BURGKUNSTADT

Zukunftsprojekt für Burgkunstadt: Haus für Leib und Seele

Sie brachten dem Stadtrat jüngst die Idee eines „Musikhauses mit Café“ näher und erhielten hierfür von dem Gremium kräftigen Rückenwind: Priska Kestel, Katharina Flierl und Dekanin Stefanie Ott-Frühwald (v. li.). Foto: Matthias Schneider

Priska Kestel und Katharina Flierl haben vergangene Woche das erreicht, womit sie wohl selbst in dieser Form nicht gerechnet hatten: Das von ihnen entworfene Projekt einer etwas anderen Musikschule löste bei der Vorstellung im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde bei allen Besucherinnen und Besuchern einhellige Begeisterung aus – und dies fraktionsübergreifend. Denn eingeladen zu dieser Informationsveranstaltung waren ausschließlich die Mitglieder des Burgkunstadter Stadtrats. Und sie sollten ihr Kommen nicht bereuen.

„Ich finde dieses Projekt schlichtweg genial.“
Manfred Hofmann, CSU

„Ich finde dieses Projekt schlichtweg genial“, bilanzierte beispielsweise Manfred Hofmann von der CSU, während SPD-Stadtrat Dieter Schmiedel von einer „gewaltigen Aufwertung für Burgkunstadt“ sprach, die die „Attraktivität der Stadt schlagartig erhöhen“ würde. Und selbst nach der rund 75-minütigen Veranstaltung wurde man das Gefühl nicht los, dass hier eine Initialzündung vollzogen wurde, die nicht nur schlagartig den Stadtrat zusammenschweißte, sondern aufgrund des dahinter steckenden einmaligen Konzepts auch weit über die Stadtgrenzen hinaus für Aufsehen sorgen könnte.

„Wir möchten Ihnen heute die Idee eines ,Hauses für Leib und Seele‘ vorstellen und Sie von dieser Idee begeistern und letztendlich dafür gewinnen“, begrüßte Dekanin Stefanie Ott-Frühwald die Mitglieder des Stadtrats zu Beginn der Veranstaltung. Die Michelauer Dekanin ist als Vertreterin des Dekanatsausschusses des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks Michelau zusammen mit der studierten Sozialwirtin Priska Kestel und der studierten Musikpädagogin Katharina Flierl eine der Initiatorinnen des Projekts „Musikhaus“, das als Inklusionsbetrieb auch ein Café beheimaten soll. Der Dekanatsbezirk Michelau selbst wird die Trägerschaft des geplanten Musikhauses mit angeschlossenem Café übernehmen.

„Hinter dem Musikhaus

verbirgt sich mehr als

nur eine reine klassische Musikschule. Stattdessen soll dieses Haus ein Ort für

Gemeinschaftserlebnisse sein.“

Katharina Flierl, Gesangspädogogin

Die Idee hierzu hatten mit Priska Kestel und Katharina Flierl zwei Burgkunstadterinnen, die nach ihrem Studium zurück in ihre Heimat gekehrt sind, um dieses Projekt hier zu verwirklichen. „Hinter dem Musikhaus verbirgt sich mehr als nur eine reine klassische Musikschule. Stattdessen soll dieses Haus ein Ort für Gemeinschaftserlebnisse sein“, so Katharina Flierl, die in Würzburg nicht nur Gesangspädagogik sondern auch Sologesang studiert hat.

Eng damit verbunden ist das ungewöhnliche, aber deshalb so interessante Raumkonzept des Musikhauses. „Sicherlich findet im Musikhaus hochwertiger Einzelunterricht für Gesang oder Instrumente statt. Doch neben Gruppenunterricht sind es vor allem die offenen Begegnungsräume, die dieses Konzept so einzigartig machen“, erläuterte Katharina Flierl.

Egal ob Übungsräume, Ferienprogramme, Fortbildungen für Kita-Mitarbeitende, Tonstudio, Proberaum für Bands oder Angebote in der musikalischen Früherziehung: Das Musikhaus soll vor allem ein Ort der gegenseitigen Begegnung sein. „Um diese Begegnungen auch abseits der Musik zu suchen und zu fördern, ist das angeschlossene Café ein integraler Bestandteil dieses Konzepts“, erläuterte Sozialpädagogin Priska Kestel die wichtige Tragsäule des Projekts. Das Café soll nämlich nicht nur die Verpflegung der Musikbegeisterten, sondern alle Bürgerinnen und Bürger im Blick haben.

Wichtiger Faktor bei der Quer-Finanzierung

„Das Café wird von Montag bis Freitag für alle offen stehen und mit Frühstück, Mittagessen und Kaffee und Kuchen am Nachmittag nicht nur eine kulinarische Lücke in Burgkunstadt schließen, sondern eben auch einen wichtigen Faktor bei der Quer-Finanzierung des Musikhauses leisten“, so Priska Kestel gegenüber dem Stadtrat.

