebensfreude, Seele und Rhythmus begeistern die Zuhörer ebenso wie die Lieder selbst.

Sie wünschen sich vom Publikum, aus dem Alltag mal auszubrechen und die Seele baumeln zu lassen, und genau das schaffen sie an diesem so sonnigen Sonnabend. Das Verzücken steht den Zuhörern ins Gesicht geschrieben, wenn sie das wundervoll interpretierte „Weilst a Herz hast wie a Bergwerk“ von Reinhard Fendrich hören und „When you say nothing at all“ von Ronan Keating. Und als die Crew quietschfidel mit Banjo und Tin Whistle Irish Folk und Shantys aufzaubert, ist jeder von der Fröhlichkeit mitgerissen und würde am liebsten mittanzen, ganz wie im Pub. „Als würde man die irische Landschaft mit ihren unterschiedlichen Grüntönen vor sich sehen“, beschreibt Romy Dellert einfühlsam.

Als die wunderschöne Ballade „Das beste, was mir je passiert ist“ von Silbermond ertönt, denkt man fast, Stefanie Kloß singt, so zieht Anke Lobenstein mit einem gefühlvollen Solo das Publikum in ihren Bann.

Thomas Bähring, der sogar das unvergleichliche „R“ von Peter Maffay imitieren kann, brilliert als Solist beim Song „Halt dich an mir fest“ mit seiner warmen Bassstimme. Und den „Tabaluga“-Song „Ich wollte nie erwachsen sein“ untermalt Theresa Bähr ganz wunderbar auf ihrer Querflöte. Nenas „Wunder gescheh'n“ handelt davon, dass man in einer Beziehung nicht gleich aufgeben soll. Dieser Song wird auf ganz besondere Weise als Zwiegesang zwischen Frauen und Männern des Chores interpretiert und endet in einem gemeinsamen „was auch passiert, ich bleibe hier und geh' den ganzen langen Weg mit dir.“

Afrikanisch wird es bei „The Lion Sleeps Tonight“, und da gibt es bei einem Zuschauer kein Halten mehr. Er tanzt mitten in der Kirche.

Drei Zugaben

Trotz „mir ham fei reserviert im Bräustübla“ lassen sich die Musiker noch zu drei Zugaben hinreißen. Völlig verausgaben sie sich bei „Ba ba ba ba babara ann“ von den „Beach Boys“ und bei „I'm Walking“ trampelt und jubelt auch das Publikum. Das berühmte „All You Need is Love“ von den „Beatles gipfelt“ in dem allerletzten Schlussakkord „Love is all you need!“. Alle sind ergriffen und klatschen stehend.

Zweifelsohne wird jeder von dieser Fröhlichkeit und guten Laune ein Stückchen mit nach Hause nehmen.

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