EBENSFELD

Ein Ureinwohner kehrt heim

Der Biber ist wieder da: Horst Schwemmer ist der Biberberater von Oberfranken und erzählt den gespannten Zuhörern vom Le... Foto: Otto Weidner

Jahrhunderte lang rückten die Menschen dem Biber im wahrsten Sinn des Wortes auf den Pelz: Unter anderem wurde er wegen seines schönen Fells, seines Fleisches und wegen seines Drüsensekrets Bibergeil gejagt, so lange, bis man ihn in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts endgültig ausgerottet hatte. Und das, obwohl er vorher 15 Millionen Jahre lang in Bayern heimisch war.

Erst vor knapp über 40 Jahren gelang es, den Biber durch ein gezieltes Wiederansiedlungsprogramm mit Genehmigung des Landwirtschaftsministeriums wieder in Bayern heimisch zu machen. Mittlerweile gibt es an die 12 000 Biber. Und die Prognose für die Zukunft ist gut. In Ebensfeld hat nun mindestens ein Biber auch das schöne Kellbachtal entdeckt und angefangen, sesshaft zu werden. Dies war der Grund für die Ortsgruppe des Bund Naturschutz Ebensfeld, den Biberberater für Nordbayern, Horst Schwemmer, nach Ebensfeld zu holen, um den jungen, aber auch älteren Ebensfeldern den neuen Mitbewohner näher zu bringen.

Führungen für Jung und Alt

Mehr als spannend ging es dann am Kellbach kurz nach der Autobahnunterführung zu. Mehrere junge Biberforscher machten sich mit ihren Eltern auf, den neuen Kellbachbewohner aufzuspüren und aus erster Hand alles Wissenswerte zu erfahren. Der Biber selbst beantwortete in der Gestalt einer Biber-Puppe, geführt vom Biberberater Horst Schwemmer, die Fragen der Kinder und natürlich auch der Erwachsenen.

So erfuhren sie, dass der Biber zu einer streng geschützten Tierart gehört, die mit einem Gewicht von bis zu 30 Kilogramm das größte Nagetier der nördlichen Erdhalbkugel darstellt. Ihr Fell gehört mit sage und schreibe 23 000 Haaren zu den dichtesten im Tierreich. Schnell fanden die Jungforscher auch heraus, wozu der Biber seinen bis zu 35 Zentimeter langen platten Schwanz, die so genannten Biberkelle, braucht. Er dient als Stütze beim Sitzen, als Steuer beim Schwimmen und nicht zuletzt zur Alarmierung bei Gefahr.

Dass Biber reine Pflanzenfresser sind, konnte man schnell erkennen. Neben Gräsern, Kräutern und Wasserpflanzen bildet die Rinde von Gehölzen besonders im Winterhalbjahr die Hauptnahrung, was an vielen Ästen deutlich zu sehen war.

Um an die Rinde von Bäumen zu kommen, fällen sie allein mit ihrem Gebiss ganze Bäume. Allerdings benötigen sie die Stämme und Äste auch als Baumaterial für ihre Dämme und Biberburgen. Auch am Kellbach konnten die Kinder schnell einen Biberdamm entdecken. Kurz darauf zeigte der Biber Horst ihnen auch seinen Bau, die Biberburg, die am Bachufer angelegt wurde. Schnell konnte man erkennen, dass der Biber zu den genialsten Konstrukteuren und Baumeistern des Tierreichs gehört.

Seine riesigen Nagezähne, der platte Schwanz und die scharfen Krallen sind für ihn wichtige Werkzeuge bei der Arbeit, die zu einem großen Teil unter Wasser stattfindet. Dass Biber hervorragende Taucher sind und mehrere Minuten unter Wasser bleiben können, konnte Horst Schwemmer seinen Besuchern nicht zeigen, da Biber dämmerungsaktive Tiere sind und erst gegen Abend an die Arbeit gehen.

Konflikte lösen

Dass Konflikte manchmal nicht ganz ausbleiben, ist eigentlich kein Wunder. Der Biber kehrt in seine alte Heimat zurück, die jedoch mittlerweile komplett vom Menschen in Beschlag genommen wurde. Wenn dann oft nicht einmal die wichtigen Uferstreifen von landwirtschaftlichen Flächen frei bleiben, dann kann es schon einmal vorkommen, dass sich der Biber von Feldfrüchten bedient oder sogar Röhren in Äcker baut und Wiesen überschwemmt.

Aber auch für solche Problemfälle gibt es Lösungen, hier in Form der Biberberater und einem vom Bayerischen Umweltministerium eingerichteten Schadensfonds. Ganz begeistert war Horst Schwemmer allerdings auch vom Ebensfelder Biber, da dieser sich ein relativ konfliktarmes Stück Bach ausgesucht hat, wo kaum Probleme zu erwarten sein dürften.

Naturtalent im Landschaftsbau

Der aktive Nager erweist sich als wahres Naturtalent im Landschaftsbau. Durch seine Baumaßnahmen nutzt er nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Tieren und Pflanzen. Wo zum Beispiel Bäume und Gestrüpp eine ungenutzte Wiese überwuchern, setzt der Biber zum Kahlschlag an. Seltene Pflanzen wie Orchideen haben dann wieder Platz zum Wachsen. Und wo Biber Stauseen bauen, sind auch Frösche nicht weit. Diese sind wiederum die Lieblingsspeise von Schwarzstörchen, die dank der Biber ebenfalls zurückgekehrt sind. Die aufgestauten Wasserflächen erhöhen zudem den Grundwasserspiegel und sorgen dadurch auch schnell für eine Pflanzenvielfalt und dementsprechende Lebensräume für die verschiedensten Tierarten. Auf diese Art und Weise ersetzen Biber teure und aufwändige Renaturierungsmaßnahmen, schaffen ganz umsonst Biotopflächen und -verbindungen, verbessern ganz nebenbei den Wasserhaushalt und die Wasserqualität und sind die Schlüsselart für eine immense Artenvielfalt, ganz im Sinne der Bayerischen Biodiversitäts-Strategie der Bayerischen Staatsregierung.

Dass man in der Natur viel lernen kann, konnten nicht nur die kleinen Forscher bei der Biberwanderung erfahren. Ab jetzt wird man ganz bestimmt so manche Familie immer wieder sehen können, wenn sie bei ihrem Ebensfelder Biber vorbeischauen.