VIERZEHNHEILIGEN

Tierisch viel los im Trafohaus

Die Paten: Die Vorschulkinder des Maintal-Kindergartens Schönbrunn mit ihren Betreuerinnen haben den Umbau des Trafohaus...

Gemeinsam für mehr sichtbaren Artenschutz und Umweltbildung: Der Verein „Artenschutz in Franken“, die Stadt Bad Staffelstein, die Audi-Stiftung für Umwelt und die Bayernwerk-AG, haben das alte Trafohaus in Vierzehnheiligen aus seinem Schlaf erweckt. In den vergangenen Monaten wurde es umfangreich saniert und zu einem „Leuchtturm der Artenvielfalt und der erlebbaren Umweltbildung" umgestaltet. Ausgestattet mit speziellen Sekundärhabitaten, die in die Fassade integriert wurden, bietet das Türmchen nun hochwertige Lebens- und Fortpflanzungsräume für Amphibien, Insekten, Kleinsäuger, Vögel und Fledermäuse.

Belebtes Hochhaus am Waldrand

Auf dem Weg zu den „Stäfferla“, die von der Basilika nach Wolfsdorf führen, zieht das kreativ gestaltete Trafohaus die Blicke auf sich. Dort stellten am Freitag die Initiatoren Thomas Köhler, Vorsitzender des Vereins „Artenschutz in Franken“, Dr. Dagobert Achatz, Vorsitzender der Audi-Stiftung, Bürgermeister Jürgen Kohmann sowie Dr.Volker Belzer und Burkhardt Butz von der Bayernwerk-AG das Projekt der Öffentlichkeit vor.

„Irgendwann haben die Ressourcen ein Ende, und wir merken, dass weder Sperling, noch Schleiereule mehr als Vorbild für künftige Forschungen vorhanden sind.“
Thomas Köhler, Vorsitzender „Artenschutz in Franken“

„Stelen bundesdeutscher Biodiversität" nennt sich das bisher einmalige Entwicklungskonzept, das die Vorschulkinder des Maintal-Kindergartens Schönbrunn als Paten begleiten. Hinter dem komplexen Titel verbirgt sich ein innovatives Kooperationsprojekt, das einen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt leisten möchte. Im Fokus stehen dabei kulturell prägende Bauwerke, die viele Jahre für die Dörfer und Städte unverzichtbar waren, jedoch inzwischen ein Schattendasein führen. In den vergangenen Jahren verloren Kulturgüter, zum Beispiel „Stromhäusla", zunehmend an Bedeutung und wurden abgerissen. Mit jedem Abriss wird ein Zeitzeugnis unwiederbringlich aus der Chronik des Fortschritts radiert. Zugunsten beider Seiten finden nun gefährdete Tierarten ein neues Zuhause in „gefährdeten Bauwerken".

Web-Cam und QR-Code

Wie hier am Trafohaus in Vierzehnheiligen. Neuartig ist die Dachkonstruktion, die Temperaturschwankungen entgegenwirkt. Die Fledermaus-Thermokammer bietet den Säugetieren der Lüfte einen wertvollen Rückzugsraum. Hiesige Leitarten wie Schleiereule, Großes Maus-ohr und Mauerbiene finden einen idealen Unterschlupf im artenreichen Hochhaus. Infotafeln geben Aufschluss über die Eigenschaften, Lebensgewohnheiten und den Schutzstatus der dargestellten Tier- und Pflanzenarten. Zudem lassen sich die Tiere über Webcams – ohne sie zu stören – in und an ihrem Quartier live beobachten. Mit einem Get-in-System für Smartphones will man vor allem junge Generationen zum Nachdenken und Mitmachen anregen. Dies wird ab Mitte August frei nutzbar sein.