Neben Catering- und Mittagsangeboten für Firmen könnten so auch Veranstaltungsangebote am Wochenende mit gleichzeitiger Verpflegung organisiert werden. „Auf der kleinen Bühne des Cafés wird es verschiedene Konzerte durch die Musikerinnen und Musiker des Musikhauses oder weiterer möglicher Gäste geben“, ergänzte Katharina Flierl die weiteren Nutzungsmöglichkeiten des Cafés, das aber auch durch die damit verbundene Personalabdeckung für Begeisterung bei den Anwesenden sorgte.

„Neben der Tafel und

dem Café Dialog könnte das Musikhaus zum dritten großen Sozialprojekt

unserer Stadt werden.“

Ulrike Dingelreiter, Bürgerberein

„Neben der Tafel und dem Café Dialog könnte das Musikhaus zum dritten großen Sozialprojekt unserer Stadt werden“, freute sich Stadträtin Ulrike Dingelreiter (Bürgerverein) darüber, dass die Initiatorinnen Musikhaus und Café nicht nur in Form einer gemeinnützigen GmbH, sondern auch als offiziellen Inklusionsbetrieb organisieren wollen. „Dies bedeutet, dass Teile der im Musikhaus und Café angestellten Personen eine Beeinträchtigung haben, dort aber eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle finden können“, so Priska Kestel, die als Mitarbeiterin eines auf Inklusionsvermittlung spezialisierten Unternehmens zugleich anerkannte Expertin auf diesem Gebiet ist. Immerhin würden hiermit in den ersten Jahren die damit verbundenen Personalkosten durch die Bundesagentur für Arbeit oder die „Aktion Mensch“ großteils abgedeckt werden.

Doch auch bei den Fragen rund um die Finanzierung der Musikschule hatte Priska Kestel bis ins Detail alle Antworten parat, sodass Stadträtin Susanne Bock von Wülfingen begeistert Zwischenbilanz schob: „Sie haben uns längst überzeugt!“ – eine Einschätzung, die übrigens auch die an dem Abend verhinderte Bürgermeisterin Frieß teilt. „Wir hatten die Bürgermeisterin bereits Anfang Oktober über das Projekt informiert. Sie empfand es als eine tolle Idee“, so Priska Kestel gegenüber den 14 anwesenden Stadträtinnen und -räten.

Ist die Frage des Standortes ein möglicher Knackpunkt?

Trotz aller Begeisterung offenbarte die Frage nach dem Standort des Musikhauses einen möglichen Knackpunkt. „Dieses Unternehmen braucht einen Raum - und hier kommen Sie ins Spiel!“, läutete Dekanin Ott-Frühwald den zweiten gewichtigen Grund für den Informationsabend ein. „Musikhaus und Café benötigen zirca 550 Quadratmeter Fläche und einen zentralen Standort, nahe der Stadtmitte“, erklärte Katharina Flierl und hatte hierfür gleich den passenden Vorschlag parat: „Das seit vielen Jahren ungenutzte und äußerlich wenig einladende Gebäude ,Am Bauershof 2' bietet all das, was dieses Musikhaus samt Café benötigt: genügend Raum, die Nähe zu den Schulen und Kindergärten der Stadt und zum Marktplatz selbst. Und es gehört der Stadt!“

Die Stadt könne als Vermieter einer renovierten und sanierten Immobilie auftreten, so Priska Kestel. Förderungsmöglichkeiten im Rahmen der Städtebauförderung sind zwischen 80 und 90 Prozent Zuschuss möglich, sodass sich das finanzielle Risiko der Stadt sehr in Grenzen halte. „Stattdessen hätte die Stadt über die Miete eine feste Einnahmequelle mehr und einen ehemaligen Schandfleck weniger, der sich außerdem in ein rundum saniertes Gebäude verwandelt hätte“, so die Sozialwirtin.

„Der Standort wäre ideal“, bilanzierte auch CSU-Stadtrat Günter Knorr, der genauso wie seine Fraktionskollegin Katrin Weißmann von einer möglichen Begegnungsstätte von Jung und Alt in Nähe des Marktplatzes schwärmte. „Umgesetzt werden soll dieses Projekt auf jeden Fall“, erklärte Dekanin Ott-Frühwald auf Nachfrage und erläuterte, dass das Projekt nicht nur im Rahmen des MUT-Förderprogramms der Evangelischen Landeskirche, sondern darüber hinaus auch bei Evangelischen Kirche Deutschlands für großes Interesse sorge.

Den Ball ins Spielfeld des Stadtrats gespielt

„Katharina Flierl und Priska Kestel haben als Burgkunstadterinnen an erster Stelle an ihre Heimatstadt gedacht und das aufgrund der bereits vorhandenen Strukturen auch völlig zu Recht. Wenn die Stadt Burgkunstadt aber nicht als Kooperationspartner auftreten kann oder will, wird das Musikaus mit Café an einem anderen Ort im Dekanat Michelau realisiert werden“, so die Dekanin, die damit den Ball in das Feld des Stadtrats spielte.

Man darf gespannt sein, wie das Gremium damit umgehen wird. „Dieser Punkt muss auf die Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung!“, waren sich die versammelten Mitglieder einig und sorgten damit auf jeden Fall für das Zwischenergebnis des Abends, das auch die drei Referentinnen vorsichtig optimistisch zurückließ.

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