EBENSFELD

Ein ordentliches „Frauenbier“

Maximilian, Hansi und Florian vom Ebensfelder Brauhaus. Foto: Norbert Krines

Es gibt ja so „Bierweisheiten“, die man dauernd hört: Ein gutes Pils braucht sieben Minuten zum Beispiel. Und Frauen mögen kein Bier. Immerhin trinken Männer bis zu sechsmal mehr Bier im Vergleich zu Frauen, liest man immer wieder. Weil den meisten Frauen Bier zu bitter sein soll, ködern Großbrauereien die potenzielle weibliche Kundschaft mit langweilig-milden „Gold“-Lagern in trendigen Klarglasflaschen oder noch schlimmer mit pappsüßen Biermischgetränken.

„Bierkränzchen“

Dabei waren Bier und Brauen einst bei den Germanen reine Frauensache. Und im Mittelalter war ein Braukessel ein wichtiger Teil der Aussteuer – in Kronach soll er sogar die Voraussetzung für eine Eheschließung gewesen sein. Frauen trafen sich seinerzeit statt zu Kaffee und Kuchen zu „Bierkränzchen“ oder „Weiberzechen“. Von Martin Luther wird gar berichtet, er sei fast noch mehr in das Bier vernarrt gewesen, das seine Frau Katharina von Bora braute, als in sie selbst.

Die ehemalige Nonne hatte das Brauen im Kloster gelernt und das scheinbar so gut, dass der gelehrte Reformator immer wieder an seine „gnädige Jungfer Katharina Lutherin von Bora und Zulsdorf, meinem Liebchen“ schrieb, sie solle doch „ein Pfloschen ihres Bieres zu ihm schicken so oft sie könne“. Schrieb‘s, trank?s und nahm an Leibesumfang zu.

Im Laufe der Zeit griffen dann immer weniger Frauen zu Braukessel und Bierkrug. Der immer stärkere Einfluss der Mönche in den Klosterbrauereien auf die Brauwirtschaft wird oft als Grund dafür genannt und auch die gesellschaftliche Situation der Frau allgemein. Nicht zuletzt ist da die Sache mit dem Bierbauch: Während die Mode der letzten Jahrhunderte Frauen vor allem in figurbetonte Schnitte zwängte, machte erst ein stattlicher Bierbauch einen Mann zum richtigen Mann. Kein Wunder, dass es als immer weniger „damenhaft“ galt, Bier zu trinken. Heute hält die „Frau von Welt“ auf Partys stilsicher ein Glas Aperol Spritz, Hugo oder Prosecco in der Hand. Ein Bierkrug darf es bestenfalls im Dirndl auf dem Oktoberfest oder der Bergkerwa sein.

Speziell für Frauen

Dabei trinken Frauen durchaus gerne Bier. Das zeigt gerade eine junge Generation von Braumeisterinnen, die mit „Craftbieren speziell für Frauen“ den Biermarkt von Bamberg bis Berlin aufmischt. „Holladiebierfee“ nennt sich das Bier, mit dem die drei Braumeisterinnen Isabella Mereien aus Memmelsdorf und Gisela und Monika Meinel-Hansen aus Hof speziell Frauen zum Biertrinken verführen wollen.

Mit den fruchtigen Aromen exotischer Hopfensorten und einer zweifachen Gärung unter anderem mit einer Champagner-Hefe macht die Bierfee der drei „Braurebellinnen“ jedem Lifestyle-Szenegetränk Konkurrenz.

Ohne pinkfarbene Etiketten

Man kann Frauen aber auch ohne pinkfarbene Etiketten und „Champagnerwirbelbitzel“ für Bier begeistern. Das zeigen die drei Braumeister „Hansi“, Maximilian und Florian Engelhardt vom Ebensfelder Brauhaus jedes Jahr aufs Neue. Die älteste Brauerei im Landkreis Lichtenfels – die Original-Gründungsurkunde der ehemaligen Schwanenbräu mit Unterschrift und Siegel von Fürstbischof Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein und der stolzen Jahreszahl 1752 kann man noch heute im Brauhaus bewundern – kennt man außerhalb der Region eher wegen des dunklen Adam Riese Urtrunks, der 1992 erstmalig zum 500. Geburtstag des Staffelsteiner Rechenmeisters eingebraut wurde.

Das Bier, mit dem sie die Ebensfelder Damenwelt zum Biertrinken verführen, nennt sich lustigerweise „Männersache“ und entstand als Sonderbier zum Fasching 2015. Augenzwinkernd wurde es – passend zur 5. Jahreszeit – mit dem Slogan „Das Bier zum Erhalt der Männerquote“ beworben.

Das Bier zum Erhalt der Männerquote

Was im spaßbefreiten Großstadtdschungel zu einem veritablen Shitstorm geführt hätte, haben die Ebensfelder und vor allem die Ebensfelderinnen als das genommen, was es ist: Ein witziger Faschings-Seitenhieb auf Genderdiskurs und Frauenquotendiskussion.

Vor allem hat ihnen das Bier so gut gefallen, dass die Männersache seither regelmäßig um Pfingsten herum ausgeschenkt wird. Während die Ebensfelder Männer zur Sommerszeit eher das Pils, das helle Landbier oder auf dem Engelhardts-Keller die naturtrübe Kellerliebe direkt aus dem Tank bestellen, ordern die Damen süffisant grinsend „noch a Männersache!“

Was reizt Frauen nun ausgerechnet an diesem Bier? Sicher der provokante Name. Und sicher auch der malzige, unaufdringliche Körper dieses Biers. Das Bier liegt zwischen einem hellen Lager und einem Export, ist also ein wenig kräftiger in seinen Aromen, ohne zu dick aufzutragen. Die Männersache ist nicht zu süß, schön würzig und der angenehm getreidige Nachhall steigert noch die Süffigkeit. Jedenfalls liegt die Männersache genau zwischen dem, was sich Großkonzerne und wilde Craftbier-Brauerinnen unter einem „Frauenbier“ vorstellen. Wahrscheinlich ist das Erfolgsgeheimnis für ein gutes „Frauenbier“, dass es keines sein will. Denn nicht nur Ebensfelderinnen wissen, dass ein ordentliches Bier längst keine reine Männersache mehr ist.

„Reine Männersache“ schmeckt auch der Damenwelt.

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