Kinder als Wissens-Asse

Gerade Kinder als Zukunftsträger entfernen sich mehr und mehr von der Natur und den unzähligen Erdenbewohnern, kennen kaum mehr einen Gartensrotschwanz oder Feuersalamander, geschweige denn deren Ansprüche. Projektinhaltlich wird deshalb großer Wert auf einen sicht- und greifbaren Umweltbildungspart gelegt. „Die Mädchen und Buben des Maintal-Kindergartens Schönbrunn sind seit einem Vierteljahr aktiver Teil des Projekts, lernen spielerisch heimische Tiere und Pflanzen kennen und bemalten gemeinsam den Schleiereulen-Nistkasten“, erzählt Kindergartenleiterin Ingrid Schorn begeistert. So wurden aus ihnen Wissens-Asse auf dem Gebiet Flora und Fauna. Die Kinder begleiten das Projekt weiterhin und lernen hierbei, auch ihre Mitmenschen zu überzeugen, warum es sich lohnt für die Ressource Umwelt zu kämpfen.

„Die Menschheit schöpft aus den Ressourcen der Natur, verbessert die Aerodynamik von Fahrzeugen mit Vorbild der Haifischhaut, richtet sich bei Strömungsverbesserung und Geräuschreduktion der Tragflächen von Flugzeugen an dem lautlosen Jäger der Nacht: die Eule. Doch irgendwann haben die Ressourcen ein Ende, und wir merken, dass weder Sperling, noch Schleiereule mehr als Vorbild künftige Forschungen vorhanden sind.“, berichtet Thomas Köhler engagiert. Es sei Zeit, der Natur etwas zurückzugeben, und an welch anderer Stelle würde der Aspekt zur Erhaltung der Schöpfung wohl besser aufgehoben sein, als in Vierzehnheiligen, dem Kleinod im Gottesgarten am Obermain. Vom Ort der brüderlichen Begegnung soll das Licht des „Leuchtturms der Artenvielfahrt" in die gesamte Region erstrahlen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das Bauwerk ist zusätzlich mit einem insekten- und fledermausfreundlichen Licht ausgestattet.

Die Außenfassade leuchtet ebenso als farbenfroher Blickfang. Überdimensionale Tier- und Pflanzengraphiken gewinnen die Aufmerksamkeit eines jeden Spaziergängers um die Wallfahrtsstätte. Der Künstler Michael Horn aus dem Nürnberger Land fügte die Gestaltung des Turms überlegt in das Landschaftbild ein und schuf ein Gesamtkunstwerk, geschmückt mit Feuersalamander, Erdkröte, Schleiereule, Dohle, Hirschkäfer und den typischen Bewohnern des dortigen Pflanzenreichs Aronstab, Bärlauch und Türkenbund.

Auch Schwester Regina, Generaloberin der Franziskanerinnen steht mit ganzem Herzen hinter dem Projekt: „Als Tochter eines Imkers bin ich von klein auf mit Artenschutz vertraut, und gerade wir verspüren mit unserem Orden der franziskanischen Spiritualität und unserem Schutzpatron der Tiere und des Naturschutzes Franz von Assisi die Nähe zu diesem Thema.“

Ehrenamtliche Umweltbildung

In Vierzehnheiligen beginnt eine neue Naturschutzmethode. Kern der Bemühungen soll es sein, dass sich in den kommenden Jahren „Stelen der Bioversität" bundesweit vernetzen. Besonders stolz ist Gerhard Kunze, Altenkunstadt, dass alle Planungsarbeiten, sowie Umweltbildungseinheiten, die viele 100 Stunden umfassten, ausschließlich ehrenamtlich bewältigt wurden. Er war als Vertreter des Vereins „Artenschutz in Franken“ der Ansprechpartner vor Ort. Lediglich die Bauwerkarbeiten im Umfang von rund 55 000 Euro wurden durch fachkundige Firmen vorgenommen.

In Zeiten einer modernen Industriegesellschaft müssen Schutz- und Nutzinteressen der biologischen Vielfalt in Einklang gebracht werden, um Artenvielfalt und Naturräume zu erhalten. Die optimale Verknüpfung beider Seiten ist die Schlüsselfrage einer nachhaltigen Entwicklung. Ein kleiner Lichtblick in Richtung Zukunft: der Trafoturm am Obermain.

Weitere Informationen und den Link zur Web-Cam gibt es unter www.artenschutz-steigerwald.de.

Förderer, Initiator und Künstler im Gespräch: Dr. Dagobert Achatz, Thomas Köhler und Michael Horn (v. li.) diskutieren ü... Foto: Sophie Röder

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