KLOSTER BANZ

Von Mumien, Ungeheuern und Totenschädeln

Sehenswert: die ägyptische Mumie im Orientzimmer des Banzer Museums. Foto: Adriane Lochner

Die Frau misst 1,50 Meter von Kopf bis Fuß. Damit entspricht sie etwa der Durchschnittsgröße im alten Ägypten. Sie wurde nicht im Sarkophag bestattet wie die großen Pharaonen, sondern lediglich in Kreidetücher gehüllt. Gleich neben der ägyptischen Mumie im Kellergewölbe des Museums Kloster Banz steht ein großes schwarzes Ungeheuer. Vier Meter misst das präparierte Krokodil, das einst im Nil geschwommen ist. Der ganze Raum ist dekoriert mit orientalischen Gegenständen. In einer Ecke hängt kaminrotes Zaumzeug samt Reiterjacke, daneben ein geschwungener Säbel. Auf den Regalen stehen Vogelpräparate.

„Das Orientzimmer ist ein Gesamtkunstwerk“, sagt Brigitte Eichner, Leiterin des Museums Kloster Banz. Die Gegenstände darin haben eines gemeinsam: Sie sind allesamt Souvenirs einer abenteuerlichen Reise des „Grafen von Banz“. So lautete der Deckname, den sich Herzog Maximilian Joseph in Bayern, kurz Herzog Max, ausgesucht hatte. Denn seinem Großvater gehörte das ehemalige Kloster, dort verbrachte Herzog Max seine Sommermonate.

Max‘ Tochter Sissi, die österreichische Kaiserin, kennt jeder – spätestens seit den Romy-Schneider-Filmen. Ungestüm galoppierte sie auf dem Pferd durch die Wälder. Ihr wildes Wesen hatte sie nicht zuletzt von ihrem Vater Max. „Er hat seine Kinder oft mit nach draußen genommen, die Schule war ihm nicht so wichtig. Deshalb wurde aus Sissi eine derart gute Reiterin“, erklärt Eichner.

„Das

Orientzimmer

ist ein

Gesamtkunstwerk.“

Brigitte Eichner, Leiterin des Museums

Herzog Max sei weltoffen gewesen und gerne mal ins Wirtshaus gegangen. Dort spielte er meisterhaft auf der Zither, die damals als „Lumpeninstrument“ galt und nicht zuletzt durch sein Engagement zum bayerischen Nationalinstrument wurde. „Zitherpartie auf dem Nil“ lautet der mehrdeutige Titel des 2009 erschienenen Werks von den Autoren Isabel Grimm-Stadelmann und Alfred Grimm. Darin beschreiben sie „die Orientreise von Herzog Maximilian in Bayern und seine orientalische Sammlung“.

Abenteuerliche Reise

Tochter Sissi wurde im Dezember 1837 geboren, nur einen Monat später brach Max zu einer Reise auf, die wohl die abenteuerlichste seines Lebens werden sollte. Über Brenner ging es nach Neapel und Athen bis ins ägyptische Alexandria. 21 Tage lang dauerte die anschließende Kreuzfahrt auf dem Nil. Zum Zeitvertreib spielte Max auf der Zither oder ging jagen, zum Beispiel Krokodile. Insgesamt waren Herzog Max und seine Begleiter acht Monate unterwegs, die Reise führte bis nach Jerusalem.

„Herzog Max selbst führte ein Reisetagebuch, man vermutet jedoch, dass er ab und zu ein wenig geflunkert hat“, meint Museumsleiterin Eichner. Beispielsweise hat er ausführlich beschrieben, wie er eigenhändig den Derwisch erschlug, dessen Schädel nun in einer Vitrine im Orientzimmer ausgestellt ist. Allerdings war Herzog Max nicht der Einzige, der die Reise dokumentierte. Er wurde begleitet von den Malern Carl Theodor von Buseck und Heinrich von Mayr. Letzterer fertigte von jeder Station Zeichnungen und später Lithographien an. Eine davon zeigt eine Szene aus der Wüste in Palästina: Abgemagerte Kamele stehen vor einer Sanddüne, daneben liegt der Schädel eines Toten. „Möglicherweise hat Max ihn nur gefunden und mitgenommen“, sagt Eichner. Wie der „Graf von Banz“ zu seiner Mumie kam, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben, denn davon ist im Tagebuch nichts erwähnt. „Entweder hat er sie auf dem Basar gekauft oder bei einer Graböffnung mitgenommen“ meint Eichner, denn er damalige Gouverneur von Ägypten Mehmet Ali Pascha habe gerne Sachen ins Ausland verschenkt, etwa die Nadeln der Cleopatra, die großen Obelisken, die heute in New York und London stehen.

Schädel des Derwisch, den Max angeblich selbst erschlagen hat
Gruseliges Ungeheuer: Vier Meter misst das Krokodil, das Herzog Max und seine Begleiter auf ihrer Nilkreuzfahrt erlegt haben.