BAD STAFFELSTEIN

Die Familie Sundermahler

Der Geschichtsstudent: Christian Porzelt vor dem Rathaus in Bad Staffelstein. Er betreibt Ahnenforschung, seitdem ich ze...

Bereits seit über zehn Jahren betreibt der 21-jährige Christian Porzelt, Bamberger Student der Geschichte und Kunstgeschichte, Ahnenforschung. „Ich wollte wissen, woher ich komme und was meine Wurzeln sind“, erklärt er sein ungewöhnliches Hobby. Als er mit zehn Jahren gehört hatte, dass er weitläufig mit dem bekannten Philologen Johann Kaspar Zeuß verwand sei, wollte er diesem genauer auf den Grund gehen. Seitdem beschäftigt er sich mit der Ahnenforschung. Dafür fragt er beispielsweise beim Standesamt an oder besucht Stadtarchive. Dabei stieß er auf die Familie Sundermahler in Bad Staffelstein.

Cranachs Schwester

„Der Name entstand mit einer Ehe zwischen Anna Ma(h)ler und Bartholomäus Sunder, die spätestens 1528 geschlossen wurde“, erklärt Christian Porzelt. Das genaue Datum der Ehe sei nicht bekannt. Aus dem Namen der beiden Ehepartner habe sich schließlich der „Doppelname“ Sunderma(h)ler gebildet.

Anna Ma(h)ler war die Schwester des Malers und Lutherfreundes Lucas Cranach des Älteren aus Kronach. Als Hofmaler am kursächsischen Hof zählte er zu den bedeutendsten deutschen Maler und Grafiker der Renaissance. Berühmte Werke von ihm sind beispielsweise die Kreuzigung Christi oder das Portrait des Martin Luther.

Als schließlich Johann, genannt Hans, Balthasar Sundermahler im 17. Jahrhundert aus Kronach als erster nach Staffelstein übersiedelte, führte er bereits das Familienwappen. Auf diesem ist ein kniender Mann mit einer Zipfelmütze zu sehen. Die Entstehung des Wappens geht wahrscheinlich auf eine Missinterpretation des Namens Sundermahler, der auch als Sündermahler existierte, zurück. Diese Uneinigkeit des Namens zieht sich durch die Geschichte der Familie. Das Wappen mit dem knienden Mann, der als büßender Sünder verstanden werden kann, wurde vermutlich selbst durch die Familie gewählt, die sich des Ursprungs ihres eigenen Namens nicht mehr bewusst war.

Wechselnde Konfession

Bevor Johann (Hans) Sundermahler jedoch seinen Einfluss in Bad Staffelstein aufbauen konnte, musste sein Großvater ihm den Weg ebnen. Bartholomäus Sundermahler war Enkel von Anna Ma(h)ler und Bartholomäus Sunder. Er wurde an lutherischen Schulen unterrichtet und war wie viele Menschen zu der damaligen Zeit durch den Einfluss der Reformation protestantisch geworden. In vielen Orten der Region wie Weismain oder Lichtenfels, die heute katholisch sind, waren zu dieser Zeit weitgehend evangelisch. Mit dem Einsetzen der Gegenreformation kehrte Bartholomäus Sundermahler allerdings zwischen 1595 und 1599 zum Katholizismus zurück. „Er hat sogar ein Buch geschrieben, weshalb man zum Katholizismus wechseln sollte. Neben dem Glauben hatte das auch einen pragmatischen Grund“, sagt Christian Porzelt, „seine Karriere als Bürgermeister und bischöflicher Rat ist ihm damals nur als Katholik möglich gewesen. Als Protestant dagegen hätte er das Gebiet des Hochstifts Bamberg verlassen müssen.“

So konnte Bartholomäus Enkel Johann (Hans) Balthasar Sundermahler Anfang des 17. Jahrhunderts nach Staffelstein übersiedeln und Einfluss gewinnen. Er war der erste aus der Familie, der das Domkapitelische Kastenamt in Staffelstein innehatte. „Er war der höchste bischöfliche Finanzbeamter vor Ort. Aufgaben waren beispielsweise Güter beaufsichtigen und Zinsen und Steuern eintreiben“, erklärt Christian Porzelt. Er führte in Staffelstein die Wirtschaftsgeschäfte des Domkapitels. Außerdem habe er sogleich begonnen in Staffelstein und Umgebung Grundbesitz zu erwerben, also Geld in Grundstücke anzulegen. Beispielsweise war er 1687 in Horsdorf Eigentümer einer Mühle und hatte einen Anteil am Hof in Peusenhof (Markt Ebensfeld). Verheiratet war er mit Brigitta Neydecker, deren Familie ursprünglich aus Weismain kam und ebenfalls sehr wohlhabend war. „Das Rathaus in Weismain war zu dieser Zeit das Wohnhaus der Familie Neydecker“, sagt Christian Porzelt.

„Man kann diese Investitionen als Strategie sehen. Johann (Hans) Balthasar Sundermahler hat sich eingekauft“, erklärt Christian Porzelt, „man zieht irgendwo hin und wenn man einflussreich werden möchte, erwirbt man Grundbesitz. Das sichert den Einfluss.“ Insgesamt behielt die Familie Sundermahler das Kastneramt in Staffelstein für 116 Jahre. Dies wurde immer in der Familie vererbt, meist bekam der älteste Sohn das Amt.

Einige Mitglieder der wohlhabenden Familie Sundermahler haben ebenfalls einflussreich geheiratet, wie beispielsweise Anna Margarethe. Sie vermählte sich 1699 mit dem Baumeister und Architekten Leonard Dientzenhofer. Dieser war unter anderem der Erbauer der Residenz in Bamberg oder der Klosteranlage Banz. Die Familie Sundermahler hielt das Kastneramt von circa 1634 bis 1750/51. „Ende des 19. Jahrhunderts ist sie im Mannesstamme ausgestorben“, sagt Christian Porzelt. Das bedeutet, dass es keine männlichen Nachkommen mehr gibt, die den Namen weitervererben und somit der Name in Bad Staffelstein und Umgebung nicht mehr existiert. Letzter der Namenslinie war Anton Sundermahler.

Bartholomäus Sundermahler: Er war der Verfasser der 1599 in Bamberg gedruckten Schrift „Sechs erhebliche und wohlgegründete Ursachen, warum man Lutheri Sekten verlassen und zu der alten Catholischen Römischen Kirchen treten soll“.
Das Amtsgebäude des Domkapitels: Es war Wirkungsort von vier Generationen der Sundermahler. es wurde zwischen 1717 und 1720 errichtet. Heute hat das Landwirtschaftsamt hier sein Domizil. Foto: Wenjia Qian
Das Wappen der Familie Sundermahler.