BIRKACH/WIESEN

„Hop, Hop! Heja, heja!“ tönt es durch den Wald

Alle Teilnehmer versammelten sich nach der Jagd beim Haus der Bäuerin in Birkach. Auf der Strecke lagen sieben Wildschwe...

„Hop, Hop! Heja, heja!“ tönt es durch den Wald. Dazu schlagen die Treiber immer wieder mit ihren Stöcken an die Baumstämme. Es gilt, so viel Lärm wie möglich zu machen, die Wildschweine aufzuschrecken, damit sie den Schützen direkt vor die Büchsen laufen.

Am Samstag fand die erste gemeinsame Drückjagd der zehn Jagdreviere Birkach, Oberbrunn-Unterbrunn, Draisdorf, Messenfeld, Döringstadt, Eggenbach, Nedensdorf und Wiesen sowie Medlitz und Busendorf im Landkreis Bamberg statt.

4000 Hektar durchkämmt

Drei Stunden lang durchkämmen die Treiber in kleinen Gruppen die Waldfächen des insgesamt etwa 4000 Hektar großen Jagdgebiets. Da, wo es angenehm zu gehen ist, wollen sich die Wildschweine leider nicht verstecken. Sie liegen in den Fichtendickungen und Brombeerhecken, Waldabschnitte, die einem Dschungel ähneln.

So mancher Treiber wünscht sich lautstark fluchend eine Machete, wenn der sich durch das Dickicht kämpft, die Äste aus dem Gesicht schiebt und seine Kleidung von den stacheligen Brombeerranken befreit. Die Hunde haben es leichter. Die kleinen Terrier wuseln blitzschnell durch das Unterholz. „Emma hat die feinste Nase. Meist findet sie die Wildschweine als Erste“, erklärt Hundeführer Armin Dinkel aus Fischbach. Während die Jagdterrierhündin Emma immer in Dinkels Nähe ist, ziehen Dachs und Socke weite Kreise um ihr Herrchen. Allesamt tragen Signalhalsbänder in leuchtenden Farben, „damit die Jäger sie nicht mit dem Wild verwechseln“, erklärt Dinkel.

Es passiert, als die Treiber sich ein weiteres Mal durch den undurchsichtigen Fichtenwuchs kämpfen. Unter das „Hop, Hop!“ der Treiber mischt sich plötzlich Hundegebell. Schon kommen die ersten aufgeregten Rufe: „Sauen!“ In der Dickung lag eine Rotte verborgen, die sich nun auf die Beine macht. In verschiedene Richtungen sprengen die Wildschweine, eines davon wählt eine Sackgasse und prallt etwa einen Meter neben dem Birkacher Treiber Thomas Hennemann (24) in den Zaun. „Die Sau ist wieder aufgestanden, hat sich kurz geschüttelt und ist weggerannt“, berichtet Hennemann hinterher. Gefürchtet habe er sich nicht, auch wenn Sauen allgemein als wehrhaft gelten. „Sie hatte mehr Angst vor mir, als ich vor ihr“, sagt der Treiber.

Nur Sekunden nach dem Zwischenfall knallen Schüsse. Die Schützen, die bis jetzt ruhig am Waldrand gewartet hatten, nutzen ihre Chance.

Im Birkacher Revier werden fünf Sauen erlegt. Gleich drei davon gehen auf das Konto des 53-jährigen Martin Zellmann aus Dittersbrunn. Zwar geht er schon seit 21 Jahren auf die Jagd, doch ein solcher Erfolg ist für ihn Premiere. „Man freut sich, wenn man gut geschossen hat“, sagt er. Gleich nach dem Schuss seien die Sauen rolliert. Das heißt, sie waren gleich tot. Verletztes Wild muss meist aufwendig mit einem speziell ausgebildeten Jagdhund gesucht werden.

Zellmann wird am Samstag als Jagdkönig gefeiert. Stolz steht ihm ins Gesicht geschrieben, als Organisator Reiner Fleischmann ihm gleich drei Fichtenzweige für seinen Hut überreicht, die so genannten Erlegerbrüche.

Mehr als 100 Schützen beteiligt

Insgesamt waren mehr als 100 Schützen an der Jagd beteiligt, die wenigsten hatten Gelegenheit, überhaupt ein Wildschwein zu sehen. Beispielsweise der 72-jährige Erwin Leidner aus Pfaffendorf stand, wie viele andere, drei Stunden vergeblich in der Kälte. Am Samstag lag die Temperatur knapp unter Null Grad Celsius.

„So ist die Jagd. Manchmal erwischt man eben nichts“, sagt der erfahrene Jäger. Auf weit mehr als 100 Drückjagden sei er in seinem Leben schon gewesen, in ganz Oberfranken bis hin nach Thüringen.

