ZAPFENDORF

Aquarena: Geringer Badespaß, aber hohes Risiko

Leer bleiben wird das Zapfendorfer Freibad Aquarena in diesem Jahr. Foto: Johannes Michel

„Es sind einfach zu viele Variablen vorhanden, die wir nicht beeinflussen können“, sagte Zapfendorfs Bürgermeister Michael Senger nach der Entscheidung des Gemeinderats, das Freibad Aquarena dieses Jahr nicht mehr zu öffnen, bei einem Pressegespräch. „Ich bin für den Erhalt unseres Schwimmbads auf lange Sicht, aber gerade aus diesem Grund müssen wir es für diese Saison geschlossen halten.“

„Nicht nur Zapfendorfer nutzen das Bad, es ist eine Attraktion für die gesamte Umgebung. Daher brauchen wir Hilfe von außen.“
Andreas Schonath, Dritter Bürgermeister

Auch Geschäftsleiter Markus Müller-Hoehne verteidigt die Entscheidung – und blickt kritisch auf die Vorgehensweise der bayerischen Staatsregierung. Erst hatte es geheißen, bis Ende August sollten Schwimmbäder zu bleiben, dann kam die Kehrtwende.

Hätte sich nur eine Person infiziert, wäre das Bad wieder zu gewesen

Es gab für vorgezogene Maßnahmen schlicht keine Datenbasis: „Hätten wir Mitte Mai die Auswinterung des Schwimmbads wieder aufgenommen oder Hygienepläne erstellt, wären diese möglicherweise schnell wieder Makulatur gewesen – oder die Auswinterung hätte umsonst stattgefunden. Unser Ziel war es, zunächst die Kosten so gering wie möglich zu halten. Daher haben wir auch Kurzarbeit für unsere Mitarbeiter beantragt und konsequent die Arbeiten im Schwimmbad eingestellt.“

Müller-Hoehne verwies auf weitere Unwägbarkeiten. Lange sei nicht klar gewesen, wie viele Personen überhaupt das Schwimmbad hätten nutzen können, es fehlten die Rahmenbedingungen. Freilich: Es wäre zeitlich zu schaffen gewesen, bei einem positiven Gemeinderatsbeschluss zu öffnen. Dennoch wäre der Badespaß in dieser Saison auf der Strecke geblieben: zeitlich beschränkter Eintritt, Eingangskontrolle an den Becken, Sperrbänder oder Zäune, keine Duschen oder Umkleiden im Innenbereich, kein Spontanbesuch – und „wenn sich nur eine Person, die das Schwimmbad besucht hat, infizieren würde, wäre unser Aquarena von heute auf morgen wieder dicht gewesen“, meint Senger. Dritter Bürgermeister Andreas Schonath betrachtet derweil kritisch die Kostenseite. Aus einem Verlust von 400 000 oder 500 000 Euro, den Zapfendorf mit dem Schwimmbad jährlich macht, hätten schnell 800 000 Euro oder mehr werden können. Das könne die Kommune nicht stemmen. Daher sei die Entscheidung richtig, dieses Jahr nicht mehr zu öffnen. Schonath verweist aber auch darauf, dass Zapfendorf eine langfristige Unterstützung für das Freibad benötige – sowohl bei den Investitionen als auch bei den Betriebskosten. „Nicht nur Zapfendorfer nutzen das Bad, es ist eine Attraktion für die gesamte Umgebung. Daher brauchen wir Hilfe von außen – vom Landkreis, vom Bezirk, vom Freistaat.“ Würde Zapfendorf einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent der Betriebskosten erhalten, wäre das Freibad auf lange Sicht wohl gesichert, rechnete Schonath vor.

Denn über die Zukunft mache man sich im Rathaus viele Gedanken. Und auch der Gemeinderat müsse sich klar werden, was gewünscht ist, so Geschäftsleiter Müller-Hoehne. Ob es beispielsweise denkbar sei, dass aus dem Warmwasser- ein Kaltwasserbad wird, weil eine in absehbarer Zeit notwendige Sanierung der vom BMI-Werk zum Aquarena verlaufenden Warmwasserleitung sehr teuer würde. Diese also instand setzen und dafür auf andere Modernisierungen verzichten? Auf den Gemeinderat kommen wohl noch schwierige Entscheidungen in Sachen Schwimmbad zu.

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