KUTZENBERG

Leidenschaften eines Multitalents

Eine musikalische Familie: Desiree Torday mit Tochter Valerie und Sohn Leonhard. Foto: Teresa Hirschberg

„Kunst ist die Sprache von Seele zu Seele“, sagte der irische Schriftsteller Oscar Wilde einst. Wie dieser Austausch in der Realität vonstattengeht, präsentierte Pianistin und Künstlerin Désirée Torday am vergangenen Sonntag mit einer beeindruckenden Kombination aus Konzert und Vernissage im Festsaal des Bezirksklinikums Obermain. Unter dem Titel „Konzertvernissage mit Klavier und Harfe“ lud die hauptberufliche Ärztin mit ihren beiden Kindern Valerie und Leonhard zu einem anspruchsvollen Nachmittag, der sowohl visuell als auch akustisch viel zu bieten hatte. Obwohl die gemeinsamen Auftritte ein familiäres Projekt darstellen, gebe es beim Proben keine Reibereien.

„Wir haben zuhause die Möglichkeit, am Flügel oder am Klavier zu proben und kommen uns dadurch nicht in die Quere“, erklärt die 14-jährige Valerie Torday die Zusammenarbeit mit Mutter Désirée und ihrem zwölfjährigen Bruder Leonhard. Seit vier Jahren lassen sie nun auch ihr Publikum an den Ergebnissen ihres künstlerischen Schaffens teilhaben.

In ihren Begrüßungsworten versprach Maria Winter drei Künstler, die immer für eine Überraschung gut seien, was das vielseitige Programm aus kontrastreichen Stücken bewies. Angefangen mit Johann Sebastian Bachs sanftem Stück „Air“ wechselte Désirée Torday zum lustig-heiteren „Heinzelmännchens Wachtparade“ von Kurt Noack, das schon James Last gemeinsam mit seiner Band zum Besten gab.

Temperamentvoll bis melancholisch

Neben Peter Tschaikowskys bekanntem „Tanz der Zuckerfee“ aus der „Nussknacker“-Ballettsuite bildeten Désirées Tordays Interpretation von Anton Rubinsteins „Husarenritt“ und Franz Liszts Ungarischer Rhapsodie Nr. 6 die grandiosen Höhepunkte des Konzertes: Während den Zuhörern schon beim Betrachten der Notenblätter schwindelig geworden sein dürfte, ging die 42-jährige Pianistin in der wechselnd temperamentvoll und melancholischen Musik vollkommen auf. Mit über die Klaviatur fliegenden Händen und durch ihre völlige Hingabe zog Désirée Torday das Publikum in ihren Bann und meisterte auch die anspruchsvollsten Stücke scheinbar mühelos. Auch an der Harfe bewies die Künstlerin mit ungarischen Wurzeln ihr vielseitiges Können, daneben widmet sie sich dem Gesang und Orgelspiel.

Hinsichtlich ihres musikalischen Talentes stehen Valerie und Leonhard Torday ihrer Mutter in nichts nach, was sie hervorragend am Flügel mit dem lateinamerikanischen Werk „Tico, Tico“ oder einem Walzer aus Edvard Griegs „Lyrischen Stücken“ bewiesen.

Ihre universelle Begabung als Künstlerin präsentierte die hauptberufliche Ärztin außerdem mit der Ausstellung ihrer neuen Ölgemälde zum Thema „Die Ästhetik der Frau in den verschiedenen Kulturen“ – eine Reihe, die im Januar 2012 entstand. „Frauen stellen ja an und für sich schon ein wunderschönes Thema dar, die Interpretation weiblicher Ästhetik in unterschiedlichen Kulturen gestaltete die Arbeit abwechslungsreich und schuf teilweise erotische Anklänge“, erläuterte Désirée Torday zur Ideenfindung ihrer Werke. Die Gemälde tragen Titel wie „Saphira“, „Weinkönigin“ oder „Lebensquell“ und weisen alle eine Verbindung zur Natur auf.

Momentan arbeite sie an einem Werk namens „Mother Africa“, das eine afrikanische Frau darstelle und die Fruchtbarkeit des Landes widerspiegeln soll. Ihr Malstil lässt sich als Realismus, gespickt mit fantastischen Elementen, beschreiben. Désirée Tordays künstlerisches Schaffen ziele nicht wie in vielen anderen Werken auf die Verwirklichung individualistischer und schwer nachvollziehbarer Ideen ab, sondern sei der Versuch, dem Betrachter durch Farben- und Formenpracht ein Gefühl von Glück und Harmonie zu vermitteln.

Für die Gesundheit der Seele

Durch ihre Arbeit als Ärztin erfahre sie immer wieder, wie sich das Zusammenspiel von Musik und Kunst positiv auf die seelische Gesundheit von Patienten auswirke. Eine „Oase der Entspannung und Erholung“ habe die gebürtige Hannoveranerin mit ihrer Galerie „Höhenrausch“ in Kutzenberg kreiert, in der sich ein buntes künstlerisches Sammelsurium aus Öl- und Acrylwerken, Aquarellen, Lichtinstallationen, Bibliothek, Spielzeugmuseum, Rosarium oder einem botanischen Wild- und Heilkräutergarten vereint. Beim Erkunden der Galerie, laut Désirée Torday ein Ort, „an dem sich Körper und Seele wohlfühlen“, werden die Besucher von harmonischer Klavier- oder Harfenmusik begleitet. Auch ihre neuesten Werke sollen durch ihr Leuchten eine positive Botschaft an den Betrachter vermitteln, so Torday.

„Ästhetik der Frau“

Für die Zukunft hat das Multitalent schon zahlreiche Ideen, um ihr Potenzial auszuleben: „Ich möchte weiterhin Konzerte und Vernissagen miteinander verbinden und außerdem an einer Synthese von Musik und Bild arbeiten – also Gemälde zu Musikstücken zeichnen.“ Ein Beispiel für dieses Wechselspiel findet sich mit „Tanz der Zuckerfee“ bereits unter den neusten Werken. Weiterhin geplant sind für Herbst eine Kunstaustellung im Bamberger Klinikum, ebenfalls zum Thema „Ästhetik der Frau“, und für nächstes Jahr ein Konzert mit Gesang, bei dem Désirée Torday von ihrem Sohn Leonhard am Klavier begleitet werden soll.