BAD STAFFELSTEIN/KLOSTER BANZ

Weltflucht, Sehnsucht und Poesie

Der Wald im alten Klostergarten mit seinen 250-jährigen Baumriesen bot alles, was Romantik benötigt: ungezähmte, wilde N... Foto: Oliver Kröner

Als sich bei bestem Wetter Dämmerung und Dunkelheit über das Land legten, wurde für die Teilnehmer der Veranstaltung „Nächtlicher Wald – ein romantischer Traum“ alles geboten, was die Romantik ausmacht. Der von 40 Personen besuchte Abend wurde gemeinsam von Forstverwaltung Lichtenfels, Umweltstation Weismain und der Kultur-Initiative Bad Staffelstein (KIS) im Banzer Wald angeboten. Ziel war der alte Klostergarten am Mainhang unterhalb der Klostergebäude mit seinen 250-jährigen Buchen-Baumriesen.

Lyrik und Musik von Jasmin Schindler und Florian Greuling ließen Weltflucht, Fantasie, Sehnsucht und Poesie der Zeit der Romantik aufleben. Taschenlampen waren an diesem Abend verpönt; die Nachtstimmung bei Kerzenlicht und angenehmen Temperaturen waren für alle eindrucksvoll.

Hinwendung zur Sagenwelt

Für die Literatur der Romantik mit ihrer Hinwendung zur Mythen- und Sagenwelt des Mittelalters, ihrer Betonung von Sehnsucht, Sentimentalität und Gefühlsreichtum lag der geheimnisumwobene Wald voll im Trend. Entgegen den Erwartungen waren jedoch nicht Texte oder Gedichte von Josef von Eichendorff, Achim von Amin, Friedrich Rückert, E. T. A. Hoffmann, Clemens Brentano oder Novalis angesagt, sondern zeitaktuelle romantische Lyrik und Musik.

Die Romantik war, wie Hermann Hacker, Organisator der Veranstaltung zur Einleitung betonte, eine Gegenreaktion zur politischen Situation ihrer Zeit. Frustration über die nicht erreichten Werte der französischen Revolution, hervorgerufen durch den Wiener Kongress, bei dem die alten Stände-Staaten nach der Zeit der Aufklärung und Säkularisation der Napoleon-Ära wieder restauriert worden waren. Verbunden mit einer Weltflucht in Sehnsucht, Gefühl, unerfüllte Liebe und Poesie. In der Menschheitsgeschichte, so Hacker, war Wald über Tausende von Jahren ein Sinnbild für Gefahren, Geister und Unannehmlichkeiten.

Erst nachdem die Urwälder Mitteleuropas vollständig gerodet waren, drehte sich diese Einstellung in der Zeit der Aufklärung und der Romantik ins genaue Gegenteil. Natur bekam ihren eigenen Stellenwert.

Tiere und Pflanzen bekamen seit 1758 und Carl von Linné und seinem „Systema Naturae“ wissenschaftliche Namen und wurden gründlich erforscht. Landschaft und speziell auch Wald wurden in der Kunst in all ihrer Vielfalt und Schönheit dargestellt, nachdem sich die Bildende Kunst vorher überwiegend nur mit religiösen Themen beschäftigt hatte.