Die Bad Staffelsteiner Jagdhornbläser beendeten die Jagd mit dem Signal „Jagd vorbei“ und „Halali“. Am Haus der Bäuerin in Birkach hatten sich alle Jagdteilnehmer versammelt, um sich mit Bratwürsten und Getränken zu stärken sowie, um das erlegte Wild zu begutachten.

„Ich hätte mit

mehr Strecke gerechnet.“

Organisator Reiner Fleischmann etwas enttäuscht

„Ich hätte mit mehr Strecke gerechnet“, sagt Reiner Fleischmann, Organisator der revierübergreifenden Drückjagd, etwas enttäuscht in seiner Abschlussrede. Insgesamt wurden sieben Wildschweine erlegt. Beobachtet wurden viele mehr. Während es beispielsweise einem großen Keiler gelang, an einem strategisch günstigen Punkt die Schützenreihen zu durchbrechen, verkroch sich eine ganze Rotte mit etwa 30 Tieren in dichtem Unterholz. Weder Hunde noch Treiber konnten sie dazu bewegen, das sichere Versteck zu verlassen.

„Die Sauen sind clever. Die haben schon lange kapiert, wie Drückjagden funktionieren“, sagt Ebensfelder Altbürgermeister Bernhard Kasper. Der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Lautergrund nahm am Samstag ebenfalls als Schütze an der Drückjagd teil. Kasper zufolge gelte es, die Jagdstrategie ständig zu verbessern. Anstelle von großflächigen Treiben könne man beispielsweise Dickungen kartieren und gezielt mit kleinen Hunden durchsuchen.

„Die Sauen sind clever. Die haben schon lange kapiert, wie Drückjagden funktionieren.“
Bernhard Kasper, Altbürgermeister Ebensfeld

Im Januar wird es eine Nachbesprechung geben, bei der die Strategie für kommende Drückjagden festgelegt werden soll. Der Revierpächter in Messenfeld, Slavko Minic, jedenfalls ist positiv eingestellt. „Die revierübergreifende Drückjagd fand ich gut, das können wir gerne öfters machen“, sagt er. Minic klagt über den Wildschaden in seinem Revier. Der sei dieses Jahr so schlimm wie noch nie gewesen. Dafür würden Landwirte häufig Jäger verantwortlich machen. Alleine könne man gar nicht genug Wildschweine erlegen, um dem Problem Herr zu werden. Die Jagdnachbarn müssten zusammenarbeiten, das habe früher gefehlt. Schön findet Minic, dass Fleischmann die Aufgabe der Organisation übernommen habe, das sei keine Selbstverständlichkeit.

Während für die Meisten der Tag nach dem sogenannten „Schüsseltreiben“, dem Essen nach der Jagd, zu Ende war, mussten andere noch einmal anpacken. Karl Hagel, der sich bereits im Vorfeld um die Verkehrssicherung gekümmert hatte, suchte erneut freiwillige Helfer, um die rund 200 Schilder wieder einzusammeln. „Ohne Verkehrssicherung geht es nicht. Das habe ich heute gesehen“, zieht er sein Fazit. Denn es sei eine große Zahl aufgescheuchter Rehe über die Straßen gerannt, das berge großes Unfallpotenzial.

Hagel zufolge ist das Genehmigungsverfahren allerdings sehr bürokratisch und der Aufwand immens. Das Landratsamt müsse sich beteiligen, Fahrzeuge und Personal zur Verfügung stellen. Die Kosten, die die Veranstalter bei einer so großen revierübergreifenden Drückjagd zu tragen haben, seien ohnehin schon erheblich. Verpflegung der Teilnehmer, Aufwandsentschädigung für die Hundeführer sowie Fleischbeschau liegen Organisator Fleischmann zufolge im vierstelligen Bereich, das ehrenamtliche Engagement der zahlreichen Helfer nicht eingerechnet.

Immerhin kann die Jägerschaft in der Region mit Unterstützung rechnen, denn für viele Anwohner ist die freiwillige Teilnahme an Drückjagden, etwa als Treiber, eine Selbstverständlichkeit. So macht beispielsweise Landwirtssohn Andreas Hagel (30) aus Birkach gerne mit. Er sagt: „Mir gefällt, dass man mal rauskommt und das Wild sieht, nicht immer nur den Schaden, den es anrichtet.“

Warnkleidung ist das A und O für die Sicherheit aller Teilnehmer.
Die Bad Staffelsteiner Jagdhornbläser beendeten die Jagd mit den Signalen „Jagd vorbei“ und „Halali“.
Kein Spaziergang durch den Wald, sondern harte Arbeit war die Drückjagd für die Treiber. Foto: Adriane Lochner
Während die anderen Terrier weite Kreise ziehen, bleibt Emma immer nah bei ihrem Herrchen, dem Hundeführer Armin Dinkel.
Reiner Fleischmann überreicht Jagdkönig Martin Zellmann (li.) feierlich drei Erlegerbrüche, einen für jedes erlegte Wildschwein.