BAD STAFFELSTEIN

Alles begann mit einer Wette

Joey Kelly. Foto: Monika Schütz

„Hallo, ich bin der Joey“, sagt er ganz einfach und reicht jedem die Hand. Der Extremsportler und Geschäftsmann, Musiker und Familienvater mit dem obligatorischen langen blonden Zopf steht bereit, um vor seinem eigentlichen Vortrag in einer Pressekonferenz den Reportern Rede und Antwort zu stehen. Das Interesse der Medien ist groß, drei Fernsehteams sind da, dazu Radiosender und Vertreter aller regionalen Tageszeitungen.

„Sie haben eine besondere Karriere hinter sich - nein, sie sind gerade mittendrin“, verbessert sich Siegfried Wölki, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Coburg Lichtenfels, als er den berühmten Gast im Foyer der Adam-Riese-Halle begrüßt.

Joey Kelly ist der zweite Referent der Wirtschaftstage der Sparkasse, das Eintrittsgeld für die Teilnahme an seinem Vortrag spendet die Bank für die Regens-Wagner-Stiftung in Burgkunstadt. Kelly ist der „älteren" Generation noch aus Zeiten der Kelly-Family ein Begriff, der Großfamilie, die singend und musizierend durch die Straßen zog, europaweit Konzerte gab und nicht nur Mädchenherzen zum Ausflippen brachte. Kelly Family - das heißt aber auch Verantwortung übernehmen für die vielen Geschwister, nachdem Joeys Mutter, eine in den USA geborene Nachfahrin einer ehemals aus Speyer (Rheinland-Pfalz) ausgewanderten deutschen Familie, schon frühzeitig verstorben war.

Dann erinnert sich der heute 41-Jährige, wie nach dem Tod des Vaters seine Karriere als Sportler anfing: „Es begann mit einer Wette“, sagte er grinsend. Mit seiner Schwester wettete er vor 17 Jahren, dass er den Rothsee-Triathlon schaffe. Er kam als Drittletzter ins Ziel, ausgepumpt, erschöpft, der Körper voller Muskelkater. Drei Tage später beschloss er weiterzumachen.

Es folgte eine beispiellose Karriere als Sportler. Kelly bereiste die entlegensten Winkel der Erde, um an den strapaziösesten Veranstaltungen teilzunehmen: Dem ersten Triathlon 1996 folgten ein Jahr später der Ironman Germany, zwei Jahre danach der Titel: Ironman (innerhalb eines Jahres als erster Triathlet der Welt acht Ironman erfolgreich beendet), 1998 Ultraman Hawaii, aber auch Erfolge und Preise als Hochseilartist, im Schießsport, als Bergsteiger, Ski-Fahrer und Turmspringer. Eine Expedition führte Kelly an den Südpol, eine weitere Challenge ins unwirtliche knochentrockene extrem heiße Jordanien.

Kelly lief in Australien und Kanada, absolvierte den Jungle Marathon im brasilianischen Amazonas-Gebiet und lief die Strecke Berlin-Bagdad (4600 Kilometer) in unglaublichen zehn Tagen. Der Ausnahmesportler erzählt aber auch von den Momenten, als er aufgeben wollte, nicht mehr weiter wollte und konnte und nicht nur einmal auch einen Wettkampf abgebrochen hat.

Es ist eine Sache des Kopfes, antwortet Joey Kelly auf die Frage, ob Sport ihn süchtig gemacht hat. Ja, auch sein Privatleben habe sich verändert, neue Freunde und Bekannte seien hinzugekommen, zu anderen habe er nur noch wenig bis gar keinen Kontakt mehr.

„Da ist er manchmal, der innere Schweinehund, wie ihr hier sagt. Und er schreit dich an: Warum tust du dir diese Strapazen an?“
Joey Kelly Extremsportler

Die Selbstüberwindung ist es, die ihn weiter antreibt. „Da ist er manchmal, der innere Schweinehund, wie ihr hier sagt. Und er schreit dich an: Warum tust du dir diese Strapazen an? Hitze? Müdigkeit? Blasen und Muskelkrämpfe? Doch dann ist er da: der Wille, es zu schaffen, ein Ziel, dein Ziel zu erreichen!“ Es waren Aussagen wie diese, die das Publikum in der Adam-Riese-Halle faszinierte. Rund 450 Gäste hatten sich eingefunden, hingen an Kellys Lippen, nahmen jedes Abenteuer und jede Strapaze mit auf, als hätten sie sie selbst miterlebt.

Ein großartiger Mann, ein toller Referent der 8. Wirtschaftstage in Bad Staffelstein.