UNTERLEITERBACH

Herbergssuche einmal anders

Asylunterkunft Zapfendorf
Teilt gerne und selbstlos sein Essen: Hier bereitet der aus Syrien stammende Kawa Suliman (l) syrisches Brot zu. Jüngst ... Foto: Nicolas 'Armer/dpa

Kürzlich trafen sich Bürger aus Zapfendorf mit Asylbewerbern aus Unterleiterbach und Zapfendorf im Gemeinderaum der evangelischen Kirche. Man schaute sich Bilder vom Sommerfest an und trotz der Sprachbarriere kam es zu einer anregenden Unterhaltung. Dabei erzählte Kawa Suliman, Asylbewerber aus Syrien, von einem Ereignis, das sich im Asylbewerberheim Unterleiterbach zutrug und ein bisschen an die Herbergssuche erinnert – nur sind in dieser Geschichte die Wirtsleute keineswegs so abweisend wie damals in Bethlehem.

Hier die Geschichte: Ein Ehepaar aus Karlsruhe macht Urlaub in Franken, um zu wandern und die viel gepriesene fränkische Küche zu genießen. Auf einer ihrer Wanderungen kommen sie nach Unterleiterbach. Sie sind müde, hungrig und durstig. Am Dorfplatz steht ein stattliches Haus mit der Aufschrift „Brauerei-Gasthof“. Hier kehren sie ein. Der große Aufenthaltsraum, in dem sie Platz nehmen, sieht für sie zwar etwas anders aus, als die Gastwirtschaften in ihrer Heimat, aber vielleicht muss das in Franken so urig sein, denken sie. Die Wanderer ahnen nicht, dass sie sich im Aufenthaltsraum des Asylbewerberheimes befinden.

Kawa Suliman kommt in den Raum, begrüßt die Fremden und fragt nach orientalischer Sitte nach ihrem Wohlergehen und ihren Wünschen. Der Wanderer sagt: „Wir möchten gerne etwas essen und trinken. Was haben sie denn?“ Als Asylbewerber hat Kawa Suliman kein großes Angebot. Also rennt er im Haus herum und fragt die Mitbewohner, was sie zur Gästebewirtung beisteuern können. Bald kann er den beiden Wanderern ein reichhaltiges Angebot bieten: „Wir haben Marmelade, Honig, Käse, Salat, Brot.“ Als Getränk bietet er Cola, Mineralwasser, grünen beziehungsweise schwarzen Tee an. Die Gäste wählen und es wird aufgetischt. Die Frau aus Karlsruhe genießt ihren grünen Tee in kleinen Schlucken und auch das Essen mundet den beiden sehr gut. Nach dem genüsslichen Mahl wollen die Gäste bezahlen: „Die Rechnung, bitte“, sagt der Wanderer. Kawa Suliman stellt freundlich klar: „Sie waren unsere Gäste. Wir hoffen, es hat ihnen geschmeckt. Das kostet nichts.“

Die beiden Gäste sind irritiert: „Soweit geht die fränkische Gastfreundschaft aber doch nicht! Jede Gastwirtschaft hat ihre Preise! Wo sind wir denn hier?“ Kawa Suliman gibt Auskunft: „Sie sind hier im Asylbewerberheim; die Gastwirtschaft – das war einmal!“ Schweigen und Tränen vonseiten der Wanderin. Und nach einigen Tagen: eine Dankespostkarte aus Karlsruhe.

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